nachgehakt! bei Reinhard Achatz, B&R
Das Projekt »Margo«
Am 16. April rief die Linux Foundation die »Margo«-Initiative ins Leben. Ziel ist es, Mechanismen für die interoperable Orchestrierung von Edge-Anwendungen im großen Maßstab zu definieren und umzusetzen. Reinhard Achatz ist in die Arbeiten involviert und bezieht Stellung.
Herr Achatz, die Initiative Margo wird wesentlich von den Firmen ABB, Capgemini, Microsoft, Rockwell Automation, Schneider Electric und Siemens vorangetrieben. Warum ist diese Initiative bei der Linux Foundation aufgehängt?
Hauptziel von Margo ist es, einen offenen Standard zu schaffen, der die erheblichen Aufwände in der Orchestrierung von Apps und Edges in großem Maßstab erheblich reduzieren soll. Dadurch sollen Hersteller von Apps mehr Freiraum für Investitionen in wertschöpfende Anwendungen erhalten, anstatt in nicht-differenzierende Infrastruktur investieren zu müssen. Anlagenbetreiber sollen ihren Maschinenpark durch die Kombination verschiedener Apps und Geräte, sprich Edges, nahtlos erweitern können, ohne mehrfach in unterschiedliche Orchestrierungslösungen investieren zu müssen. Offenheit und Standardisierung sind dabei zweifelsfrei der Schlüssel, damit Anlagenbetreiber schneller das volle Potenzial digitaler Lösungen ausschöpfen können. Darüber hinaus war es uns wichtig, möglichst schnell voranzukommen und erste umsetzbare Ergebnisse zu erzielen, was wiederum agile Vorgehensmodelle voraussetzt. Hier kommt die Linux Foundation ins Spiel: Linux ist ein Synonym für Open Source und damit für Offenheit. Die Linux Foundation steht für pragmatische und agile Vorgehensweisen und bietet eine bewährte Plattform für die Zusammenarbeit vieler beitragender Unternehmen. Diese Eigenschaften machen die Linux Foundation zur idealen Organisation, um Margo erfolgreich voranzutreiben und die Zusammenarbeit und Innovation im Bereich der industriellen Automatisierung zu fördern.
Welches sind die Kernelemente, die Sie auf der To-do-Liste haben?
Der aktuelle Fokus liegt ganz klar auf drei Themen: Erstens, das Release der ersten Version und die Referenzimplementierung von Margo. Zweitens, die Bereitstellung eines Compliance-Testing-Toolkits. Es soll anstelle von aufwendigen Zertifizierungsverfahren eine schnelle und einfache Möglichkeit bieten, die Margo-Konformität zu prüfen und so die Implementierung des Standards wesentlich beschleunigen und die Kosten senken. Und drittens steht die Zusammenarbeit mit weiteren potenziellen Mitgliedern und Mitwerkenden ganz oben auf der Liste.
Wie sieht Ihr Zeitplan aus?
Wir haben uns bereits Anfang 2023 in einem Marketing-, Technik- und Strategie-Workstream organisiert die Arbeit aufgenommen. Unsere Intention war bereits 2023, beim Public Announcement im Mai 2024 nicht Absichtserklärungen zu bekunden, sondern bereits einen klar abgesteckten Scope und erste Ergebnisse zu liefern. Ende diesen Jahres ist das erste Release in Form eines Minimum Viable Product geplant. Erste Margo-konforme Produkte sind für Ende 2025 geplant.
Inwiefern unterscheidet sich Margo von anderen App-Plattformen wie Flecs, ctrlXworld oder den App-Store Aktivitäten der Open Industry 4.0 Alliance?
Diese Frage ist für den Anwender natürlich sehr wichtig. Ich kann Ihnen zum aktuellen Zeitpunkt sagen, dass Margo keinerlei Überlappungen mit anderen Standards oder Konsortien hat, sondern diese vielmehr ergänzt; Margo hat keinen Fokus auf Business Logik oder Features. Vielmehr definiert Margo die Kommunikationsmechanismen zwischen den einzelnen Objekten in einem Ecosystem – zum Beispiel Device Registry/Repository, App Registry/Repository, Workload Orchestration – und die fehlenden Datenformate wie Beschreibungen oder Manifest von Apps und Repositories. Aber geben Sie uns bezüglich einer genauen Beschreibung der Positionierung zu anderen Standards noch etwas Zeit, dieser Punkt hat bei uns oberste Priorität.












