Quartalszahlen Q2/2022

Russlandsanktionen drücken den Siemens-Gewinn

12. Mai 2022, 8:27 Uhr | Andrea Gillhuber
Roland Busch, Vorstandsvorsitzender der Siemens AG.
© Siemens

Siemens stellt nach rund 170 Jahren sein Geschäft in Russland ein. Die Sanktionen gegen das Land drücken den Gewinn im 2. Quartal um rund 600 Millionen Euro.

Bereits im März hatte Siemens verkündet, aufgrund des Einmarschs Russlands in die Ukraine kein Neugeschäft mehr mit Russland machen zu wollen. Jetzt zieht sich der Konzern vollständig aus dem Land zurück. »Das war keine einfache Entscheidung. Trotz unserer eindeutigen Haltung zu diesem Krieg. Schließlich sind wir seit 170 Jahren in Russland tätig. Wir haben enge Verbindungen zu unseren Kunden. Und wir tragen Verantwortung für unsere 3000 Kolleginnen und Kollegen, die wir – das möchte ich klar sagen – auch nach dieser Entscheidung nach besten Kräften unterstützen werden. Die Entscheidung wird bereits umgesetzt. Wir haben damit begonnen, den verbliebenen operativen Betrieb und alle industriellen Geschäftstätigkeiten abzuwickeln«, kommentiert Vorstandsvorsitzender Roland Busch den Marktaustritt. Der Russland-Anteil am Umsatz von Siemens lag bei etwa 1%.

Im 2. Quartal des laufenden Geschäftsjahres haben die Russlandsanktionen einen Ergebniseffekt von insgesamt 600 Mio. Euro aufgrund von Wertminderungen und anderen Belastungen, überwiegend bei Mobility. Der Konzern hat darüber hinaus ein geordnetes Zurückfahren der industriellen Geschäftsaktivitäten zum Austritt aus dem russischen Markt eingeleitet.

Das Quartalsergebnis im Detail

Auf vergleichbarer Basis legte der Auftragseingang um 22 % auf 21,0 Mrd. Euro (Q2/2021: 15,9 Mrd. Euro) zu. Der Auftragsbestand liegt bei 94 Mrd. Euro. Auch den Umsatz konnte der Konzern um 7 % auf 17,0 Mrd. Euro (Q2/2021: 14,7 Mrd. Euro). Das Ergebnis des industriellen Geschäfts sank von 2,0 Mrd. in Q2/2021 auf 1,2 Mrd. Euro in Q2/2022 und ist wie oben bereits erwähnt infolge der gegen Russland verhängten Sanktionen mit 600 Mio. Euro belastet. Darüber hinaus verzeichnete das Vorjahresquartal einen einmaligen Gewinn von 0,9 Mrd. Euro innerhalb der nicht fortgeführten Aktivitäten aus dem Verkauf von Flender.

Der Gewinn nach Steuern halbierte sich auf 1,2 Mrd. Euro, der Freie Cash Flow auf Konzernebene stieg im Vergleich zum Vorjahresquartal um 100 Mio. Euro auf 1,3 Mrd. Euro an.

Trotz der aktuellen Entwicklungen hält Siemens an der Prognose von einem Wachstum 6 bis 8 % fest. Die finanziellen Ziele basieren auf der Annahme eines anhaltenden Wachstums des weltweiten Bruttoinlandsprodukts sowie darauf, dass sich Herausforderungen für unsere Geschäfte aus COVID-19 sowie Engpässe in den Lieferketten im verbleibenden Teil des Geschäftsjahrs 2022 nicht verschärfen werden. Unter diesen Voraussetzungen erwartet der Konzern, dass das industrielle Geschäft weiter profitabel wachsen wird. Der Gewinn nach Steuern enthielt im Geschäftsjahr 2021 einen positiven Beitrag aus Verkaufs- und anderen portfoliobezogenen Gewinnen von insgesamt 1,5 Mrd. Euro. Der Konzern nimmt an, für das Geschäftsjahr 2022 einen positiven Ergebnisbeitrag aus portfoliobezogenen Themen in ähnlicher Höhe, nach Abzug der Belastungen in Verbindung mit Russland, zu erzielen.

Fabrikautomatisierung und Moiton Control als Wachstumstreiber

Der Auftragseingang von Digital Industries erhöhte sich auf vergleichbarer Basis um insgesamt 32 % auf 5,9 Mrd. Euro. Das Wachstum erstreckt sich über alle Bereiche. Die Umsatzerlöse stiegen ebenfalls auf vergleichbarer Basis um insgesamt 9 % auf 4,6 Mrd. Euro. Wachstumsimpulse kamen aus China und Europa. Der stärkste Beitrag bei Auftragseingang und Umsatz kam aus den Geschäften Fabrikautomatisierung und Motion Control.

Das Ergebnis stieg im Vergleich zum Vorjahresquartal um 2 % auf 826 Mio Euro, die Ergebnismarge lag bei 18,1 %. Belastet wurde die Profitabilität hauptsächlich durch niedrigere Umsatzerlöse im Software-Geschäft sowie durch höhere Aufwendungen für cloudbasierte Aktivitäten, einschließlich der Effekte aus der beschleunigten Umstellung von Teilen des Geschäfts auf Software-as-a-Service (SaaS), das im zweiten Quartal eine starke Kundennachfrage verzeichnete.

Nach wie vor setzte Digital Industries den außerordentlich hohen Auftragseingang im Rahmen der Kapazitäts- und Lieferbeschränkungen so weit wie möglich um. Zwar konnten größere Unterbrechungen der Lieferkette wurden erfolgreich vermieden, allerdings verlängerten sich Lieferzeiten bei einigen Automatisierungsprodukten.

 

Siemens Quartalszahlen Q2/2022

Siemens Q2/2022
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Siemens Q2/2022
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Siemens Q2/2022 - Smart Infrastructure
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Smart Infrastructure mit Wachstum in den USA

Der Auftragseingang im Sektor Smart Infrastructure stieg um 22 % auf 5,0 Mrd. Euro. Zurückzuführen ist das starke Wachstum auf den US-amerikanischen Markt, einschließlich größerer Aufträge für Rechenzentren und digitale Gebäudedienstleistungen. Die Umsatzerlöse wuchsen auf vergleichbarer Basis um 8 % auf 4,0 Mrd. Euro in allen Geschäften, mit dem höchsten Beitrag vom Electrical-Products-Geschäft. Das Ergebnis stieg um 15 % auf 445 Mio. Euro gegenüber 386 Mio. Euro im Vorjahresquartal. Die Ergebnismarge stieg auf 11,1 % gegenüber 10,8 % im 2. Quartal 2021.

Großaufträge bei Mobility

Mobility steigerte den Auftragseingang auf vergleichbarer Basis um 13 % auf 2,5 Mrd. Euro aufgrund eines höheren Volumens aus Großaufträgen, während die Umsatzerlöse um 9 % auf 2,1 Mrd. Euro sanken. Aufgrund der gegen Russland verhängten Sanktionen war die Umsatzentwicklung vor allem im Schienenfahrzeug- und Kundenservicegeschäft durch eine Rücknahme der in vergangenen Perioden realisierten Umsatzerlöse in Höhe von 0,2 Mrd. Euro betroffen. Zudem konnten Umsatzerlöse für im zweiten Quartal erbrachte Leistungen nicht erfasst werden. Als Folge der Sanktionen gegen Russland war das Ergebnis durch Wertminderungen und andere Belastungen in Höhe von rund 600 Mio. Euro beeinträchtigt; Mobility verzeichnete insgesamt einen Verlust von 369 Mio. Euro; ohne russlandbezogene Belastungen belief sich die Ergebnismarge auf 8,4 %.


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