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Artikel und Hintergründe zum Thema

Studie zu Industrie 4.0

Günter Herkommer,

Die Frage der Arbeitsgestaltung

Mit Industrie 4.0 werden nicht nur neue technische Lösungen Einzug in die Fabriken halten, sondern auch große Herausforderungen im Bereich der Arbeitsorganisation auf die Unternehmen zukommen. So das Ergebnis einer aktuellen Studie.

Sebastian Schlund, Fraunhofer IAO: "Die Notwendigkeit des Aufbaus von – nicht nur fachlichen – Qualifikationen ist in den Unternehmen angekommen."

© Fraunhofer IAO

Im Auftrag des Beratungsunternehmens Ingenics hat das Stuttgarter Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) zwischen Juli und September dieses Jahres 518 Produktionsverantwortliche aus überwiegend mittelständischen Unternehmen zum Stand der Umsetzung von Industrie 4.0 befragt. Ein Schwerpunkt lag dabei auf den erwarteten Auswirkungen auf die Arbeitsgestaltung und -organisation. Die Hauptaussagen der daraus resultierenden Studie mit dem Titel "Industrie 4.0 – eine Revolution der Arbeitsgestaltung?!" lassen sich laut Sebastian Schlund, Leiter des Competence Centers Produktionsmanagement beim IAO, wie folgt zusammenfassen:

Mit Industrie 4.0 gehen insgesamt hohe Erwartungen einher. Hoher Mehrwert wird von den Befragten vor allem in einer Effizienzsteigerung der Supply Chain (78 Prozent), der Auftragsabwicklung (77 Prozent), der Maschinenvernetzung (72 Prozent) und der Digitalisierung des Shopfloormanagements (72 Prozent) gesehen. Zahlreiche Unternehmen sind Dr. Schlund zufolge bereits dabei, mit Hochdruck die nötige IT-Infrastruktur aufzubauen. Bereits 45 Prozent der befragten Unternehmen stehe eine zuverlässige WLAN-Abdeckung im Produktionsumfeld zur Verfügung; 41 Prozent eine Breitbandanbindung.

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Oliver Herkommer, Ingenics: "Fast ebenso bedeutend wie die Einführung technischer Industrie-4.0-Konzepte sind der Umgang mit der Arbeitnehmervertretung, der Schutz mitarbeiterbezogener Daten sowie die Berücksichtigung der Altersstruktur."

© Ingenics

Davon abgesehen, gibt es auf dem Weg zur Industrie 4.0 noch viel zu tun. Lediglich 6 Prozent der Befragten schätzen die Industrie-4.0-Fähigkeit ihres Unternehmens als bereits stark ausgeprägt ein. Demgegenüber stehen 55 Prozent, die entsprechende Kompetenzen erst noch erarbeiten müssen. Und lediglich in 29 Prozent der befragten Unternehmen existiert eine explizite Industrie 4.0-Strategie. Wenn vorhanden, wird diese mehrheitlich (53 Prozent) von der Geschäftsführung verantwortet.

Die Umsetzung technischer Innovationen im Zuge von Industrie 4.0 ist allerdings nur eine Seite der Medaille - das Thema Arbeitsgestaltung und Qualifizierung die andere. So gehen immerhin knapp über die Hälfte der Befragten (51 Prozent) davon aus, dass die Einführung von Industrie 4.0 zu einer Reduzierung einfacher, manueller Tätigkeit führt. Ebenso erwarten 54 Prozent, dass der Anteil der indirekten Mitarbeiter in planenden und steuernden Tätigkeiten steigt.

Die Bedeutung von Qualifizierung und Kompetenzentwicklung in der Produktion wird vor diesem Hintergrund als durchgängig sehr hoch eingeschätzt – insbesondere die Bereitschaft zum lebenslangen Lernen (86 Prozent), stärkeres interdisziplinäres Denken und Handeln (77 Prozent) und höhere IT-Kompetenz (76 Prozent) werden als notwendig angesehen.

Hinsichtlich der betrieblichen Mitbestimmung erwarten 50 Prozent der Befragten, dass diese durch neue Freiheitsgrade schwieriger, gleichzeitig jedoch durch den Einsatz neuer Technologien vereinfacht wird. Für den Umgang mit transparenten Arbeitsergebnissen - als eine Auswirkung von Industrie 4.0 - rechnet die Hälfte der Produktionsverantwortlichen damit, dass die Mitarbeiter Teilaspekte der individualisierten Leistungsmessung ablehnen, grundsätzlich aber aktiv mitgestalten.Als eine Konsequenz der Einführung von Industrie 4.0 in den Unternehmen erwarten schließlich 63 Prozent der Befragten eine Flexibilisierung der Arbeitszeitsysteme.

Für Oliver Herkommer, CEO von Ingenics, ist somit klar: "Die Gestaltung der Auswirkungen von Industrie 4.0 auf Flexibilität, Entgelt, betriebliche Mitbestimmung und die Arbeitstätigkeiten selbst werden über Umsetzungstiefe und -geschwindigkeit entscheiden – und somit über Erfolg und Misserfolg der vierten industriellen Revolution."

Die vollständige Studie ist ab Ende November frei verfügbar im Downloadbereich auf der Webseite von Ingenics.

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