Intel unter Druck

Lars Bube | Lukas Dehling,

Apple plant eigene Mac-CPUs

Die Vorstellung seiner neusten Prozessoren Anfang der Woche wurde Intel gehörig verhagelt. Nur wenige Stunden zuvor war bekannt geworden, dass der Großkunde Apple plant, seine Macs künftig nur noch mit eigenen CPUs auszurüsten.

Apple will seine Macs künftig mit eigenen CPUs ausstatten.

© Apple

Nach einigen schweren Monaten im rauen Fahrwasser der CPU-Sicherheitslücken ‘Meltdown’ und ‘Spectre’ hatte der Chipgigant Intel für die Osterzeit eigentlich eine Art kleine Wiederauferstehung geplant. Dafür sollte vor allem die Vorstellung von mehr als 20 neuen Prozessoren der aktuellen achten Core-i-Generation ‘Coffee Lake’ sowie vier neuen Chipsätzen aus der zugehörigen 300er-Serie sorgen. Trotz einiger durchaus spannender Produkte in diesem neuen Lineup, wie etwa dem ersten Core i9 für Notebooks (Core i9-8950HK), neuen Xeon-Modellen für Server und Workstations sowie besonders energiesparenden U-Modellen mit ‘Iris Plus’-GPU, wurde daraus jedoch nichts.

Schuld daran war ausgerechnet Intels Premium-Kunde Apple. Denn nur wenige Stunden vor dem Event sickerte durch, dass Apple sich ab 2020 von den Intel-CPUs in sämtlichen Mac-Computern verabschieden will. Ihren Platz sollen laut dem Wirtschaftsinformationsdienst Bloomberg zugetragenen Insider-Plänen künftig eigene Prozessoren aus den Entwicklungslaboren von Apple einnehmen. Angesichts der Tatsache, dass Apple für rund fünf Prozent des Jahresumsatzes von Intel verantwortlich zeichnet, ein herber Rückschlag, der auch an den Börsen sofort für deutliche Verluste der Intel-Papiere sorgte.

Doch nicht nur finanziell dürften die Pläne von Apple Intel zusetzen, noch viel mehr kratzt der Abschied des Premium-Kunden am Image. Immerhin ist die Trennung symptomatisch für Intels aktuelle Probleme und deren Ursachen.

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Projekt 'Kalamata'

Erst 2006 hatte sich Apple von den bis dahin genutzten IBM PowerPC-Prozessoren in seinen Macs verabschiedet und fortan auf Intel gesetzt. Als Apple jedoch ein Jahr später mit dem iPhone sein heute wohl wichtigstes Produkt vorstellte, hatte der neue Partner keinen passenden Chip dafür im Angebot. Bis heute hat es Intel trotz viel Mühe nicht geschafft, konkurrenzfähige SoCs für ultramobile Geräte wie Smartphones und Tablets auf den Markt zu bringen, mit denen man den hier dominierenden Plattformen auf Basis der ARM-Architektur Paroli bieten könnte.

Und genau dieses Versäumnis holt den Giganten jetzt zum zweiten Mal ein. Denn der Grund für Apples Wechsel zu einer eigenen Chip-Basis liegt im Bestreben, die Kompatibilität und Interoperabilität der eigenen Produkte über die Grenzen der PC- und mobilen Welt hinweg deutlich zu verbessern. Grundlage für dieses intern unter dem Namen »Kalamata« laufende Projekt ist ein reibungsloses Zusammenspiel aus Hardware und Software, das erreicht werden soll, indem alle Produkte und ihre wichtigsten Bausteine schon in der Entwicklung möglichst optimal aufeinander abgestimmt entwickelt werden. So soll es etwa selbstverständlich werden, iOS-Apps auch auf den Macs nutzen zu können.

Letztendlich forciert Apple damit weiter seine Stärken und Alleinstellungsmerkmale und will damit künftig das schaffen, was Microsoft mit Windows 10 nicht im geplanten Umfang gelungen ist: eine einheitliche Basis aus Hardware, Betriebssystem und Software zu schaffen, die Desktops und Notebooks mit Smartphones und Tablets zusammenbringt.

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