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Artikel und Hintergründe zum Thema

Regler-Entwurf

Dr. Kurt Zehetleitner | Lukas Dehling,

Der perfekte Regler

Sich situativ dem Maschinenverhalten anpassen und auf Veränderungen im laufenden Betrieb ­reagieren – nur perfekt eingestellte Regler können diese Anforderungen erfüllen. Solche Regler lassen sich heute mittels modellbasiertem Entwurf realisieren. Gekoppelt mit den Möglichkeiten der ­Simulation des Maschinenverhaltens, ergeben sich neue Werkzeuge.

© HIT / B&R Industrie-Elektronik

Wie lässt sich der "perfekte" Regler entwerfen? B&R setzt bei der Umsetzung dieser Fragestellung auf die Kopplung des passenden Hardware-Portfolios mit umfangreichen Software-Bibliotheken, die explizit für die Simulation beziehungsweise für den modellbasierten Reglerentwurf entwickelt wurden. Bausteine zum Identifizieren, Regeln und bei Bedarf zum ­Diagnostizieren komplettieren die Möglichkeiten zur Entwicklung von Maschinensoftware. So lässt sich der Entwicklungsprozess von Maschinenregelungen verkürzen.

Mechatronische Entwicklung

Die "mechatronische Entwicklung" wird im industriellen Umfeld sehr unterschiedlich definiert. Im Endeffekt beschreibt der Begriff die parallele Entwicklung der Hard- und Software einer Maschine unter Einbeziehung der Wechselwirkungen zueinander. Der Vorteil eines derartigen Ansatzes ist einerseits die Verkürzung der gesamten Entwicklungszeit, da Experten in unterschiedlichen Bereichen zeitlich parallel an unterschiedlichen Teilen einer Maschinenautomatisierung arbeiten können. Andererseits lassen sich die einzelnen Hardware- und Software-Komponenten einer Maschine besser aufeinander abstimmen, da es dieser Ansatz zum Beispiel erlaubt, Erkenntnisse aus der Software-Entwicklung noch in die Hardware-Auslegung einfließen zu lassen.

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Die Simulation - der "Enabler"

Ein entscheidender Faktor dieses Konzeptes ist die Simulation. Sie erlaubt es, komplexe Software-Komponenten dynamisch – also im zeitlichen Ablauf – zu testen und zu verifizieren. Die Simulation ist das Bindeglied zwischen dem Strang der Software-Entwicklung im Automatisierungswerkzeug und anderen Feldern, wie der Mechanik- und Elektrik-Entwicklung. Dies gilt allgemein, aber auch speziell für die industrielle Maschinenautomatisierung.

Die Technologiefunktionen in Automation Studio: Es gibt Technologie- und Regelungstechnik-Pakete.

© B&R Industrie-Elektronik

Automation Studio, das Entwicklungswerkzeug bei B&R, ist so konzipiert, dass es die Maschinenautomatisierung in einem Werkzeug abdeckt. Der Vorteil der Verbindung all dieser Bereiche in einem Entwicklungswerkzeug ist die einfache Verknüpfung von Funktionen miteinander. Durch einen solchen ganzheitlichen Ansatz können mit diesem Werkzeug auch komplexe Sicherheitsfunktionen im Bereich "Smart Safe Reaction" konfiguriert und diagnostiziert werden. Gleichzeitig ­verfügt Automation Studio über klare Schnittstellen nach außen. Setzt man den Fokus der Betrachtung auf die Möglichkeiten, Maschinensoftware zu entwickeln, so verfolgt Automation ­Studio ein Konzept, bei dem der Nutzer entscheiden kann, ob er selbst die ­Regelungssoftware in ANSI-C, C++ oder IEC 61131 programmieren will oder auf eine der unternehmenseigenen Technologiepakete (Technologie-Software) zugreifen möchte. Zusätzlich kann er aber auch externe Werkzeuge von Mathworks (MATLAB/Simulink), Maplesoft (Maple/MapleSim), Eplan oder anderen Anbietern anbinden, um etwa Regelungsalgorithmen zu ent­wickeln und diese mittels automatischer Code-Generierung in ein Automation-Studio-Maschinenprojekt zu integrieren.

Die Anbindungen an externe Werkzeuge ermöglichen es Firmen, B&R-Hardware- und Software-Produkte direkt und nahtlos in ihre spezifische Entwicklungslandschaft einzubetten. Diesen Zugang verwenden beispielsweise Kunden, die Matlab/Simulink nutzen, um ihre Maschine modellhaft abzubilden und Regelungsalgorithmen modellbasiert zu entwickeln sowie den entwickelten Regler danach auf Knopfdruck in ein Automation-Studio-Projekt einzubinden.

Diagnose auf Maschinenebene

Kunden sind bei der Entwicklung von Regelungstechniklösungen jedoch nicht auf zusätzliche Tools angewiesen. Regelungen lassen sich ebenso mit den bereitgestellten Technologiefunktionen von Automation Studio ­entwickeln.

Dabei wird zwischen Technologie- und Regelungstechnik-Paketen unterschieden. Bei den Technologie-Paketen finden sich Bibliotheksfunktionen für spezifische Technologiebereiche wie Hydraulikachsen und Temperaturzonen. Demgegenüber beinhalten die Regelungstechnik-Pakete allgemeine Regelungstechnik-Funktionen auf unterschiedlichen Ebenen (Basic – Advanced – Expert). Ein gemeinsames Merkmal aller Pakete: Die involvierten Bibliotheksfunktionen stehen nicht nur als Software-Bausteine zur Ver­fügung, sondern auch in Form von ­Lösungen (sogenannten "Solutions"). Die Solution-Pakete (siehe Kasten) stehen für typische Aufgabenstellungen in der jeweiligen Technologie oder im Sinne der Regelungstechnik zu­sammen mit Simulationsmodellen zur Verfügung.

Die 'PID Control with Step Tuning Solution': Zunächst wird die Lösung simuliert und dann per Drag&Drop in die Steuerung der realen Maschine übertragen.

© B&R Industrie-Elektronik

Ein derartiges Paket lässt sich per Menü in Automation Studio auswählen. Sobald es importiert ist, ist es lauffähig. Dadurch ist der Benutzer sofort in der Lage, sich in das bereitgestellte Maschinenmodell, aber auch in die Technologiekomponente einzuarbeiten und diese zu testen. Die Simulation lässt sich durch Einstellung von Parametern (mechanische Abmessungen oder Daten aus Datenblättern) an das reale Maschinenverhalten der konkreten Maschinenanwendung anpassen. Zusätzlich ist es durch eigene Maschinenmodelle ersetzbar beziehungsweise erweiterbar. Ein einfaches Beispiel einer Lösung: Die "PID Control with Step Tuning Solution" im Basic-Controller-Design-Paket.

Das Übertragungsverhalten der Basisfunktionsbausteine mit PID-Regler und zwei Filterbausteinen wird durch Indentifikationsbausteine aus dem Advanced-Paket bestimmt.

© B&R Industrie-Elektronik

Die Blöcke PID, LowPass oder Oscillation-Tuning sind vorgefertigte Bausteine mit Schnittstellen, die in dieser Lösung bereits für diese typische Regelungsaufgabe einer PID-Regelung in einem einschleifigen Regelkreis mit eingebauter Tuningfunktion vorbereitet wurden. Das Modell im Programm SimMod stellt eine Regelstrecke mit ausgeprägtem Tiefpassverhalten dar – wie es zum Beispiel bei Temperaturstrecken der Fall ist. In einer in dieser Lösung mitgelieferten Simulationskonfiguration können diese beiden Programme sofort in der Simulationsumgebung am Entwicklungsrechner laufen. Mittels Drag&Drop lässt sich derselbe Regler in die Maschinensteuerung für die reale Maschine einbinden. Der Anwender kann die Lösung ausgehend von dieser vorgefertigten Variante erweitern und verändern, zum Beispiel indem er weitere Funktionen aus den Bibliotheken des Basic-Controller-Design-Pakets nutzt. Zum Funktionsumfang des Basic-Pakets gehören Regelungsbausteine, Signalfilterung, Sollwertgenerierung, Statistik-Funktionen und Look-Up-Tabellen. Diese Basisfunktionen erlauben es nun, Regelungen selbst zu entwickeln, indem auf vorgefertigte Grundfunktionen zugegriffen wird. Einfache Tuning-Funk­tionen für die PID-Reglereinstellung auf Basis von Oszillationsversuchen und Sprungversuchen an der Regel­strecke stehen hier zur Verfügung. Weiterführende Regelungstechnik-Methoden stehen im Advanced-Con­troller-Design-Paket bereit. Durch abgestimmte Schnittstellen lassen sich weiterführende Funktionen direkt mit Funktionen des Basic-Pakets verbinden, um diese um Identifikations-, Regelungseinstellungs- und Diagnosemöglichkeiten zu erweitern. Um diese Funktion nun auf die Regelungsstrecke einzustellen, wird dessen Übertragungsverhalten (die Übertragungsfunktion) durch einen Identifikations­baustein aus dem Advanced-Paket bestimmt. Alle Funktionsbausteine des Basispakets stellen ihr Übertragungsverhalten über eine kompatible ­Schnittstelle zur Verfügung, sodass ein Tuning-Baustein aus dem Advanced-Paket unter Zuhilfenahme all dieser Informationen die Reglerparameter des PID-Reglers für ein durch den ­Benutzer vorgegebenes Regelungsverhalten bestimmen kann.

Durch Visualisierung des Frequenzgangs der identifizierten Strecke kann der Benutzer gezielt beim Aufbau des Reglers den Eigenschaften der Strecke Rechnung tragen. So wird zum Beispiel ein Notch-Filter eingesetzt, um die Überhöhung im Frequenzzugang zu kompensieren und danach den PI-Regler besser einstellen zu können. Speziell die Diagnose eingestellter Regler ist durch diesen Zugang im Frequenzbereich möglich. Zusätzlich lassen sich immer dann, wenn einfache PID-Regelungen für sich nicht ausreichen, zusätzliche Bausteine im Frequenzbereich so justieren, dass gezielt das gewünschte Regelungsverhalten eingestellt wird. Im Advanced-Paket stehen Bibliotheksfunktionen wie Signalverarbeitung, Identifikation, Lineare Algebra, Autotuning und virtuelle Sensorik zur Verfügung. Der Mehrwert der Funktionen im Advanced-Paket für den Anwender liegt darin, Regelungen mit zusätzlicher Intelligenz auszustatten, indem diese bei der Inbetriebnahme zielgerichteter eingestellt werden können und die Diagnose vereinfacht wird. Da es sich bei diesen Bausteinen um Bibliotheksfunktionen handelt, die direkt auf der Echtzeit-Steuerung ablaufen können, ermöglichen sie zusätzlich die Umsetzung smarter Regelungen: Diese können sich etwa in unterschiedlichen Betriebsfällen auf das sich verändernde Maschinenverhalten einstellen, indem sie während des Betriebs das dynamische Verhalten identifizieren und die Reglerparameter wieder neu berechnen. Diese Möglichkeiten – etwa jene der Diagnose im Frequenzbereich – werden damit in die Steuerung integriert und deren Nutzung bleibt nicht dem Regelungstechnik-Experten in der Applikationsentwicklung vorbehalten, sondern sie kann damit sowohl für die Maschineninbetriebnahme als auch für Wartungsaufgaben bereitgestellt werden.

Autor: Dr. Kurt Zehetleitner ist Technical Manager Automation Software, Mechatronic Technologies bei B&R.

Bestandteile eines Solution-­Paketes

Die Pakete bestehen generell aus:

  • den Bibliotheksfunktionen für die jeweilige Regelungsaufgabe,
  • einer Vorlage (Templates), die die Nutzung der Bibliotheksfunktionen für diesen typischen Anwendungsfall zeigt,
  • einer lauffähigen Visualisierung zur Inbetriebnahme und Diagnose dieser Lösung,
  • einem oder mehreren Simulations­modellen, die das Verhalten der Maschinenkomponente widerspiegeln,
  • einer einfachen und leicht lesbaren Dokumentation (Hilfe) zu den Bibliotheksfunktionen und der bereitgestellten Lösung.

Konzept 'Mapp' von B&R auf der SPS IPC Drives 2014

Christoph Trappl, Manager International Applications bei B&R : "Auf der SPS IPC Drives nehmen wir in acht Minuten einen Roboter komplett in Betrieb!"

© B&R Industrie-Elektronik

Auf der SPS IPC Drives stellt B&R das Konzept Mapp vor. Was sich hinter dem Konzept verbirgt und welche Vorteile es dem Anwender bringt, erläutert Christoph Trappl im Interview.

Herr Trappl, Sie stellen zur SPS IPC Drives das Konzept Mapp – ­modular application technology – vor. Was muss man sich darunter vorstellen?
Bei Mapp handelt es sich um einen Software-Werkzeugkasten, der es Maschinen- und Anlagenbauern ermöglicht, sich voll und ganz auf die Abbildung des Prozesswissens in die Applikations-Software zu fokussieren. Im Zuge einer Maschinenentwicklung wird typischerweise viel Zeit in Basisfunktionen investiert. Dies sind Funktionen, die prozessbegleitend vorhanden sein müssen – zum Beispiel die Rezeptverwaltung oder das User Management. Meist werden Basisfunktionen vor dem eigentlichen Maschinenprozess umgesetzt. Das heißt, der eigentlich wichtigste  Teil – der Maschinenprozess – kommt im letzten Drittel der Applikationsentwicklung an die Reihe. Exakt hier greift Mapp. Mit den verfügbaren Basisfunktionen kann die Software-Entwicklung um durchschnittlich 67 % reduziert werden.

Worin unterscheiden sich die Mapp-Bausteine von den Technologie- und Regelungstechnik-Paketen, die im Artikel beschrieben sind?
Die Regelungstechnik-Pakete bieten mechatronische Technologie. Mapp Technology umspannt gesamtheitlich die Applikations-Software. Die Integration der Regelungstechnik-Bausteine in das Mapp Framework ist umgesetzt. Der Kunde kann sich je nach Anwendungsfall und Know-how aus dem B&R-Werkzeugkasten bedienen.

Wie viele und welche Arten von modularen Bausteinen stellen Sie auf der SPS IPC Drives schon vor? Wie sieht die weitere Roadmap aus?
Zur Messe sind rund 70 Funktionen verfügbar, die im Zuge der Messe auch für die Anwender freigegeben werden. Exemplarisch stehen hierfür Funktionen bereit für Achsansteuerungen, Robotik, CNC, Rezeptverwaltung, Regelungstechnik, das Alarming, das User ­Management. Wir gehen davon aus, dass sich die Anzahl der Funktionen innerhalb eines Jahres mehr als ­verdoppelt.

Wie groß ist der Einarbeitungsaufwand in die Technologie für die Entwickler beim Maschinenbauer?
Jeder Automation-Studio-Anwender ist ohne Zusatzschulung in der Lage, die Technologie effizient einzusetzen. Mittels Konfiguratoren kann er schnell die gewünschte Anwendung realisieren. Eine Anwender-Dokumentation dient zudem als Nachschlagewerk. Auf der Messe ­zeigen wir die Effizienz und Einfachheit: Wir werden in acht Minuten ­einen Roboter vollständig in Betrieb nehmen!

Bedürfen die Mapp-Bausteine einer ständigen Pflege, wie Updates? Wer kümmert sich gegebenenfalls darum: B&R oder der Anwender?
Wir übernehmen die Weiterentwicklung und Wartung der Funktionen. Der Kunde kann sich auf den Maschinenprozess fokussieren. Updates stehen im Internet zur Verfügung.

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