Industrie-PC
Welcher Panel-PC für welche Anwendung?
Welche Panel-PCs erfüllen in welchem Umfang die Anforderungen der Industrie-Anwendungen? Es lohnt sich, die Eckdaten der unterschiedlichen Anzeigesysteme genauer unter die Lupe zu nehmen.
Touchscreens haben in kurzer Zeit die Anzeigesysteme moderner Consumer-Geräte, allen voran Smartphones und Tablet PCs, revolutioniert. Auf die intuitive Bedienbarkeit und den Komfort dieser Mensch-Maschine-Schnittstelle (HMI) wollen die Benutzer auch bei der Bedienung von professionellen Displays und industriellen Panel-PCs nicht verzichten.
Welche der unterschiedlichen, ausgereiften Touchscreen-Technologien zum Einsatz kommt, hängt letztlich von der jeweiligen Anwendung ab. Dabei müssen die professionellen Anzeigesysteme neben einer einfachen Bedienbarkeit und einem ansprechenden Design gleichzeitig die hohen Vorgaben der Industrie in puncto Robustheit und Haltbarkeit erfüllen.
Bei der Auswahl der Anzeigesysteme sollten anfangs einige technische Fragen geklärt werden:
- Wie soll der Touchscreen bedient werden? Mit Finger und Stift oder sogar mit Handschuhen?
- Wird eine Multitouch- oder eine Singletouch-Lösung benötigt?
- Welche Anforderungen werden an die Transmission und die Reflexion des Touchscreen gestellt?
- Soll eine Schutzscheibe vor den Monitor gesetzt werden, um diesen etwa gegen Vandalismus zu sichern?
- Soll das Display-System für Outdoor-Anwendungen geeignet sein?
- Welchen Einflüssen in Bezug auf Temperatur, Vibrationen, Staub und Feuchtigkeit ist das System ausgesetzt?
- Entspricht die Lebensdauer des Touchscreen in etwa der des Displays?
Der Geräte-Aufbau
Ein Touchscreen besteht grundsätzlich aus dem Touch-Sensor zur Erfassung der Eingabe, einem Touchcontroller zur Signalverarbeitung und einem Softwaretreiber, um die Daten an das Betriebssystem weiterzuleiten. Die Graphical-User-Software verarbeitet die Touch-Eingabewerte und aktualisiert das dargestellte Bild.
Stehen die Kosten im Vordergrund, sind heute und auch in zukünftigen Industrie-Anwendungen Panel-PCs mit resistivem Singletouchscreen die richtige Wahl, da sie in der Herstellung relativ kostengünstig sind. Die Präzision bei der Positionsermittlung ist für viele Anwendungen durchaus ausreichend. Der Touchscreen lässt sich mit jedem Gegenstand, selbst durch eine Hand mit Handschuhen, bedienen. Allerdings kann bei mechanischer Belastung die Oberfläche unter Abnutzungserscheinungen leiden. Die Touchscreens sind gegen Schmutz, Flüssigkeiten, chemische Reiniger und andere äußere Einflussmöglichkeiten wie Fett, Feuchtigkeit, Staub und Schmutz weitgehend beständig. Resistive Touchscreens können nicht mit einer vorgesetzten Schutzlinse arbeiten.
Resistive Singletouch-Verfahren sind gekennzeichnet durch eine berührungsempfindliche Oberfläche, die aus zwei leitfähigen Indiumzinnoxid-Schichten (ITO) besteht. Dabei sind die beiden Schichten mittels kleiner Abstandshalter voneinander getrennt. Die hintere Schicht ist auf einem stabilen Träger aufgebracht, die vordere ist in der Regel mit dehnbarem Polyester überzogen. Auf beide ITO-Schichten wird zur Ansteuerung eine geringe Prüfspannung gelegt. Bei Berührung der Polyesterschicht werden beide Schichten aufeinandergedrückt und es fließt kurzzeitig ein Strom. Dank der dadurch hervorgerufenen Spannungsveränderungen lässt sich die Position der Druckstelle ermitteln. Die 4-Wire-Technologie verfügt über vier Kanäle als Verbindung zum Controller. Eine höhere Genauigkeit wird mit dem 5-Wire-Verfahren erzielt.
Das Multitouch-Display
Robuster Widescreen-Panel-PC mit 47 cm-großem Multitouch-TFT-Display: Der kratzfeste Dual-Touchscreen mit planer Oberfläche ohne Schmutzkante ist für die Zweifinger-Bedienung ausgelegt. Bei Bedarf ist die Bedienung mit mehr Fingern realisierbar.
© DSM ComputerMultitouch-Displays lassen sich nur mit der Projected Capacitive Touch-Technologie (PCT oder PCap) realisieren. Ein kapazitiver Touchscreen integriert ein zweischichtiges Koordinatennetz aus Elektroden, das bei angelegter Spannung ein gleichmäßiges elektrisches Feld erzeugt. Die Annäherung von einem leitenden Gegenstand (oder Finger) löst einen Ladungstransport aus, wodurch sich das elektrostatische Feld zwischen den Elektroden und damit die Kapazität ändern. Die Kapazität im gesamten Koordinatennetz wird fortlaufend gemessen, die Eingaben einzelner Finger werden getrennt registriert. Vor dem Touch befindet sich eine Glasplatte. Die ITO-Schicht auf der Glasrückseite projiziert das kapazitive Feld auf die Glasscheibe.
Dank der Glasplatte sind kapazitive Touchscreens sehr unempfindlich gegen Schmutz, Hitze, Kälte sowie Feuchtigkeit und robuster als die resistiven Systeme. Selbst durch Kratzer in der Oberfläche wird ihre Funktion nicht eingeschränkt. Je nach Einstellung des Touchcontrollers ist die Bedienung mit leichten Handschuhen möglich. Das weitestgehend wartungsfreie Display mit PCT-Multitouch ist auch für einen Outdoor-Einsatz geeignet. Neben der Genauigkeit in der Positionsbestimmung bietet der Multitouchscreen eine hohe Lichtdurchlässigkeit und, je nach Qualität, eine hohe Auflösung. Allerdings sind die PCT-Systeme heute noch relativ teuer.
Dank der Glasplatte sind kapazitive Touchscreens sehr unempfindlich gegen Schmutz, Hitze, Kälte sowie Feuchtigkeit und robuster als die resistiven Systeme. Selbst durch Kratzer in der Oberfläche wird ihre Funktion nicht eingeschränkt. Je nach Einstellung des Touchcontrollers ist die Bedienung mit leichten Handschuhen möglich. Das weitestgehend wartungsfreie Display mit PCT-Multitouch ist auch für einen Outdoor-Einsatz geeignet. Neben der Genauigkeit in der Positionsbestimmung bietet der Multitouchscreen eine hohe Lichtdurchlässigkeit und, je nach Qualität, eine hohe Auflösung. Allerdings sind die PCT-Systeme heute noch relativ teuer.
Ultraflacher Panel-PC mit 38 bzw. 43 cm-TFT-Display: Die Anzeigesysteme kommen dank des energieeffizienten Intel-Dual-core-Atom-Prozessors D2550 mit 2 Rechenkernen und dank des Chipsatzes Intel NM10 mit Betriebstemp. von 0 - +45 °C ohne Lüfter aus.
© DSM ComputerIn den letzten Monaten wurden zahlreiche Panel-PCs für den rauen Industrie-Einsatz mit einem PCT-Multitouchscreen vorgestellt. Bei den Anzeigesystemen setzt sich mehr und mehr das Widescreen-Format (16:9) durch, das der Wahrnehmung des menschlichen Auges besser entspricht. Für die Visualisierung und die Bedienung kann seitlich ein Tastenfeld eingeblendet werden.
Um für jede Industrieanwendung den passenden Panel-PC anzubieten und die Anforderungen an ein modernes Design und eine flache Bauweise zu erfüllen, setzen die Hersteller verstärkt auf Flexibilität. Bei DSM Computer beispielsweise ist die Ultra-Slim Panel-PC-Familie sowohl in PCT-Multitouch- als auch in resistiver Singletouch-Ausführung erhältlich. Da die Panel-PC-Familie modular aufgebaut ist, sind die Rückenteile aller Modelle identisch. Die Bautiefe liegt bei etwa 50 mm. Wichtig ist der möglichst platzsparende Einbau, da der Panel-PC in der Regel nur noch die Bedienung und Visualisierung übernimmt, zum Beispiel über eine entsprechende Scada-Software. Das Anzeigesystem wird über Ethernet an die eigentliche Anlagensteuerung angeschlossen.
Daneben weisen die Geräte in der Regel eine ganze Reihe von Schnittstellen auf, die über unterschiedliche I/O-Erweiterungsmodule (Extension I/Os) realisiert werden. Bei den erwähnten Geräten stehen beispielsweise neben USB 2.0, DVI-I, Audio und seriellen Anschlüssen standardmäßig zwei LAN-Interfaces zur Verfügung, die das Ethercat-Protokoll unterstützen. Die integrierte 2,5-Zoll-SATA-II-Solid-State-Disk (SSD) und der Compact-Flash-Speicher sind von außen zugänglich und somit leicht austauschbar. Optional lässt sich die SSD durch eine industrielle 2,5-Zoll-Hard-Disk (HDD) ersetzen.
Autor: Christian Lang ist Leiter Marketing bei DSM Computer in München.













