TL Electronic

Lukas Dehling,

Windows-XP am Ende?

In Kürze erfolgt die Einstellung des Vertriebs der für die Industrie relevanten Varianten von Windows XP. Was jetzt zu tun ist, erläutert Martin Koppers, Marketingleiter bei TL Electronic.

Martin Koppers, Marketingleiter bei TL Electronic: "Um einem Ausfall eines existierenden Windows-XP-Industrie-PCs vorzubeugen, empfehlen wir von TL Electronic unbedingt rechtzeitig vorzusorgen."

© TL Electronic

Herr Koppers, wann genau endet der Vertrieb welcher XP-Betriebssysteme?

Koppers:
In naher Zukunft wird das Vertriebsende der beiden für die Industrie relevanten Varianten erreicht: Windows XP Professional for Embedded Systems zum 31.12. 2016 und das modulare Windows XP Embedded zum 31.01. 2017. Abgesehen von der exotischen 64-Bit-Version von XP Professional und der auf XP Embedded basierenden Variante für Kassensysteme Windows Embedded POSReady 2009 werden XP-Lizenzen also auch über den Embedded-Channel der offiziellen Distributoren für uns Hersteller und Händler nicht mehr zu beziehen sein.

Sind XP-Betriebssysteme denn überhaupt noch im Einsatz?

Koppers:
Den erweiterten Support von Windows XP hat Microsoft bereits im April 2014 eingestellt. Seitdem werden keine Sicherheits-Updates mehr veröffentlicht. Als normaler Office-Arbeitsplatzrechner mit Windows XP und Internet kann es zu Problemen kommen, weil sich Sicherheitslücken im Betriebssystem nicht mehr schließen lassen. Doch zahlreiche Industrie-PCs in bestehenden Maschinen und Anlagen sind teilweise zehn Jahre und länger zuverlässig im Einsatz. Die Rechner arbeiten sicher ohne Verbindung zum Internet als autarke Inseln – auch ohne Updates. Ein Angriff von außen auf das System ist fast unmöglich. Als die Anlagen installiert wurden, war von Industrie 4.0 und dem Internet der Dinge noch keine Rede. Gleichzeitig existieren viele Anwendungen und Treiber, die eigens für das Betriebssystem programmiert wurden, genauso wie spezielle Hardware, etwa Einsteckkarten zur Datenverarbeitung. Weil beispielsweise genaues Timing der Datenverarbeitung bei Echtzeit-Anwendungen nur exakt dieser Hardware- und Software-Kombination entsprechen, kommt es auf die Kompatibilität zu Windows XP und Chipsatz an. Der Umstieg auf ein anderes Betriebssystem erfordert eine komplette Neuentwicklung und lässt sich ohne Not wirtschaftlich nicht rechtfertigen. Und so leisten häufig die Industrie-PCs mit dem ausgereiften und bewährten Betriebssystem Windows XP auch heute noch ihre Dienste.

Was raten Sie also XP-Nutzern?

Koppers:
Die spätere Beschaffung eines XP-Rechners kann sehr problematisch werden. Denn in Industrie-Anwendung mit Windows XP bauen alle Systembestandteile aufeinander auf und sind abgestimmt. Wenn ein Bestandteil ausgetauscht wird, etwa Windows XP gegen Windows 10, sind alle anderen Systemkomponenten anzupassen.
Als Minimal-Vorsorge sollten Windows-XP-Nutzer ihre existierenden Installationsmedien und Lizenzen sorgfältig aufbewahren. Die ideale Vorsorge für den Servicefall trifft man aber, indem man bereits vorinstallierte Industrie-PCs bereithält. Diese Maßnahme empfehlen wir sowohl für Anwender als auch für Maschinen- und Anlagenbauer. Denn auch wenn es Windows-XP-kompatible Hardware noch eine gewisse Zeit am Markt geben wird, die Kompatibilität mit Windows XP bedeutet nicht automatisch die Kompatibilität mit der spezifischen Anwendung. Betriebssystem, Mainboard, Chipsatz, Datenerfassung, zugehörige Treiber und die Anwendungs-Software müssen perfekt zusammenarbeiten. TL Electronic bieten noch bis zum Jahresende Industrie-PCs mit dem Betriebssystem Windows XP an.

Für wen lohnt sich die Beschaffung?

Koppers:
Unser Rat richtet sich an Endanwender genauso wie an Maschinen- und Anlagenbauer, die bestehende Industrie-Applikationen mit Windows XP weiterverwenden oder servicetechnisch betreuen. Sie wissen, wie viele Anwendungen mit Windows XP im Feldeinsatz sind. Jetzt ist zu entscheiden: Wie lange will man gerüstet sein, um einen defekten Industrie-PC ersetzen zu können. Irgendwann wird der Steuerungs-PCs ausfallen. Hier sind ins Verhältnis zu setzen: die Stillstandzeiten einer Maschine oder Anlage bis zur Bereitstellung eines kompatiblen Ersatzes – oder im schlimmsten Fall eine komplette Neu-Investition – zu den Anschaffungskosten eines vorinstallierten Industrie-PCs. Ausschlaggebend ist, wie lange man Windows XP noch nutzen wird.

Anzeige
  • Xing Icon
  • LinkedIn Icon
Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige
Anzeige
Anzeige

Betriebssysteme

Der 'Windows 10'-Check

Genervt vom aufpoppenden Hinweis zum Umstieg auf 'Windows 10', haben viele Nutzer auf das neue Betriebssystem gewechselt. Doch ist ein schneller Umstieg auch im Umfeld der Produktion sinnvoll?

mehr...
Anzeige

SPS IPC Drives 2018

Safety in der Sensorik

Was bieten Sensor-Hersteller aktuell in Sachen Safety an? Auf der SPS IPC Drives gab es hierzu einiges an cleveren Konzepten zu sehen - unter anderem bei Sick, Pepperl+Fuchs und Leuze electronic.

mehr...
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Jetzt Newsletter abonnieren