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Artikel und Hintergründe zum Thema

Gehaltsreport

Corinne Schindlbeck | Davina Spohn,

Gehälter in der 'Embedded Systems'-Branche

Die Embedded-Systems-Branche sucht händeringend Fachpersonal, so die Projektbörse Gulp. Von der prächtigen Auftragslage profitieren nicht nur Selbstständige, auch angestellte Ingenieure können sich über ein Gehaltsplus von 1,8 Prozent freuen.

© fotolia.com

'Gulp' ist eine Projektbörse für selbstständig arbeitende Ingenieure. Laut Gulp-Sprecherin Susanne Schödl seien derzeit Entwickler von Embedded-Software enorm gefragt. Auskennen müssen sie sich mit eingebetteten Betriebssystemen wie 'QNX' oder 'VxWorks' oder den eingebetteten Versionen von Standard-Betriebssystemen wie 'Embedded Linux' oder 'XP Embedded'. Weitere Pluspunkte sei, sich in den Programmiersprachen für die Entwicklung der entsprechenden Software wie C oder C++, aber auch OSGi (Java) auszukennen. Denn auch wenn die Programmiersprachen 'gewöhnlich' seien – die begrenzten Ressourcen an Speicherplatz und Rechnerkapazität, die für Eingebettete Systeme zur Verfügung stehen, machen die Softwareentwicklung in diesem Bereich zu einer Herausforderung, so Schödl.

Eine Auswertung der Projektanfragen habe ergeben, dass am häufigsten Skills zu modellbasierter Entwicklung  wie MATLAB/Simulink gewünscht würden - vor allem in der Automotive-Industrie. "Zum Testen der Software wird vermehrt die Umgebung der Anwendung, mit der das System kommuniziert, auf dem PC simuliert", erklärt Schödl. Auch die Portierung von Microcontroller-Software oder die Messung von Signalen der Bus-Systeme gehören neben der reinen Software-Entwicklung zu den am häufigsten geforderten Skills.

Freiberufliche Embedded-Spezialisten mit einem Profil auf der Gulp-Datenbank fordern im Schnitt einen Stundensatz von 69 Euro und liegen damit fünf Euro unterhalb des Durchschnitts: "Alle bei uns eingetragenen IT- und Engineering-Selbstständigen fordern durchschnittlich 74 Euro pro Stunde", weiß Susanne Schödl. Interessant sei der hohe Anteil im Bereich zwischen 70 und 90 Euro: Fast 78 Prozent der Embedded-Spezialisten fordern einen Stundensatz in dieser Bandbreite. "Embedded-Freiberufler wissen, was sie wert sind. Im Jahr 2012 lag der Anteil der Projektanfragen im Schnitt bei 5,4 Prozent. Das ist ein relativ hoher Wert im IT-/Engineering-Projektmarkt", ergänzt Schödl. Der Nachfrageanteil liege seit Jahren immer um die 4 bis 5 Prozent – mit steigender Tendenz.

Im Jahr 2012 gab es einen Ausreißer nach oben: Im ersten Jahresviertel stieg der Anteil an Embedded-Projektanfragen bis auf 7,4 Prozent (März) – danach pendelte er sich wieder auf gewohntem Niveau ein. Mit Hilfe des Stundensatzkalkulator von Gulp können sich Freiberufler einordnen.

 

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"Ich kann mir die Projekte aussuchen"

Auch Wolfgang Döbber hat ein Gulp-Profil. Der 41-jährige arbeitet seit 15 Jahren als von Projekt zu Projekt ziehender Nomade, war noch nie fest angestellt – und kann es sich mittlerweile auch nicht mehr vorstellen. "Ich bin verwöhnt, denn Ich kann mir die Projekte aussuchen und habe viele Freiheiten", sagt er, so groß sei die Nachfrage nach Embedded-Systems-Spezialisten.

Direkt nach dem Studium sei er freiberuflich für Siemens in die USA gegangen. Ab dem Zeitpunkt haben die Angebote nicht mehr aufgehört – bis heute nicht. "Der Vorteil: Ich sehe viele Branchen, habe ständig spannende Aufgaben", erzählt er. Das Risiko der Selbstständigkeit halte sich in diesem Bereich im Grenzen - "die aktuelle Lage sieht eher so aus, dass sich der Fachkräftemangel noch verschärfen wird." Immer mehr Embedded-Software würden laut Döbber in bestehende Systeme nachgerüstet.

Döbber wird oft gerufen, wenn ein Projekt stockt oder kurz davor ist zu scheitern. Als »Troubleshooter« brauche man aber auch eine gehörige Portion Fingerspitzengefühl, "denn die Kollegen wissen ja, warum ich gerufen wurde – und man will sie ja nicht als Versager brandmarken." Da sind Konflikte manchmal nicht auszuschließen, doch  da er nach Projektende wieder gehen könne, halte sich der Stress diesbezüglich in Grenzen.  Doch natürlich seien gute Kommunikationsformen und ein gewisses Maß an Einfühlungsvermögen unerlässlich. Rund eine Anfrage pro Tag erhalte er im  Schnitt, "ich gehe von einem Projekt ins Nächste."

Natürlich hänge das mit der aktuell großen Nachfrage zusammen und könne sich auch mal ändern, erklärt Döbber. "Doch momentan sieht es nicht danach aus, im Gegenteil!" Sein Verdienst? "Ich schätze, dass ich als Selbstständiger unterm Strich um die 10 bis 12 Prozent mehr verdiene als ein Festangestellter."

 

Die Gehälter für Festangestellte im Bereich Mikroprozessorsysteme

Die Gehälter für Festangestellte im Bereich Mikroprozessorsysteme steigen in diesem Jahr  um durchschnittlich 1,8 Prozent. Das hat die Unternehmensberatung Interconsult exklusiv zur embedded world schon vor dem offiziellen Gehaltsreport für die Elektronikindustrie, der jährlich Anfang März erscheint und vor allem die großen Elektronik-Player aus dem süddeutschen Raum erfasst, ausgewertet.

"Für das Jahr 2013 gehen wir davon aus, dass die Automatisierungstechnik und dort Positionen im Vertrieb, der Entwicklung und der Applikation zu den meist gefragten gehören", führt Interconsult-Chef Graf von Reischach aus. Bewerber müssten aber auf jeden Fall Erfahrung in der Entwicklung von kundenspezifischer Hardware und / oder Systemlösungen mitbringen. Und auch exzellente Design-In Erfahrung sei oftmals unerlässlich.

Das kostet natürlich: Für einen Absolventen, der als Entwicklungsingenieur anfängt, liegt der Einkommensrahmen zwischen 48.000 und  61.000 Euro, so Reischach.

Und wie beurteilt der Personalberater die Karrierechancen für Embedded-Systems-Ingenieure?  "Wenn jemand in der Entwicklung anfängt und sich etwa über zwei Jahre gut technisch weitergebildet hat, bestehen sehr gute Chancen, in die Applikation zu wechseln und dort schwerpunktmäßig mit dem Kunden zu  gemeinsamen technischen Lösungen zu kommen. Dies setzt natürlich voraus, dass der Mitarbeiter aus der Entwicklung auch in andere Bereiche aufsteigen möchte. Die Sorge vieler, die in der Entwicklung sind und dann in andere Bereiche wechseln, ist die Angst einer technischen Verflachung. Diese ist aber keinesfalls gegeben", so Reischach - "ein Applikationsingenieur kann nur anhand seines technischen Wissens überzeugen."

Würde Reischach zu einer Selbstständigkeit nach dem Beispiel von Wolfgang Döbber raten? "Freiberufler verdienen sicherlich gut, zumal das Risiko für den Kunden im Vergleich zu einem fest angestellten Mitarbeiter gering ist", antwortet Reischach. Doch auch angestellte Ingenieure mit der entsprechenden Berufserfahrung im süddeutschen Raum verdienten gut: "Für die neuen Bundesländer muss man hier jedoch nach wie vor mit gewissen Abstrichen rechnen."

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