MES
Die Skepsis ist da!
Häufig löst die Einführung eines MES Unbehagen aus. Mitarbeiter fühlen sich ausspioniert oder fürchten gar um ihren Arbeitsplatz. Ist diese Skepsis berechtigt und wie lassen sich Ängste vermeiden? Eckhard Winter, Geschäftsführer von Industrie Informatik, gibt Antworten.
Eckhard Winter, Geschäftsführer von Industrie Informatik, glaubt: „Mit einer guten MES-Unterstützung kann sich der Mitarbeiter wieder wertschöpfenden und innovativen Aufgaben widmen, die in der Folge sowohl die Mitarbeiterzufriedenheit als auch die Wettbewerbsfähigkeit erhöhen“
© Industrie InformatikWie reagiert die Belegschaft – auch in Form des Betriebsrats – bei der Einführung einer MES-Software? Gibt es hier länderspezifische Unterschiede?
Unternehmen, die in MES-Lösungen investieren, zielen üblicherweise auf einen raschen Return on Investment ab. In diesem Zusammenhang stellen sich von der Umstellung Betroffene oftmals die Frage, ob die angestrebte Gewinn-Maximierung nicht vor allem auf Kosten der Mitarbeiter geht. Dabei bestehen allein im DACH-Raum große Mentalitätsunterschiede: Während in Österreich und der Schweiz Transparenz als positiv angesehen wird, begegnen einem in Deutschland oftmals Widerstände – die wohl auch in einem strengeren Datenschutzgesetz und den Grundlagen der Betriebsverfassung begründet sind. Vor allem Betriebsräte stellen häufig zur Diskussion, ob es sich bei einem MES gar um ein Überwachungssystem handelt.
Sind denn Einführungen von Produktionsplanungs-Software mit einer Rationalisierung der Arbeitsplätze verbunden? Wie sind Ihre Erfahrungen damit?
Im Gespräch mit Kunden und Interessenten zeigt sich, dass es den Unternehmen nicht darum geht, Mitarbeiter zu ersetzen oder gar abzubauen. Vielmehr geht es um die Entlastung von wenig wertschöpfenden und Ressourcen-aufwendigen Tätigkeiten – zum Beispiel dem manuellen Führen von Listen oder der unorganisierten Suche nach Produkten in verschiedenen Zwischenlagern.
Wie können Unternehmen die Mitarbeiter beziehungsweise den Betriebsrat positiv für eine solche Software stimmen?
Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass es nötig ist, vor allem Skeptiker bereits zu einem frühen Zeitpunkt in die Überlegungen einer MES-Anschaffung einzubinden. Im Normalfall entsteht im Laufe des Projekts Vertrauen und die Erkenntnis, dass mit einem MES einerseits die Grundlage für eine objektive Sichtweise auf das Produktionsgeschehen geschaffen und andererseits ein Tool zur Steigerung der Effizienz zur Verfügung gestellt wird. Es gilt also, auf die entstehenden Chancen für Unternehmen und Mitarbeiter hinzuweisen, die durch ein MES entstehen. In vielen Projekten ist es sogar erstaunlich, wie sich über die Generationsgrenzen hinweg eine äußerst hohe Akzeptanz bei den Mitarbeitern entwickelt. Voraussetzung dafür ist natürlich eine stimmige Firmenphilosophie, die den Einsatz eines entsprechenden Tools zulässt. In Abstimmung dazu braucht es zudem eine klare Zielsetzung, die sich mit dem erwarteten Nutzen deckt.
Erleichtern die Systeme die Arbeit der Werker oder im Gegenteil – wird es gar schwieriger?
Man sollte hier keineswegs lediglich zwischen einfacher oder schwieriger differenzieren. Grundsätzlich bekommt der Produktionsmitarbeiter ein Tool an die Hand, das ihm dabei hilft, seine Arbeitsschritte zu optimieren und transparenter zu gestalten. Individuell organisierbare, aufgabenorientierte Anwendungen und Nutzeroberflächen sollen ihn gezielt bei seinen Aufgaben in der Produktion unterstützen. Das Interface-Design liefert ein Mehr an Funktionalität bei gleichzeitig erleichterter Bedienbarkeit. Der Grund dafür liegt in der Erfassung großer Datenmengen, die schließlich selektiv und übersichtlich dargestellt werden können. Heutzutage können die richtigen Informationen zur richtigen Zeit am richtigen Ort zur Verfügung gestellt werden. Und das mit folgendem Ziel: Den Produktionsmitarbeiter anhand vorrangig automatisiert erfasster Daten bei der Erfüllung seiner multifunktionalen Aufgaben zu entlasten und ihm gleichzeitig mit der Auswertung und Bereitstellung von relevanten Daten einen wahren Mehrwert zur Verfügung zu stellen. Der User muss sich lediglich den effizienten Umgang mit der Software aneignen, was angesichts der hohen Usability moderner MES-Systeme wie Cronetwork von Industrie Informatik keine allzu große Schwierigkeit darstellen sollte.
Können Sie an einem konkreten Beispiel erläutern, wie sich die Arbeit verändert?
Nehmen wir die traditionelle Fertigungsplanung und -steuerung als Beispiel. Diese ist geprägt von einer manuell nur schwer kontrollierbaren und überschaubaren Auftragssituation und einer Vielzahl an Abstimmungsgesprächen zwischen Mitarbeitern und Meistern. Am Ende steht zudem oft die Unsicherheit, die falschen Informationen mit den falschen Kollegen ausgetauscht zu haben. Es setzt sich ein Kreislauf in Bewegung, der viel Zeit und Ressourcen nötig macht. Mit einem MES-System hingegen erhalten alle an der Wertschöpfung teilnehmenden Mitarbeiter – sowohl in der Planung als auch in der Produktion – zeitnah die gleichen Informationen über das derzeit stattfindende Fertigungsgeschehen. Es entfällt die manuelle Erhebung der aktuellen Produktionssituation. Mittels der Fertigungsfeinplanung wird auch dem Planer das tatsächliche Produktionsgeschehen visualisiert und eine notwendige Auftragsumplanung auf elektronischem Wege direkt zum Werker an die Maschine kommuniziert.
Wie lange braucht die Belegschaft in etwa, bis sie sich in das neue System eingearbeitet hat?
Usability ist einer der Grundsätze, nach denen wir bei Industrie Informatik unsere Software weiterentwickeln und vorantreiben. Dementsprechend ist der Umgang mit Cronetwork sehr intuitiv und einfach erlernbar. Individuell anpassbare Oberflächen erleichtern zudem die Bedienung. Mit der Cronetwork-Academy und diversen Web-Demos bieten wir außerdem ein umfangreiches Schulungsprogramm für User. Die Implementierung unserer Software erfolgt grundsätzlich nach einem bewährten Projektablauf. Endanwender erhalten dadurch eine auf Ihre Anforderungen angepasste Lösung, die sie in kurzer Zeit zu nutzen lernen. Dies ist in dieser Form auch unverzichtbar, da unsere Kunden oftmals Leiharbeiter in ihrer Produktion einsetzen und diese nach einer möglichst kurzen Unterweisung in der Lage sein müssen, aktiv und effizient am Fertigungsgeschehen teilzunehmen – wozu auch die MES-Nutzung zählt.










