C. Uhl, Pepperl+Fuchs, im Interview

Inka Krischke,

Das eigensichere »Leichtgewicht«

Smart Devices im Ex-Bereich? Den Weg von Pepperl+Fuchs mit im Ex-Bereich einsetzbaren Smart Glasses skizziert Christian Uhl, Head of Communication / Global Marketing.

Christian Uhl ist Head of Communication | Global Marketing bei Pepperl+Fuchs in Mannheim.

© Pepperl+Fuchs

Herr Uhl, Visor-Ex 01 sind als erste eigensichere Smart Glasses ihrer Art nach ATEX und IECEx zertifiziert. Welche technischen Entwicklungen waren hierfür notwendig?

Christian Uhl: Zwar gab es bereits zuvor nach ATEX/IECEX zertifizierte Smart Glasses, allerdings haben wir mit dem Visor-Ex das Konzept der Smart Glasses komplett neu gedacht und durch eine Kombination aus Smartphone als Rechen- und Funkeinheit mit den Smart Glasses ein Leichtgewicht von nur 180 g schweren Smart Glasses geschaffen. Durch das Smartphone wird erstmalig auch eine Verbindung der Smart Glasses in explosionsgefährdeten Bereichen ins Mobilfunknetz und somit eine bessere Abdeckung gewährleistet. Zudem lässt sich das Smartphone als solches natürlich auch separat nutzen. Das Wettbewerbsprodukt vereint alle Komponenten wie Akku, Funk- und Recheneinheit auf dem Kopf.

Im Entwicklungsprozess selbst haben wir eng mit unserem Kooperationspartner Iristick zusammengearbeitet, der bereits ein breites Know-how zu industriell eingesetzten Smart Glasses hatte. Unsere Aufgabe bestand im nächsten Schritt darin, die komplexe Technologie auf den Einsatz in rauen Umgebungen zu übertragen und für die Ansprüche in explosionsgeschützten Bereichen weiterzuentwickeln. Das heißt, wir mussten die Eigensicherheit des Gerätes gewährleisten, ohne Abstriche bei der Performance der Smart Glasses machen zu müssen, ohne das Gewicht des Geräts zu erhöhen oder den Formfaktor zu beeinflussen.

Welche besonderen Anforderungen mussten im Detail erfüllt werden?

Zunächst einmal mussten die entsprechenden Anforderungen gemäß Richtlinien wie ATEX oder IECEx erfüllt werden. Die größte Herausforderung hierbei war die Gewährleistung der Eigensicherheit bei gleichzeitig hoher Performance und leichtem Gewicht. Dies ist uns gelungen, indem wir die Batterie in eine Pocket Unit ausgelagert haben. Des Weiteren wurden die Smart Glasses als Peripheriegerät zu unserem Smartphone ‚Smart-Ex 02‘ konzipiert, wodurch wir volle 2G-, 3G- und 4G-Funktionalität ohne zeitaufwendige und kostspielige Funkzulassungen umsetzen konnten. Gleichzeitig werden die Smart Glasses mit zukünftigen Generationen unserer Smart-Ex-Reihe kompatibel sein. Dies sichert unseren Kunden ihre Investition und ermöglicht künftig auch 5G-Anwendungen.

Wie ist es um die grundsätzliche Akzeptanz von Smart Glasses unter Mitarbeitern bestellt?

Smart Glasses sind eine vollkommen neue Technologie im industriellen Einsatz – etwa bei der Montage, Wartung oder der Reparatur von Anlagen oder Maschinen. Wir haben uns intensiv und in Tests mit Pilotkunden damit auseinandergesetzt, welche Hemmschwellen und Berührungsängste seitens eines Nutzers entstehen könnten – doch letztlich sind wir überzeugt, dass die Begeisterung schnell geweckt ist, erlebt der Mobile Worker die Vorteile erst einmal im täglichen Einsatz: Er hat die Hände frei und das Display, das er per Sprachsteuerung oder Display des Smartphones bedienen kann, direkt vor dem Auge. Wie bei jedem neuen Arbeitsmittel wird natürlich eine Umstellung der Arbeitsweise nötig sein. Doch wer sich einmal daran gewöhnt hat und die jederzeit mögliche Unterstützung durch einen Experten in Anspruch nehmen konnte, wird das neue Arbeitsmittel nicht mehr missen wollen.

Wie sieht der Markt für Smart Glasses insgesamt derzeit aus?

Aus unserer Perspektive wächst der Markt für digitale Devices wie beispielsweise Smart Glasses kontinuierlich. Aus unterschiedlichen Gründen: Erstens erzielen Anwender mit Hilfe der Smart Glasses Kostenersparnisse auf mehreren Ebenen – Fehler oder Störungen können schneller behoben werden, was die Produktivität erhöht. Darüber hinaus lassen sich Reise-Aufwände minimieren, da mit der Remote-Unterstützung sozusagen virtuell immer schon ein Experte vor Ort ist oder vor Ort geholt werden kann.

Die Digitalisierung der Ex-Zonen

Echte Predictive Maintenance ist nur in einer durchgängig vernetzten Fertigung möglich – Ex-Zonen inklusive. Allerding findet sich im Ex-Bereich häufig eine Digitalisierungslücke. Abhilfe versprechen hier eigensichere Mobile Devices.

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Zweitens wird die Smart-Glasses-Technologie insgesamt durch diverse andere Lösungen und Anwendungen weiter gefördert, als da sind Remote Assistance sowie Virtual und Augmented Reality. Smart Glasses werden also immer mehr zu einer Art digitalem Werkzeug. Immer mehr Unternehmen setzen in der Instandhaltung und im Support, aber auch dem Anlagenbetrieb darauf – nicht zuletzt deshalb, da die Verfügbarkeit eines passenden Experten schon lange nicht mehr überall – und mit fortschreitendem Generationenwechsel immer weniger – sichergestellt werden kann. Und nicht zu vergessen, auch die Corona-Pandemie hat die Nachfrage nach Remote-Lösungen deutlich verstärkt.

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