Aus für die Computermesse
Die Cebit wird eingestellt
Angesichts rückläufiger Flächenbuchungen für 2019 und sinkender Besucherzahlen bereinigt die Deutsche Messe nach eigenen Angaben ihr Veranstaltungsportfolio und stellt die Cebit zum kommenden Jahr ein. Andere Fachveranstaltungen sollen die Themenfelder abfangen.
Stillstand für das SAP-Riesenrad auf der Cebit in Hannover: Auch das neue Konzept der Messe, eine Kombination aus Messe, Konferenz und Festival, konnte den Abwärtstrends der Besucherzahlen nicht stoppen.
© Deutsche Messe AGDemnach werden die industrienahen Digitalthemen der Cebit in der Hannover Messe weitergeführt, für die übrigen Themenfelder der Cebit sollen inhaltlich spitze Fachveranstaltungen entwickelt werden, die sich gezielt an Entscheider ausgewählter Branchen richten, teilte das Unternehmen am Mittwoch in Hannover mit.
Spezialisierte Fachmessen gefragt
Die technologische Entwicklung der vergangenen Jahre hat gezeigt, dass eine Horizontalmesse wie die Cebit in der digitalen Wirtschaft zunehmend auf rückläufige Nachfrage stößt, so der Veranstalter – die Deutsche Messe. Da die Innovationsschritte durch die Digitalisierung vor allem in den Anwendungsbranchen greifen würden, sei Digitalisierung bei nahezu allen Branchenfachmessen das beherrschende Thema. Dies beeinflusse die Messepolitik der Unternehmen, die zu den klassischen Kernausstellern der Cebit gehören. Sie nutzen immer häufiger die Branchenmessen der Anwender als Plattform für Geschäftsanbahnung.
"Die deutsche Wirtschaft hat in den vergangenen Jahren immer wieder über die thematische Überschneidung von Hannover Messe und Cebit diskutiert. Wir werden daher die Themen überführen, die inhaltlich zur klaren Ausrichtung der Hannover Messe passen", sagte Dr. Jochen Köckler, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Messe AG, am Mittwoch in Hannover. In den nächsten Wochen werde zudem intensiv mit dem Digital-Markt geprüft, welche Themen Potenzial für fokussierte Fachmessen aufweisen.
Neues Konzept brachte keine Kehrtwende
Das neue Konzept der Cebit, das auf den Dreiklang aus Messe, Konferenz und Festival setzte, konnte den Abwärtstrends der Besucherzahlen nicht stoppen. Da auch der Negativtrend bei den Flächenbuchungen über alle Themensegmente hinweg nicht aufgehalten werden konnte, werde die Cebit künftig nicht mehr ausgerichtet.
Deutsche Messe AG Vorstand Oliver Frese bat das Aufsichtsratspräsidium um Entbindung von seinen Aufgaben zum 31. Dezember 2018. Das Gremium gab diesem Ersuchen statt. "Wir nehmen die Entscheidung von Herrn Frese mit Bedauern und Respekt zur Kenntnis. Es ist sehr bedauerlich, einen so erfahrenen Messemacher und Vorstand zu verlieren. Frese hat sich bei der Deutschen Messe viele Jahre für das Veranstaltungsportfolio verdient gemacht, zuletzt als für die Cebit verantwortlicher Vorstand", sagte der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann. "Gerade mit dem neuen Konzept der Cebit hat Frese Mut, Innovationskraft und Pioniergeist bewiesen. Der weitere Nachfragerückgang bei der neuen Cebit ist umso bedauerlicher, gleichzeitig zeigt er aber auch, dass die Cebit - Idee in der gesamten Wirtschaft angekommen ist und aufgenommen wurde. Die in ihr repräsentierten Themen wie Digitalisierung, Künstliche Intelligenz etc. werden inzwischen als Querschnittsaufgabe wahrgenommen – was auch ein Erfolg der Cebit ist."
Die Bedeutung der Cebit im Veranstaltungsportfolio und im wirtschaftlichen Ergebnis habe sich, so die Deutsche Messe, bereits in den vergangenen Jahren relativiert. "Wir haben durch viele andere starke Veranstaltungen und das stringente Wachstum im Auslandsgeschäft die Deutsche Messe als Unternehmen sicher und solide aufgestellt", sagte Köckler. Die Marke Cebit soll bei den Veranstaltungen im Ausland weiter genutzt werden.
Stimmen zum Aus der Messe
Bitkom-Präsident Achim Berg: „Wir bedauern, dass die Cebit 32 Jahre nach ihrer Erstauflage nicht mehr als eigenständige Veranstaltung stattfindet. Messe-Vorstand Oliver Frese und seinem Team danken wir für ihr Engagement und den Versuch, die Cebit zuletzt mit einem mutigen Konzept wieder auf den Wachstumspfad zu führen. Unabhängig von der positiven Resonanz, die das neue Konzept fand, muss es sich natürlich auch für den Veranstalter rechnen. Markt und Messelandschaft haben sich in den vergangenen Jahrzehnten stark gewandelt. Digitale Themen spielen inzwischen in allen Branchen eine entscheidende Rolle. Wir begrüßen, dass die Themen rund um die Industrie 4.0 auf der Hannover-Messe künftig noch stärker aufgegriffen werden. Wir laden die Digitalwirtschaft, ihre Partner und Kunden für 2019 zu zwei innovativen und stark wachsenden Formaten ein. Am 10. und 11. April 2019 führt Bitkom sein internationales hub-Festival mit Artificial Intelligence Summit in der Station Berlin durch. Und vom 19. bis 21. November 2019 findet zum zweiten Mal die Smart Country Convention des Bitkom bei der Messe Berlin statt. Dort werden Lösungen zur Digitalisierung von Städten, Gemeinden und öffentlichen Dienstleistungen präsentiert.“













