Softwareunterstützung

Horst Maywald | Lukas Dehling,

Qualitätsmanagement für KMUs optimiert

Audits zur ISO-9001-Zertifizierung sind vor allem für kleine und mittlere Unternehmen eine große Herausforderungen. Erleichterung kann hier eine Datenmanagementsoftware verschaffen: Sie vereinfacht die Prozessführung und erlaubt, alle Vorgänge automatisch zu dokumentieren.

© Elabo

Ein systematisches Qualitätsmanagement (QM) eröffnet Unternehmen der fertigenden Industrie die Möglichkeit, die Qualität ihrer Produktion auf kontinuierlich hohem Niveau zu halten und Spielräume für weitere Verbesserungen zu erkennen. Zum Standard haben sich mittlerweile QM-Systeme auf Grundlage der DIN EN 9001 entwickelt. Die 1987 formulierte und zuletzt 2015 überarbeitete Norm fordert ein konsequentes Denken in Prozessen sowie ein exaktes Definieren aller qualitätsrelevanten internen Abläufe. So gilt es etwa, detailliert festzulegen, welche Rechtsvorschriften oder marktbedingten Anforderungen bei der Herstellung eines bestimmten Produkts erfüllt werden müssen. Solche und ähnliche Festlegungen werden in einem QM-Handbuch zusammengefasst, das fortan als Basis für die Standardisierung, Überwachung und Dokumentation aller innerbetrieblichen Teilprozesse fungiert. Ob die Vorgaben tatsächlich umgesetzt wurden, wird in speziellen Audits zur QM-Zertifizierung nach DIN EN 9001 ermittelt, die einmal jährlich stattfinden. Dieses Verfahren beinhaltet einen Abgleich von Handbuch und Dokumentationen, individuelle Befragungen sowie Stichproben in allen normrelevanten Prozessen, zum Beispiel an der Fertigungslinie.

Das erfolgreiche Bestehen dieses Audits samt Erhalt beziehungsweise Bestätigung der Zertifizierung ist heute vor allem für Zulieferbetriebe entscheidend, die ohne den DIN-EN-9001-Qualitätsnachweis kaum Aussichten auf Abnahme ihrer Erzeugnisse haben. Speziell für mittelständische Industriebetriebe stellt es allerdings eine erhebliche Herausforderung dar, kontinuierlich die Normkonformität aller Abläufe sicherzustellen und lückenlos nachzuweisen. Denn während sich die vollautomatisierten Prozesse der Großindustrie relativ problemlos an Normen anpassen und vollständig dokumentieren lassen, sind Abläufe mittelständischer Industriebetriebe stark von menschlichen Arbeits- und Konzentrationsleistungen mit ihren bekannten Schwankungen abhängig. Stellvertretend sei hier die Serienfertigung elektronischer Baugruppen genannt: Einzelne Arbeitsschritte werden dort meist manuell ausgeführt und von mehreren Mess- und Prüfvorgängen, die teils freiwillig, teils gesetzlich vorgeschrieben sind, begleitet. Das hohe Maß an Aufmerksamkeit, das die Durchführung und Dokumentation der Handgriffe und Messungen erfordert, ist unter dem immensen Zeitdruck moderner Arbeitsprozesse jedoch immer schwerer zu erbringen.

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Unterstützte Prozessführung

Die 'EIM'-Software führt den Werker durch die einzelnen Schritte bei der Werkstück-Prüfung.

© Elabo

Für Entlastung sorgt hier Datenmanagementsoftware wie ‚EIM‘ von Elabo. Mit ihrer Hilfe kann die Fertigung elektronischer Baugruppen gesteuert und dabei gleichzeitig die Dokumentationspflicht nach DIN EN ISO 9001 vollumfänglich erfüllt werden. Ansatzpunkt der Lösung ist die Arbeit der Forschungs- und Entwicklungsabteilung. Alle Konstruktions- und Messparameter, sämtliche Montage-Anleitungen, Schalt- und Prüfpläne, die dort definiert beziehungsweise erstellt wurden, werden in eine zentrale SQL-Datenbank eingepflegt. Auf Basis dieses Datenpools steuert EIM dann alle Prozesse, indem sie für Materialbeschaffung und Lagerhaltung, Fertigung und Qualitätssicherung sowie Service und Wartung die jeweils prozessrelevanten Daten-sätze extrahiert und an den einzelnen Arbeitsplätzen verfügbar macht.

Auf diese Weise ist es unter anderem möglich, prozesssteuernde Funktionalitäten zu realisieren, die eine normgerechte Durchführung und Dokumentation der internen Abläufe unterstützen. Beispielsweise sind fehlerhafte Parametrisierungen so gut wie ausgeschlossen, da über EIM alle Mess- und Prüfinstrumente automatisch gemäß der F&E-Vorgaben parametrisiert werden.

Zudem besteht die Möglichkeit, auf dem Arbeitsplatz-PC automatisch eine detaillierte Darstellung der jeweils durchzuführenden Fertigungsschritte einzuspielen, in welcher der Techniker die Ausführung jedes Schrittes via ­Eingabeprotokoll dokumentieren kann. Außerdem ist die Software in der Lage, den Beschäftigten daran zu hindern, einzelne Arbeits-, Prüf- und Dokumentationsschritte auszulassen oder unvollständig durchzuführen. Bei entsprechender Voreinstellung kann beispielsweise ein Messvorgang blockiert werden, wenn zuvor bestimmte Mon­tage-Anweisungen nicht befolgt worden sind oder deren Umsetzung nicht einwandfrei protokolliert wurde. Zudem lässt sich die Durchführung des nächsten Montageschritts unterbinden, wenn eine Zwischenmessung versäumt wurde. Hierzu kann zum Beispiel die Stromzufuhr einer Lötstation unterbrochen oder der Zugriff auf die nächste Folie einer Montage-Anleitung verhindert werden.

Vorteile für Techniker und Auditoren

Dem Techniker wird es durch diese umfassende Unterstützung aller Arbeits- und Prüfschritte erleichtert, die betreffenden Schritte korrekt durchzuführen und zu protokollieren und so die jeweiligen Qualitätsvorgaben einzuhalten. Seine Arbeitsbedingungen verbessern sich somit nachhaltig. Auch die Dokumentation als solche wird vereinfacht: Die mühselige, noch heute meist papiergestützte Niederschrift entfällt, da sowohl alle Mess- und Prüf-Ergebnisse als auch die prozesskonforme Durchführung aller Montageschritte automatisch aufgezeichnet werden können.

Zugleich entstehen so quasi im Hintergrund Datensätze, die auch für die Arbeit der F&E-Abteilungen nützlich sind: Fehlerstatistiken, die anlässlich der Fertigung generiert werden, können auf Schwächen im Konstruktionsplan hinweisen und wertvolle Anregungen für die künftige Entwicklungsarbeit geben. Die optimierten Konstruktionsdaten wiederum fließen direkt in die Fertigungs- und Qualitätssicherungsprozesse ein und veränderte Mess- und Prüfparameter werden automatisch auf die jeweiligen Instrumente übertragen.

Durch den Einsatz von ‚EIM‘ wird so letztlich auch die DIN-EN-ISO-9001-Vorgabe umgesetzt, Optimierungspotentiale aufzuzeigen und nutzbar zu machen. In diesen Zusammenhang gehört ebenfalls die langfristige Archivierung überholter Datensätze, die ‚EIM‘ bei Einstellung neuer Konstruktionsdaten realisiert. Denn durch diese Archivierung wird automatisch die Rechtsvorschrift umgesetzt, Konstruktions- und Prüfpläne langfristig aufzubewahren, um jederzeit eine fachgerechte Reparatur und Wartung älterer Produkte sicherzustellen.

Von den Vorteilen einer DIN-EN-ISO-9001-konformen Prozessführung und -dokumentation, die eine Datenmanagementsoftware ermöglicht, profitieren aber letzten Endes nicht nur die Betriebe. Auch den Auditoren der Zertifizierungsstelle erleichtern solche Systeme die Arbeit. Zum einen lassen sich Prozessdokumentationen leichter nachvollziehen, wenn sie in Form von Datensätzen statt in Gestalt schwerer QM-Aktenordner vorliegen. Zum anderen sind nachträgliche Manipulationen oder Ergänzungen der Aufzeichnungen ausgeschlossen, so dass die Echtheit aller Dokumente garantiert ist. Diese Vorteile automatisch erstellter Prozessdokumentationen lassen es denkbar erscheinen, dass die Existenz solcher Dokumentationen in künftigen DIN-EN-ISO-9001-Audits als erheblicher Pluspunkt gewertet wird.

Autor:
Horst Maywald ist Prokurist und Geschäftsbereichsleiter Arbeitsplatzsysteme bei Elabo.

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