HMS Industrial Networks

Günter Herkommer,

Neuer Chip für Ethernet

HMS Industrial Networks hat einen neuen Multiprotokoll-Chip entwickelt. Einher geht damit eine Änderung der Embedded-Strategie des Unternehmens. Die Redaktion sprach hierüber mit Geschäftsführer Michael Volz.

Michael Volz, Geschäftsführer HMS Industrial Networks: "Mit einem Chip alleine ist kein Blumentopf zu gewinnen."

© Computer & AUTOMATION

Herr Volz, nach dem NP30 stellt HMS mit dem NP40 einen zweiten, eigenen Kommunikations-Chip vor. Wodurch zeichnet sich dieser konkret aus?

Der Anybus NP40 ist speziell auf Ethernet optimiert und verfügt über einen integrierten Echtzeit-Switch für Motion-Control-Applikationen. Er kombiniert dazu einen leistungsfähigen Cortex-M3-Prozessor mit einem flexiblen FPGA-Array und erlaubt so schnellen Datentransfer und hardwaregestützte Echtzeit-Synchronisation. Anwender erhalten damit das Beste aus beiden Welten. Die Anpassung an andere Ethernet-Netzwerke erfolgt dabei einfach durch Laden einer anderen Firmware – ohne Änderung der Hardware.

Welche Protokolle wollen Sie auf dem Chip implementieren und bis wann?

Der Anybus NP40 ist ein Multiprotokoll-Netzwerk-Chip. Dementsprechend werden wir alle wichtigen Feldbusse wie Profibus, Devicenet, CANopen, CAN, CC-Link und Modbus sowie alle wichtigen Industrial-Ethernet-Protokolle wie Profinet, Ethernet/IP, Ethercat, Powerlink, Modbus-TCP und Bacnet/IP unterstützen.

Der Chip sollte ursprünglich ja bereits vor gut einem Jahr fertig sein – wodurch kam die Verzögerung zustande?

Mit dem Anybus NP40 stellen wir ja nicht nur einen neuen Chip vor, sondern wir verbinden dies auch mit einer Änderung unsere Embedded-Strategie und dem Launch unseres so genannten CBM (Chip/Brick/Modul)-Konzeptes. Das heißt: Gab es unsere Anybus-Technologie bisher nur in Form von einbaufertigen Kommunikationsmodulen, so bieten wir unsere Technologie nun auch als Chiplösung für hochvolumige Applikationen an. Das ist eine grundlegende Änderung unserer Strategie und solche Entscheidungen wollen sehr wohl überlegt sein.

Ab wann ist der Chip kommerziell verfügbar?

In Pilot-Installationen ist der Chip bereits im industriellen Einsatz. Der volle Funktionsumfang wird als Kernkomponente der Embedded-Anybus-Technologie im Laufe des kommenden Jahres zur Verfügung stehen.

Wodurch unterscheidet sich Ihr Chip von bereits existierenden Ansätzen a la Hilscher & Co.?

Der Hauptunterschied liegt nicht im Chip, sondern im Lösungsansatz, der bei HMS eine Komplettlösung darstellt. Das heißt, wir bieten den Chip im Bundle mit der zugehörigen Protokollsoftware als skalierbare Komplettlösung in den Formfaktoren Chip, Brick oder als einbaufertiges Modul an. Mit Brick meinen wir dabei ein Kommunikationsmodul ohne Busstecker, dass dem Gerätehersteller viel Freiraum für die Gestaltung des mechanischen Busanschlusses bietet. Die geräteinterne Applikationsschnittstelle bleibt aber immer gleich. So kann der Anwender zum Beispiel anfänglich Kommunikationsmodule einsetzen und bei steigender Stückzahl den Chip direkt auf seine Platine setzen – das alles geht ohne Änderung der Softwareschnittstelle!

Mittlerweile gibt es ja fast schon eine Inflation bei den Ethernet-Chip-Anbietern. Gibt der Markt überhaupt die Stückzahlen her, damit sich die hohen Kosten für die Entwicklung und Herstellung der Bausteine lohnen?

Wir haben kürzlich unser zweimillionstes Anybus-Modul verkauft und liefern mittlerweile jeden Monat einige zehntausend dieser Module aus; da rechnet sich der Aufwand für das eigene Chipdesign alleine schon für den Einsatz der Technologie in den eigenen Kommunikationsmodulen. Bei den neuen Anbietern an Chiplösungen wird es sicher nicht nur Gewinner geben, denn mit einem Chip alleine ist kein Blumentopf zu gewinnen. Was wirklich zählt, ist die Komplettlösung.

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