IDF 2016
Intel stellt Maker-Plattform 'Joule' vor
Eher klotzen statt kleckern: Das 'Joule'-Kit geizt nicht mit Rechenleistung und ist für Virtual-Reality-Anwendungen ausgelegt. Der Preis des Kits dürfte allerdings das Budget vieler "Maker" sprengen. Neues gibt es auch zu Intels FPGA-Strategie.
Das Intel Developer Forum in San Francisco steht in diesem Jahr unter dem Vorzeichen der virtuellen Realität. Ein zentrales Element Intels für die Verbindung zwischen realer und virtueller Welt ist die “RealSense”-Technik, eine Kombination mehrerer Kameras mit Intel-Prozessoren und -Software. Diese Technik ist auch der Treiber für ein neues Maker-Modul, das Intel auf dem Developer Forum vorgestellt hat: das ‘Joule’-Kit.
Die ‘Joule’-Plattform ist genau genommen ein Computermodul, kombiniert mit einem Trägerboard und einem angepassten Linux-Betriebssystem. Das System zielt nach Intels Aussage auf industrielle IoT-Anwendungen, Robotik, Micro-Server, Bildverarbeitung, Dronen, virtual und augmented Reality.
Das Computermodul gibt es in zwei Varianten: Das höherwertigere, ‘Joule 570x’ enthält einen Intel-Atom-Prozessor T5700 mit 1,7 GHz Taktfrequenz (kurzzeitig bis 2,4 GHz), 4 GB RAM, 16 GB eMMC-Flash sowie eine Grafikeinheit, die 4K-Video aufnehmen und wiedergeben kann. Die kleine Version ‘Joule 550x’ enthält den Atom-Prozessor T5500 mit 1,5 GHz Taktfrequenz, 3 GB RAM und 8 GB eMMC. An Peripherieanschlüssen sind vorhanden: USB, WiFi, Bluetooth, CSI und DSI (Camera bzw. Display Serial Interface), GPIO, I²C und UART. Beide Module unterstützen die Real-Sense-Kameras und -Software.
RealSense: Die Welt erkennen
Bei RealSense arbeiten eine 1080p-Kamera, eine Infrarot-Kamera und ein Infrarot-Laserprojektor zusammen. Diese Sensorkombination kann die Umgebung ähnlich wie das menschliche Auge wahrnehmen, nämlich mit räumlicher Tiefe und Bewegungserkennung. Mit RealSense lassen sich zum Beispiel 3D-Scans aufnehmen: Infrarot-Laserprojektor und -Kamera erkennen die Form eines Objekts, während die Kamera für das sichtbare Licht die Textur, also das Aussehen der Oberfläche erkennt. Ein anderes Beispiel, das Intel bereits vorführte, ist eine Drohne, die durch einen Wald fliegt und sich den Weg durch die Bäume bahnt. Das alles erfordert hohe Rechenleistung.
Auf dem Intel Developer Forum wurde das ‘Joule’-Kit zum Beispiel zusammen mit einer VR-Brille gezeigt, die Wartungspersonal in der Industrie zeigen könnte, welche Schritte bei einer Montage auszuführen sind. Eine französische Firma hat ein Head-up-Helm-Display für Polizisten auf dem Motorrad entwickelt, das Informationen aus der Umgebung erkennt und zum Beispiel das Kennzeichen eines Nummernschilds und die Zahl der umgebenden Fahrzeuge anzeigt. Wichtige Informationen können erneut abgespielt werden. Mehrere Roboter wurden ebenfalls erwähnt: Ein Barkeeper-Roboter aus Japan, der mit natürlicher Sprache kommuniziert und gesteuert werden kann oder ein Roboter von Microsoft, der Kinder mit Diabetes begleitet und sie daran erinnert, ihren Blutzuckerspiegel zu beachten. Auch von Canonical gibt es einen Roboter, der mit den RealSense-Kameras arbeitet und von einem Ubuntu-Linux gesteuert wird.
Etwas teurer
Das ‘Joule-Kit 570x’ mit dem Trägerboard ist ab sofort über Intel-Distributoren erhältlich. Die singulären ‘Joule’-Computermodule sowie die 550x-Kit sind ab Ende des vierten Quartals 2016 verfügbar.
Mouser listet das ‘Joule-Kit 570x’ zu einem Preis von 430 Euro. Wer die RealSense-Kameratechnik dazu haben will, muss etwa 250 Euro drauflegen. Damit hebt sich ‘Joule’ deutlich von den preiswerten Maker-Plattformen wie Arduino, BeagleBone oder Raspberry Pi ab, die zwischen 30 und 50 Euro liegen. Damit ist auch klar, warum Intel eher auf industrielle Anwendungen zielt: Für einen Hobbyisten dürfte der Anschaffungspreis das Budget deutlich überschreiten. Als Rapid-Prototyping-System für eine professionelle Anwendung ist das ‘Joule’-Kit hingegen preiswert. Mit der Technik will Intel die kostengünstige und schnelle Integration von Virtual Reality in industrielle Anwendungen fördern und damit wieder neuen Bedarf für seine Prozessoren schaffen.
Neues zu Intels FPGA-Strategie
Am letzten Tag des IDF trat Intels CEO Brian Krzanich gemeinsam mit FPGA-Chef Daniel McNamara, einst VP bei Altera für den Embedded-Bereich, auf die Bühne, um eine Art Sub-Veranstaltung des IDF, nämlich das Intel SoC FPGA Developer Forum (ISDF) aus der Taufe zu heben.
Die erste Nachricht: Der Markenname Altera ist Geschichte, auf den FPGA-Gehäusen prangt nunmehr das Intel-Logo. Der FPGA-Geschäftsbereich wird dabei vollen Zugriff auf neue Fertigungs- sowie Packaging-Technologien haben, das Stratix 10 wird noch 2016 in Intels 14-nm-FinFET-Prozess gefertigt verfügbar sein.
x86 und ARM auf einem Die
Wie erwartet wurde dann auch eine Art technische Revolution verkündet: Zukünftige Chips für IoT-, Netzwerk- und Cloud-Server-Anwendungen (nennen wir sie software-defined Server-Prozessoren mit Differenzierung über FPGA-Logik) werden neben x86-CPUs FPGA-Blöcke auch weiterhin mit ARM-CPUs beinhalten. Man wird damit x86 und ARM Cortex-A auf zwei Stücken Silizium auf einem Träger haben, entsprechende Prototypen mit Embedded-Multi-Die-Interconnect-Bridges gibt es bereits (die Stellarton-Atoms von 2010 in einem SiP nutzten hingegen PCIe für die Verbindung beider Silizium-Plättchen in einem Gehäuse).
Denkbar sei allerdings auch, dass in Zukunft zusätzliche FPGA-Modelle mit x86-Prozessoren das Portfolio ergänzen werden, so CEO Krzanich.
Laut Intel werden zukünftig x86-CPUs wie Xeons, Beschleuniger wie die neuen Xeon Phi Knights Mill und diverse FPGAs gemeinsam in Servern arbeiten und sich so den Workload optimal aufteilen. Ein weitere für die Industrie wichtige Nachricht war, daß Produktunterstützung nicht verkürzt wird. Heute haben Intel-Chips durchschnittlich Lebenszyklen von zwölf Jahren. Wenn man ein Produkt abkündige, dann trete man zudem immer vorher in Kontakt mit den Kunden, um gemeinsam einen Ausstiegsplan festzulegen.













