Coronakrise

Maximale Distanz - so lässt die Elektronik derzeit arbeiten

Smartphones für alle, gekappte Minusstunden, maximaler Abstand in der Produktion, aber auch Einstellungsstopps - unsere Schwesterzeitschrift Markt&Technik fragt nach, wie Elektronik-Arbeitgeber aktuell mit der Coronakrise umgehen.

Empfangsbereich der Firmenzentrale des Stromversorgungsspezialisten Puls im Münchner Arabellapark.

© Puls

Seit Dienstag den 17. März gilt bei Puls Home Office, im Büro ist nur noch eine Notbesetzung. So wechselt sich die Personalabteilung vor Ort ab, ebenso wie die IT-Abteilung, die eine Notfallnummer eingerichtet hat. Log-In und Zeiterfassung werden wie gewohnt auch von zuhause durchgeführt, etwaige Minusstunden, so verspricht Puls-Geschäftsführer Bernhard Erdl, werden »bis voraussichtlich Ende Mai« nicht vom Gehalt abgezogen, sondern einfach gekappt, Puls übernimmt die Kosten.

Damit alle mobil erreichbar, sind, wurden für alle Mitarbeiter Smartphones bestellt, die in der kommenden Woche den Mitarbeitern nach Hause geschickt werden. Zur Video-Kommunikation wurde von Skype auf »Teams« von Microsoft umgestellt. 

Erdl hatte sich zuvor per Videobotschaft an seine Mitarbeiter gewandt. Man schätze die aktuelle Gefährdungslage als »sehr ernst« ein. »Alles was wir tun können, werden wir tun.« Erdl gibt jedoch sich auch zuversichtlich. In der chinesischen Niederlassung in Suzhou habe man keinen einzigen Infektionsfall beklagen müssen, »dank eines perfekten Maßnahmenplans, den unsere Mitarbeiter dort aufgestellt hatten«. Das wolle man nun in den europäischen Niederlassungen wiederholen: »Wir machen uns jetzt in Europa gemeinsam genauso stark zum Schutz ihrer Gesundheit und für unseren gemeinsamen Kampf gegen Corona.«

Wer bei Puls nach Absprache mit dem Vorgesetzten doch mal dringend ins Büro muss, nimmt ein Poolfahrzeug oder den eigenen PKW und rechnet die Kosten im Nachhinein ab. Für Kollegen ohne eigenes Auto arbeitet Puls an einer Mietwagen-Lösung - die Nutzung des ÖPNVs soll »bitte ab sofort« eingestellt werden. Reisen und Besuche mit Kunden sind erstmal gestrichen. 

Erdl macht kein Hehl daraus, dass er  von einem »massiven wirtschaftlichen Einbruch« ausgeht, »diese Einbußen sind aber noch nicht absehbar«. Daher habe man beschlossen, die für April vorgesehene Gehaltserhöhung zu verschieben,  ebenso seien Neueinstellungen »on hold«. Die große 40-Jahrfeier, für die ein ganzes Hotel am Lago Maggiore gebucht worden war - ebenfalls verschoben.

»Es ist wichtig, dass wir unser Verhalten ändern, bevor es weht tut!« erklärt der Firmeninhaber. Zugleich gibt es eine Beschäftigungsgarantie: Puls verfüge über gute Reserven, »so dass wir auch die schwierigste Zeit ohne Entlassungen überstehen«. Das kommt gut an in der Belegschaft. Stellvertretend lobt einer das »riesige Vertrauen« in die MItarbeiter. Und direkt an Erdl gerichtet: »Sie mindern die Last jedes einzelnen, wo immer es möglich ist. Dafür gebührt einem Industrieunternehmen allerhöchster Respekt.« 

Anzeige

Phoenix Contact: Ausfallsrisiko definiert, Mitarbeiter bis auf ein Minimum nach Hause geschickt

Prof. Dr. Gunther Olesch, Geschäftsführer (CHRO) Phoenix Contact. 

© Phoenix Contact

Was berichtet Prof. Gunther Olesch, CHRO von Phoenix Contact? 
 
»Wir haben die Leute bis auf ein Minimum nach Hause geschickt. Im HR-Bereich arbeiten momentan rund 85 Prozent von zuhause, in der IT 90 Prozent. Zwar hatten wir schon lange die Möglichkeit, mobil zu arbeiten. Im Moment rüsten wir aber unser PC-Kontingent diesbezüglich noch weiter auf.  

Unsere Abteilungen haben wir nach ihrem Ausfallrisiko aufgeteilt in sehr hoch, hoch, mittel und gering. Die IT hat zum Beispiel eine hohe Risikoeinstufung hinsichtlich eines möglichen Ausfalls.  In der Produktion schützen wir die Mitarbeiter, in dem wir die Schichtübergabe gestrichen haben und eine halbe Stunde Pause eingeführt haben, bevor die nächste Schicht reinkommt. Wenn eine Übergabe notwendig ist, dann erfolgt die nun per Telefon. Bei Verdachtsfällen handeln wir nach Maßgabe des Robert Koch Instituts: Kontakt unter 2 m permanentem Abstand und 15 Minuten miteinander gesprochen. Diese Mitarbeiter werden dann nach hause geschickt. 

Im Betriebsrestaurant hatten wir schon vor längerer Zeit Essenzeiten vorgegeben  und die Zahl der Tische verringert, um  2 m Abstand zu gewährleisten. Nun ist das Restaurant ganz geschlossen, man kann sich sein Essen abholen und am Arbeitsplatz essen, um möglichst isoliert zu sein. Aber es sind ja ohnehin nicht mehr viele Mitarbeiter im Angestelltenbereich vor Ort.«

Wie klappt alles? 

»Die Stimmung ist bisher wirklich gut, habe ich den Eindruck. Auch weil wir ganz viel über den aktuellen Stand informieren, tagtäglich im Intranet: Wo gab es einen Verdachtsfall, wo wurden Mitarbeiter nach Hause geschickt etc. 

Bislang hatten wir drei Verdachtsfälle. Stets wurden jeweils immer rund 30 Personen mit nach Hause in 14-tägige Quarantäne geschickt. Alle waren bisher negativ. Nun haben wir aber auch einen positiven Fall. 

Wir haben ein Corona-Kernteam etabliert, an das man sich wenden kann. Die Mitarbeiter dort  sind 24 Stunden telefonisch erreichbar. Auch ich als Geschäftsführer bekomme täglich mindestens einmal einen Bericht. Zusätzlich zu unseren Montagsmeetings mit der gesamten Geschäftsführung sitzen wir zusätzlich noch digital zusammen. 

Und die Technik, welche Tools?

Skype for Busines und Zoom nutzen wir schon länger. Nur leider hatten wir bislang nur 2600 VPN-Zugänge, von denen tatsächlich nur 1600 genutzt worden waren. Und jetzt müssen wir noch schnell zusätzliche nachbestellen und einrichten. Und das dauert leider momentan etwas, denn das machen viele.

Keiner hat ja mit solch einem Fall gerechnet. Man kann niemandem einen Vorwurf machen.
 

Recom: Strikte Regeln bis hin zur Kaffeemaschine

Bianca Mastnak, Recom Power GmbH.

© Recom

Bianca Mastnak ist Head of Global Human Resources bei Recom Power.  

»Wir haben bei allen Mitarbeitern, bei denen es möglich ist, auf Homeoffice umgestellt. Meetings finden aktuell per Skype statt. Wir haben einen kleinen Kreis von Mitarbeitern im Office, da diese für die Gewährleistung eines ordnungsgemäßen betrieblichen Ablaufs benötigt werden. Diese müssen sich an strikte Regeln halten: es ist Abstand von mind. zwei Metern zu anderen Personen zu wahren, regelmäßiges Händewaschen ist Pflicht und alle Türklinken/Kaffeemaschine/Stempelterminal werden stündlich desinfiziert.«

Elatec: »Nehmen gesellschaftliche Verantwortung sehr ernst«

Sabine Thier, Head of Human Resources Elatec.

© Markt&Technik

Bei Elatec erreichen wir Personalleiterin Sabine Thier. 

»Wir haben am Montag alle Mitarbeiter, die von zu Hause arbeiten können, nach Hause ins ständige Home Office geschickt, damit die Mitarbeiter durch weniger soziale Kontakte geschützt sind. Meetings finden dann auf virtuellen Weg statt. Kontakt zu Kunden/Dienstleistern/Bewerbern soll auch virtuell stattfinden – wir wollen ja, dass der Betrieb weitergeht und wir für unsere Kunden mit unverändert guten Service da sind.«

Es gebe jedoch auch Mitarbeiter, die nur im Büro arbeiten können, so wie z.B. die Produktion. »Auch diese schützen wir mehr, wenn weniger Kollegen im Büro sind. Die Produktion und der Versand wurde zum Beispiel in zwei Teams aufgeteilt, um auch hier Risiken zu verringern und lieferfähig zu bleiben.«

Fahrten mit den öffentlichen Verkehrsmittel sollen durch Fahrgemeinschaften vermieden werden – »wenn kein Auto vorhanden ist und kein Kollege, der einen mitnimmt, dann würde Elatec hierfür eine Lösung suchen«, versichert Sabine Thier. Reisen in Risikogebiete seien schon länger nicht erlaubt. 

Um die fehlende Kinderbetreuung wegen der Schulschließungen  aufzufangen und wenn Home Office nicht möglich sei, können die Kinder auch mit ins Büro genommen werden. »Hierfür haben wir eine extra Kiste mit Spielzeug und einen Besprechungsraum, der genutzt werden kann«, sagt Thier. Dies könne von allen, die im Büro arbeiten müssten und deren Partner die Kinder nicht betreuen können, genutzt werden - »allerdings mit zusätzlichen Sicherheits- und Hygienerichtlinien«.

Klappt das mit dem Home Office? 

»Wir hören ja nicht auf zu kommunizieren – wir ändern nur die Art und Weise. Auch wenn es zu Anfang für viele von uns noch ungewohnt sein wird - für die Vertriebsmitarbeiter freilich nicht - und an der einen oder anderen Stelle noch holpert: wir werden uns bald daran gewöhnt haben und dann sicher auch die Vorteile zu schätzen wissen. Als Hilfestellung für Mitarbeiter und Führungskräfte erstellen wir im Moment Hinweise für das arbeiten zuhause, für virtuelle Meetings und die virtuelle Zusammenarbeit generell«, erläutert Thier.

»Wir kümmern uns sehr um unsere Mitarbeiter und deren Angehörigen und nehmen unsere gesellschaftliche Verantwortung soziale Kontakte zu reduzieren sehr ernst: Nicht nur innerhalb von Elatec kommt es darauf an, dass alle vernünftig und besonnen sind und versuchen, alle Ansteckungsmöglichkeiten zu vermeiden. Wir haben die Mitarbeiter gebeten, auch im privaten Bereich umsichtig zu sein und die sozialen Kontakte für ein paar Wochen soweit wie möglich einzuschränken, denn jeder von den Mitarbeitern hat sicherlich Eltern, Großeltern oder geschwächte Personen in seinem Familien- oder Freundeskreis, die es jetzt zu schützen gilt.«

  • Xing Icon
  • LinkedIn Icon
Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige
Anzeige
Anzeige

Phoenix Contact

DC-Microgrids überwachen und schützen

Eine nachhaltige Fertigung, in der erneuerbare Energien genutzt werden, beginnt mit der Etablierung eines industriellen Gleichstromnetzes. Das Schalten, Schützen und Überwachen sowie das Vorladen von DC-Sektoren übernimmt ein multifunktionales...

mehr...
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Phoenix Contact

Neue Fertigung in Mexiko

Um dem Wachstumspotential des nordamerikanischen Marktes gerecht zu werden, plant Phoenix Contact in Mexiko einen Neubau für die elektronische und elektromechanische Produktion. Der Produktionsstart soll nach dem ersten Bauabschnitt Ende 2025...

mehr...
Jetzt Newsletter abonnieren