Qualitätssicherung
Messen im Takt der Fertigung
Bevor Fahrzeugräder in den Verkauf gelangen, sind sie auf bis zu 80 Geometriemerkmale zu überprüfen – mit bisheriger Messtechnik ein Aufwand von bis zu einer Stunde. Ein neues, berührungsloses Inline-Messverfahren macht damit Schluss und erlaubt einen Qualitäts-Check im Takt der Fertigung.
Bis dato erfolgt die Überprüfung der funktionsrelevanten Geometriemerkmale von Fahrzeugrädern wie Rund- und Planlauf, Radbreite und Durchmesser meist stichprobenhaft abseits der Produktionslinie mit einer taktilen Messtechnik und unter Laborbedingungen – beispielsweise in einem an die Produktionshalle angrenzenden Raum. Pro Rad nimmt diese Prüfung etwa 45 bis 60 Minuten in Anspruch. Eine 100-%-Kontrolle der produzierten Räder ist damit nicht möglich. Fehler und Ursachen werden erst mit einiger Verzögerung erkannt und behoben.
Im Wheelinspector, der in der Automobil-Zulieferindustrie bereits erfolgreich im Einsatz ist, sind Räder mit Durchmessern von 13 Zoll bis 24,5 Zoll ohne Umrüstung messbar. Lichtschnittsensoren erfassen berührungslos 360 Scanlinien am Radumfang.
© Fraunhofer IFFGemeinsam mit dem Industriepartner Ascona, Spezialist für optische Profilmesstechnik mit Stammsitz in Meckenbeuren, entwickelte das Fraunhofer-Institut für Fabrikbetrieb und -automatisierung (IFF) den so genannten Wheelinspector. „Das System macht erstmals eine vollständige optisch berührungslose Messung von Leichtmetallrädern direkt im Produktionsablauf möglich“, erläutert Ralf Warnemünde, stellvertretender Geschäftsfeldleiter Mess- und Prüftechnik am IFF und geht weiter ins Detail: „Unmittelbar nach der mechanischen Bearbeitung, das heißt nach dem Drehen, Fräsen und Bohren, vergleicht die neue 3D-Laser-Technologie die realen Endprodukte mit ihrem digitalen Modell. Dabei erfasst sie eine Vielzahl geometrischer Parameter und ist mit einer Zykluszeit von 20 Sekunden für die Prüfung eines Rades vollständig in den Fertigungsfluss integrierbar“. Dabei dient die Messtechnik nicht allein der Qualitätssicherung des Endprodukts: Die Fertigung kann ohne Zeitverlust reagieren, wenn Prozessparameter abweichen, und so die Produktionsabläufe deutlich wirtschaftlicher gestalten.
Basis des Systems ist die am IFF entwickelte Technologie OptoInspect 3D, die mit punkt- und linienförmig messender Triangulation arbeitet. Das Verfahren nutzt eine Laserlichtprojektion. Eine Kamera registriert das diffus reflektierte Licht der Projektion vom Bauteil. Aufgrund der Blickperspektive verändert sich die Laserprojektion im Kamerabild entsprechend der Form des Rades. Die Messanordnung besteht beim Wheelinspector aus vier Sensoren und einem komplexen Achsensystem für die Messbewegung und Zustellung der Sensoren. Das garantiert Warnemünde zufolge eine hohe Flexibilität, sprich das System kann eine große Produktvielfalt in derselben Maschine kontrollieren – selbst bei einem regelmäßigen Wechsel zwischen verschiedenen Radtypen.
Der Datensatz eines Rades umfasst etwa 1 Million Messpunkte. Die Ermittlung der 80 geometrischen Merkmale erfolgt in rund 20 Sekunden.
© Fraunhofer IFFUnd so sieht der Prüfvorgang aus: Die Räder laufen über eine Rollenbahn in die Messvorrichtung ein, werden mittig ausgerichtet und mechanisch fixiert. Eine vorgelagerte, bildgestützte Identifikation erkennt den jeweiligen Radtyp und übermittelt der Messvorrichtung spezifische Merkmale wie Durchmesser, Breite oder Einpresstiefe. Mit Hilfe dieser Koordinaten richten sich die Zustellachsen für die Sensoren auf die jeweils korrekte Position aus. Der Sensorverbund dreht sich 360° um das Rad herum und erfasst die Messwerte.
Der gesamte Messzyklus für ein Rad ist nach rund 20 Sekunden abgeschlossen. Das System vergleicht die 3D-Mess-Ergebnisse mit den Toleranzvorgaben aus dem 3D-CAD-Modell des Fahrzeugrads. Bauteil-Abweichungen infolge von Werkzeugverschleiß oder -bruch werden unmittelbar an die Maschinen rückgemeldet. Das verhindert Serienfehler und die hiermit verbundenen Folge-Aufwendungen.













