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ZVEI: Das digitale Typenschild 4.0

19. Mai 2020, 09:03 Uhr   |  Inka Krischke

ZVEI: Das digitale Typenschild 4.0
© ZVEI

Seit Ende 2018 arbeiten der ZVEI und die Helmut-Schmidt-Universität Hamburg mit Herstellern der Automatisierungsbranche an der Umsetzung des Projektes ‚Digitales Typenschild 4.0‘. Zum Status quo äußert sich Gunther Koschnick, Geschäftsführer des Fachverbandes Automation im ZVEI.

Herr Koschnick, beschreiben Sie kurz das Ziel des Projekts ­digitales Typenschild 4.0, das ja unter anderem als Beleg für die Umsetzbarkeit der Verwaltungsschale dienen soll?

Koschnick: Als Projektziele haben wir vier definiert:

1. Relevante Informationen zu Betriebsmitteln in digitaler Form, in vollem Umfang, in jeder Sprache, zu jeder Zeit, internetbasiert zur Verfügung zu stellen, um die Servicequalität zu erhöhen.

2. Perspektivisch die Abschaffung beziehungsweise Reduktion der produktbegleitenden Papierdokumentation – also Handbüchern, Zertifikaten et cetera –, um Ressourcen zu sparen.

3. Nutzung der Industrie-4.0-Verwaltungsschale, um ­Möglichkeiten für neue datengetriebene Geschäftsmodelle zu ermöglichen.

4. Politischen Entscheidungsträgern der EU aufzuzeigen,
dass die Niederspannungs- und Maschinenrichtlinie anzu­passen ist.

Das Projekt läuft jetzt seit gut anderthalb Jahren – wie weit sind die Arbeiten gediehen?

Koschnick: Schon nach knapp einem Jahr Bearbeitungszeit haben wir einen Demonstrator auf der SPS in Nürnberg vorgestellt, der dort auf großes Interesse gestoßen ist. Für die Hannover Messe 2020 hatten wir die Vorstellung einer Weiterent­wicklung geplant, was dieses Jahr aufgrund der Corona-­Pandemie leider entfällt. Dies ist insbesondere deshalb ­bedauerlich, weil wir in Hannover den politischen Akteuren unser Anliegen direkt am Demonstrator hätten präsentieren können. 

Nichtsdestotrotz – die Standardisierung der Teilmodelle, die im Demonstrator angewendet werden, geht gut voran. Wir ­gewinnen beinahe wöchentlich Unternehmen, die sich am Demonstrator beteiligen möchten. Die politische Arbeit, die Anpassung der Richtlinien voranzubringen, ist gestartet und stößt auf offene Ohren. Zusammengefasst können wir sagen, wir kommen sehr gut voran. 

Was sind oder waren die größten Herausforderungen, mit denen Sie vielleicht vorab gar nicht gerechnet hatten?

Koschnick: Sicherlich ist die Standardisierung von grundlegenden ­Eigen-schaften von Produkten immer eine Herausforderung, da es hier viele gute und differierende Vorstellungen davon gibt, was richtig ist. Im Falle des digitalen Typenschildes sind wir tatsächlich davon überrascht worden, wie viele gute Ansätze teilweise schon vorangetrieben wurden. Diese Initiativen und Ansätze unter einen Hut zu bekommen, hat uns ein wenig Kopfzerbrechen bereitet, ist uns aber glücklicherweise gut gelungen. 

Wo liegen die aktuellen Herausforderungen? 

Koschnick: Die aktuelle Herausforderung ist, die Idee, dass produkt-begleitende Informationen einfacher und bedarfsgerechter digital bereit-gestellt werden können, in die Politik zu bringen. Damit ist verbunden, dass nicht nur ein PDF zum Download bereitgestellt werden soll, sondern dass wir mit der Verwaltungsschale einen quasi Open Source Digitalen Zwilling für die Industrie bereitstellen wollen, der neben der Bereitstellung von Infor­mationen über den gesamten Lebenszyklus noch viel mehr Möglichkeiten bietet. Mit Hilfe der Verwaltungsschale wird übergreifende Interoperabilität möglich. Davon können insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen profitieren, denn diese können einfacher datengetriebene Geschäftsmodelle aufbauen. 

Wie sieht die weitere Roadmap aus? 

Koschnick: Wie bereits erwähnt, haben wir ja bereits vorzeigbare Ergebnisse präsentiert. Aktuell ist die Frage, wann wir diese wieder ­zeigen können… Daneben geht es natürlich in der Standardisierung weiter voran, um Unternehmen Investitionssicherheit zu geben. Wir standardisieren die Modelle des digitalen ­Typenschildes, rollen dieses weiter in die Industrie aus und transportieren unsere politische Botschaft auf vielen Kanälen nach Berlin und Brüssel.

ZVEI

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