125 Jahre Kuka

Andrea Gillhuber,

»Vom Produkthersteller zum Anbieter von Lösungen und Software«

Robotersysteme spielen eine entscheidende Rolle bei der Bewältigung aktueller Herausforderungen wie dem demografischen Wandel und dem Fachkräftemangel, weiß Andreas Röhring von Kuka. Darüber und über Resilienz und Wandlungsfähigkeit als Erfolgsrezept spricht er im Interview.

Andreas Röhring ist Head of Strategy & Corporate Development bei Kuka.

© Kuka

Herzlichen Glückwunsch zu 125 Jahren Kuka! Im Rückblick: Was war die bedeutendste technologische Entwicklung Ihres Unternehmens?

Andreas Röhring: Vielen Dank – die Glückwünsche gebe ich natürlich sehr gerne zurück für ein Vierteljahrhundert Computer&Automation. Mit Blick auf Kukawar eine der bedeutendsten Entwicklungen sicher unser ‚Famulus‘ – der weltweit erste elektrisch mit Scheibenlaufmotoren angetriebene Industrieroboter mit sechs Achsen. Das war damals echte Pionierarbeit. Den Roboter haben wir 1973 präsentiert, nach dreijähriger Entwicklungszeit. Allerdings sollte es ein paar Jahre dauern, bis Kuka-Roboter auch wirklich zu einer Erfolgsgeschichte werden. 1977 war es soweit, als Daimler-Benz 20 Famulus-Nachfolger für eine neue Anlage bestellten. Kuka steht ja mittlerweile für noch viel mehr als ‚nur‘ Industrieroboter, aber der Famulus war schon ein wesentlicher Meilenstein unserer Geschichte – und einer, der bis heute Auswirkungen hat.  

Gibt es einen absoluten ‚Bestseller‘ und was macht ihn aus?

Röhring: Ja, den gibt es und der findet sich ebenfalls in unserer Robotersparte. Seit der Markteinführung im Jahr 2010 haben wir mehr als 130.000 Roboter von unserer KR Quantec-Serie verkauft. Der Roboter ist quasi ein echter Allrounder und wird mit seiner Traglast von 120 bis 300 Kilogramm sowohl in der Automobilbrache, in Gießereien, im Medical-Bereich oder auch für Bearbeitungs- und Handling- Aufgaben eingesetzt. Erst 2019 haben wir die neue Generation der Serie auf den Markt gebracht. Wir arbeiten also immer daran, unser Portfolio zu optimieren. Natürlich auch im Hinblick auf Nachhaltigkeit. Das Eigengewicht der neuen KR Quantec-Generation und seine Betriebsmodi wurden so aktualisiert, dass er im Betrieb erheblich weniger Energie benötigt als seine Vorgängermodelle. In Kombination mit der neuen Robotersteuerung wird dieser Effekt noch größer. Gemeinsam lassen sich Roboter und Steuerung um 55 Prozent energieeffizienter einsetzen, verglichen mit einem KR Quantec der bis 2010 produzierten Generation der Serie 2000 und der Steuerung KR C2. Werden künftig Produktionshallen komplett mit Gleichstrom versorgt, können sogar 60 Prozent Energie im Vergleich zu 2010 eingespart werden.

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In 125 Jahren geht es nicht nur rosig zu – was war aus Ihrer Sicht die schwierigste Zeit für das Unternehmen?

Röhring: Die Ursprünge der heutigen Kuka-Gruppe liegen in der Fertigung von Acetylen-Leuchten, damals mit 20 Mitarbeitenden. Das war wie ein Startup, das früh seine erste Disruption erlebte. Mit der Erfindung der Glühlampe musste etwas Neues her. Und bereits damals zeigte sich, dass Ideenreichtum und ein langer Atem Grundpfeiler für unser Unternehmen sind. Tatsächlich wird nur jedes vierte Unternehmen in Deutschland älter als 20 Jahre. Das hat eine Creditreform-Auswertung aus 2019 ergeben. Dass wir dieses Jahr 125 Jahre Kuka feiern können, liegt also nicht zuletzt an unserer Resilienz in Krisenzeiten, sondern auch in unserer Wandlungsfähigkeit. Da war zum Beispiel die Weltwirtschaftskrise, die im Oktober 1930 dazu geführt hat, dass Kuka zahlungsunfähig wurde und kurz vor dem Konkurs stand.

»Dass wir dieses Jahr 125 Jahre Kuka feiern können, liegt also nicht zuletzt an unserer Resilienz in Krisenzeiten, sondern auch in unserer Wandlungsfähigkeit.«

Wie sieht denn die Roadmap für die nächsten zehn bis 15 Jahre aus?

Röhring: Kuka ist heute weltweit breit aufgestellt. Ein Drittel unseres Umsatzes erzielen wir in Amerika, ein Viertel in China, einen großen Teil in Europa. Unser Schwerpunkt verschiebt sich vom Produkthersteller zum Anbieter von Lösungen und Software. Und mit KI-gestützter Automatisierung stehen wir am Anfang einer neuen Ära, vergleichbar mit den Anfangszeiten des Internets. Automatisierung ist aus der globalen Industrie nicht mehr wegzudenken. Die Welt verändert sich, und neue Technologien wie Robotik, KI, Digitalisierung und Automatisierung unterstützen uns bei der Anpassung an diese sich verändernde Welt. Einen Großteil unserer Investitionen in Forschung& Entwicklung geben wir für Software aus.  Wir wollen das Berufsleben unserer Kunden vereinfachen und verschmelzen unsere verschiedenen Softwarewelten wie Engineering, Robot Operating System, Simulation und Cloud Tools in den nächsten Jahren.

Welche technologischen Trends sehen Sie, die für Kuka wichtig sind beziehungsweise werden?

Röhring: Intelligente Robotik kommt in Bereichen zum Einsatz, die vor einigen Jahren noch undenkbar gewesen wären – vom Rückbau nuklearer Anlagen über Kisten stapeln in Brauereien bis hin zu riesigen Hochregallagern. Sie kleben Battery-Packs für E-Autos oder handhaben hochempfindliche Wafer für Halbleiter-Chips – und sind dabei energieffizienter und ressourcenschonender als je zuvor.

»Ein Blick auf die wichtigsten Trends unserer Zeit zeigt, dass Robotik und Automatisierung immer mehr an Bedeutung gewinnen. Unsere Produkte und Lösungen helfen, den Auswirkungen einer überalternden Gesellschaft entgegenzuwirken.«

Robotik erobert aktuell neue Bereiche, zum Beispiel den modularen Hausbau, aber auch den Mittelstand, der die Vorteile von Automatisierung immer mehr für sich entdeckt. Deswegen wird es immer wichtiger, dass Robotik und Automatisierung einfacher zugänglich werden – gerade für die Branchen, die bisher noch nicht stark automatisiert sind. Hier ist es unser Ziel, die Eintrittsschwelle drastisch zu senken. Potenzial gibt es außerdem in der Lebensmittel- und Elektronikindustrie.  Zudem werden autonome, mobile Roboter eine immer wichtigere Rolle spielen – dicht gefolgt von Cobots und intelligenter Software. Dazu kommen digitale Lösungen wie z.B. der Digitale Zwilling für mehr Effizienz oder eine ressourcenschonendere Inbetriebnahme.

Was glauben Sie, was wird die größte Herausforderung der nächsten Jahre, geschäftlich und/oder technisch?

Röhring: Eine der größten Herausforderungen mit Blick auf die kommenden Jahre wird sicherlich die Frage sein, wie wir als weltweit agierendes Unternehmen auf uns zukommende Krisen meistern. Wir setzen auf Flexibilität, Resilienz und Offenheit. Nur, wenn wir flexibel sind und marktnah agieren, können wir Erfolge erzielen. Ein Blick auf die wichtigsten Trends unserer Zeit zeigt, dass Robotik und Automatisierung immer mehr an Bedeutung gewinnen. Unsere Produkte und Lösungen helfen, den Auswirkungen einer überalternden Gesellschaft entgegenzuwirken. Sie leisten einen Beitrag, den Fachkräftemangel abzumildern, Produktionen wieder zurückzuholen oder auch Prozesse zu automatisieren, um sie solider zu machen. Wir begleiten unsere Kunden dabei, Lösungen für diese Herausforderungen zu finden.

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