Software
Forscher simulieren Ausgang der Fußball-WM
Forscher der Sporthochschule Köln haben mit einem Software-Modell den Ausgang der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien simuliert. Insbesondere für Deutschland ist das Ergebnis überraschend und auch für WM-Tipper haben die Forscher ein paar Tipps parat.
Michael Groll von der Deutschen Sporthochschule und Bernd Giezek von der ISM in Frankfurt haben in einem Modell den möglichen Verlauf der heute beginnenden Fußball-Weltmeisterschaft prognostiziert. Zunächst wurde durch statistische Berechnungen unter Einbeziehung von Marktwert, Weltrangliste, Wettquoten und Performance in den Qualifikationsspielen eine Rangfolge der teilnehmenden Mannschaften ermittelt. Bei der anschließenden Simulation anhand der WM-Gruppen und des Spielplans wurden zusätzliche Sondereffekte und Zufallsfaktoren einbezogen. Dieser Faktor "Unvorhergesehenes" ergibt sich aus der Analyse von weiteren Informationen zu den einzelnen Mannschaften, wie Verletzungspech, taktische Ausrichtung oder allgemeine Formkurve sowie den Heimvorteil für Brasilien, aufgrund der klimatischen Verhältnisse aber sicherlich auch für die anderen südamerikanischen Teams. Daraus ergeben sich folgende Prognosen:
Die Vorrunde
In Gruppe A kommt Brasilien weiter, Kroatien zieht gegenüber Kamerun den Kürzeren. Gruppe B sollte eigentlich von Spanien und den Niederländern dominiert werden – möglicherweise zieht aber Chile statt Spanien ins Achtelfinale ein. In Gruppe C kommt Kolumbien sicher weiter, die Elfenbeinküste und Japan streiten sich ums Weiterkommen. In Gruppe D bleibt es Spekulation ob neben Uruguay England oder Italien das Achtelfinalticket buchen können, mit schlechteren Chancen für England. Gruppe E kommt ohne Überraschungen aus: Frankreich und Schweiz kommen weiter! Auch in Gruppe F wird es mit den beiden Gruppenersten Argentinien und Bosnien-Herzegowina erwartungsgemäß zugehen. In der deutschen Gruppe G hat neben Deutschland Portugal die besten Chancen auf ein Weiterkommen. Die US-Amerikaner werden allerdings ein Wörtchen mitreden. Geheimfavorit Belgien kommt in Gruppe H weiter, Russland hat es dagegen schwer, Südkorea hinter sich zu lassen.
Die K.O.-Spiele: Während das Achtelfinale mit Mannschaften wie Kamerun, Japan und Südkorea noch recht bunt daherkommt, heißen die sechs sicheren Kandidaten für das Viertelfinale Deutschland, Brasilien, Kolumbien, Argentinien, Belgien und die Niederlande. Falls Spanien wider Erwarten doch weiterkommen sollte, ist spätestens im Achtelfinale gegen Brasilien Endstation.
Wo landet Deutschland?
Für das Halbfinale qualifizieren sich Brasilien, Deutschland, Argentinien und die Niederlande und im Endspiel stehen sich dann Brasilien und Argentinien gegenüber – angesichts der schwachen Kondition, die den Deutschen nachgesagt wird und der vielen Verletzungen eine überraschende Prognose. "Aber wir lassen uns auch gerne vom Gegenteil überzeugen," sagen die Forscher Michael Groll und Bernd Giezek.
Bei der statistischen Berechnung wurden verschiedene Messgrößen berücksichtigt: der Marktwert der Mannschaften, die FIFA-Weltranglistenplatzierung, die aktuellen Wettquoten mehrerer Wettanbieter und die Performance der Teams in den WM-Qualifikationsspielen. Die stärksten zehn Teams und damit die aussichtsreichsten WM-Teilnehmer sind demnach Brasilien, Argentinien, Deutschland, Spanien, Belgien, Niederlande, Kolumbien, England, Frankreich und Italien. Der höhere Wert entscheidet über den Favoritenstatus in den jeweiligen Partien. Wenn es allein danach ginge, wäre der Ausgang der WM wenig überraschend: die vier stärksten Mannschaften kämen ins Halbfinale, in dem Argentinien gegen Spanien und Brasilien gegen Deutschland gewännen. Im Endspiel behielte dann Brasilien gegen Argentinien die Oberhand.
Aber nur mit Favoritensiegen wäre Fußball nicht so spannend. Bei komplexen Spielsituationen besteht der Reiz ja gerade darin, dass unvorhergesehene Dinge passieren, deren Einflussfaktoren man zwar kennt, deren Zusammenwirken man aber nicht steuern kann. Im Fußball sind das etwa mit Glück und Pech umschriebene Spielsituationen, wie z.B. falsche Schiedsrichterentscheidungen, Pfosten- und Lattentreffer sowie Verletzungen. Aber auch die Tagesform der Spieler, welche als Standardabweichung vom geschätzten Qualitätspotenzial verstanden wird, ist oftmals entscheidend. Das gilt nicht nur für die Leistung der Spieler auf dem Platz, sondern auch für das Geschick oder Ungeschick des Trainers an der Seitenlinie.
Der Überraschungsfaktor
Sowohl bei der letzten WM, als auch bei der EM 2012 gab es Spielausgänge, die zumindest als Überraschung gewertet werden müssen. Von der WM 2010 sind vor allem noch das desaströse Auftreten der französischen Nationalmannschaft, die Niederlage Deutschlands gegen Serbien und der Sieg der Schweiz gegen Spanien in Erinnerung. Die EM 2012 war geprägt von Deutschlands Ausscheiden gegen Italien und vom Ausscheiden der Niederlande nach der Vorrunde (von uns vorhergesagt). »Für die bevorstehende WM erwarten wir bei ungefähr acht Vorrundenspielen überraschende Ergebnisse, von denen zwei bis drei Ergebnisse auch das Weiterkommen eigentlich stärkerer Teams in Frage stellen. Da der Faktor Unvorhergesehenes eben nicht beeinflusst oder gesteuert werden kann, beruht unsere Prognose nicht nur auf statistischen Berechnungen, sondern auch auf kritischer Analyse der allen Fans zur Verfügung stehenden Informationen bezüglich Verletzungspech, taktischer Ausrichtung und allgemeiner Formkurve der antretenden Mannschaften. Hinzu rechnen wir zudem einen zumindest prinzipiell vorhandenen Heimvorteil für Brasilien, der allerdings auch anderen südamerikanischen Teams, beispielsweise Uruguay, in die Karten spielen könnte. Geht es darüber hinaus allein nach der nominell errechneten Stärke der Mannschaften, kommen weder afrikanische, noch asiatische Mannschaften in die K.O.-Spiele. Hier verlangt es allein schon die sporting correctness, dass Mannschaften wie Südkorea, Japan und Kamerun keine schlechten Chancen auf ein Weiterkommen haben,« sagt Michael Groll.
Tipps für Tipper
Wer sich im internationalen Fußball nicht gut auskennt, aber trotzdem in privaten Wettrunden gut abschneiden möchte, dem sei abschließend mit ein paar Tipps geholfen.
Hilfreich ist es beispielsweise, sich an gängigen Ergebnissen zu orientieren. In den Begegnungen der letzten drei Welt- und Europameisterschaften waren die häufigsten Ergebnisse 2:1, 1:0, und 2:0. Es ist allerdings zu beachten, dass es bei der WM 2014 torreich zugehen wird. Die durchschnittliche Trefferanzahl bei Europa- oder Weltmeisterschaftsspielen korrespondiert nämlich auffallend mit dem Toredurchschnitt der vorangegangenen Champions-League-Saison. Dort wurden im jüngst abgelaufenen Wettbewerb 362 Tore in 125 Spielen geschossen (ohne Elfmeterschießen), das macht einen Schnitt von knapp 2,9 pro Spiel. Auf einen ähnlichen Toredurchschnitt bei der beginnenden WM sollten wir uns freuen.












