Schwerpunkte

Teil 2 der TSN-Serie

Offene Lösungen für TSN

26. Mai 2020, 09:21 Uhr   |  Florian Frick & Meinrad Happacher

Offene Lösungen für TSN
© ISW / Fotolia

Time-Sensitive Networking (TSN) gilt als die Schlüsseltechnologie für konvergente IT- und OT-Netzwerke. Offene Lösungen können zur Entwicklung des Ökosystems beitragen. Welche ­Softwarefunktionen sind aber überhaupt nötig und welche Lösungen stehen hierfür bereits zur Verfügung?

TSN, als Teil von IEEE 802.1 Ethernet, ist ein Netzwerkstandard und ent-sprechend relevant für die Kommunikations-Infrastruktur. Noch bedeutender ist TSN aber als Basistechnologie für konvergente IT/OT-Netzwerke und somit für die Endpunkte, auf welchen die zukünftigen Applikationen realisiert werden. Genauso wie es bei Ethernet heute der Fall ist, liegt das größte Potenzial – und somit auch Geschäfte und Umsätze – bei den über das Netz laufenden Applikationen. Kein Geschäftsmodell im Internet differenziert sich durch einen besseren Ethernet-Treiber von der Konkurrenz – genauso wenig wird dies bei TSN für innovative Industrie- applikationen der Fall sein. Viel wichtiger als eine eigene ‚bessere‘ Implementierung sind für alle Teilnehmer in einem TSN-Netzwerk Interoperabilität, Stabilität, Robustheit, eine schnelle Entwicklung des Ökosystems und Durchdringung des Marktes.

Offene Lösungen können hierzu einen entscheidenden Anteil liefern. Denn sie ermöglichen: 

• Direkt einsetzbare Implementierungen,

• ‚Inspiration‘ und Referenz für proprietäre Lösungen,

• Unterstützung der Standardisierung durch frühzeitiges Testen und Validieren,

• Grundlage zur Entwicklung innovativer Applikationen und Geschäftsmodelle vor der Verfügbarkeit des gesamten Ökosystems.

Viele verschiedene Hersteller und Initiativen tragen deshalb aktiv zu Open-Source-Lösungen bei. Zu nennen seien hier Projekte wie AccessTSN (Linutronix, Hirschmann, ISW und HS Offenburg), Organisationen wie OSADL (mit IOSB und Kalycito), Linaro als Unterstützer verschiedener Hardware-Hersteller und einzelne Unternehmen wie Intel.

Open Source ist für viele in der Automatisierungsbranche Neuland und wird oft noch sehr kritisch gesehen. Aktuell sind selbst Basistechnologien oft proprietäre Lösungen und für einige Unternehmen zuverlässige Cash-Cows. Außerdem haftet in der Automatisierungsbranche Open Source häufig das Vorurteil an, eine von idealistischen Hobbyprogrammierern getriebene Community zu sein. Ein Blick in andere Branchen – ob IT oder Mobile – zeigt, dass Open Source durchaus als Enabler für innovative, effiziente, zuverlässige und nachhaltige Anwendungen und Geschäftsmodelle taugt. Dementsprechend sollten alle Beteiligten bemüht sein, sich bei der digitalen Transformation der Automatisierungsbranche nicht in Details der Basis-technologien zu verlieren, sondern den Fokus auf innovative Applikationen zu richten.

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1. Offene Lösungen für TSN
2. TSN-Endpunkte
3. Das Traffic Management
4. Protokolle auf höheren Schichten
5. Switched Endpoints auf Linux-Basis
6. OPC UA PubSub über TSN

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