Bildverarbeitung

Jürgen Bretschneider | Inka Krischke,

CCD versus CMOS

CMOS-Sensoren lösen vielerorts CCD-Sensoren ab. Das heißt aber nicht, dass CCD-Sensoren ausgedient haben – beide Techno­logien haben spezifische Vor- und Nachteile. Welcher Sensor eignet sich für welche Einsatz-Szenarien?

© Allied Vision Technologies

Als die Firma Sony die Abkün­digung ihrer CCD-Sensoren für 2026 bekannt gab, sorgte diese In­formation für viele Fragen. Schließlich haben Anwender im Bereich der industriellen Bildverarbeitung über viele Jahre CCD-Sensoren zu schätzen gewusst – vor allem wegen ihrer hohen Bildqualität sowie der ­guten Global-Shutter-Funktionalität. Dass Sony als einer der führenden ­Sensorhersteller sich auf CMOS-­Sensortechnologie fokussiert, könnte darauf hinweisen, dass diese Techno­logie nunmehr so weit entwickelt ist, dass sich die Mehrzahl der Applikationen mit CMOS-Sensoren be­dienen lässt. Doch lassen sich CCD-Sensoren künftig generell und ohne Einschränkungen durch CMOS-Sen­soren ersetzen?

Silizium-Quantendetektoren

CCD- und CMOS-Sensoren gehören zu den Quantendetektoren. Beide Technologien basieren auf dem Halbleitermaterial Silizium und sind damit im gleichen Spektralbereich von circa 300 bis 1000 nm empfindlich. Sie unterscheiden sich vor allem in der Stelle, an der auf dem Halbleiterelement die Ladung in Spannung umgewandelt wird: Auf einem CCD-Sensor findet zunächst ein vertikaler und horizontaler Ladungstransport statt. Die serielle Ladungs-/Spannungs-Wandlung aller Pixel erfolgt außerhalb des Sensors in der Kamera-Elektronik. Alle Pixelladungen werden über einen Ausgang außerhalb des Sensors in eine analoge Spannung konvertiert.

Bei CMOS-Sensoren hingegen erfolgt die Ladungs-/Spannungs-Wandlung in jedem Pixel des Sensors. Entsprechend der aktivierten Zeile wird das Signal über die Ausleseschaltung verstärkt, rauschminimiert sowie digitalisiert und schließlich über eine konfigurierbare Anzahl von LVDS-Leitungen (Low Voltage Differential Signaling) parallel übertragen. Daraus resultieren gravierende Unterschiede bei Bildqualität, Auflösung und Bildwiederholrate.

Anzeige

Altes Eisen CCD-Sensoren?

Bei einem CCD-Sensor werden alle Pixelladungen über einen Ausgang in eine analoge Spannung konvertiert, verstärkt und digitalisiert. Dadurch ergibt sich eine hohe Homogenität der Pixel, ein sehr gleichförmiges Signal mit nied­rigem Ortsrauschen (Fixed Pattern ­Noise) sowie typischerweise niedrigem Dunkelstrom und damit eine hohe Bildqualität.

Zudem erreichen CCDs aufgrund des höheren Füllfaktors (Verhältnis der photoempfindlichen Fläche zur gesamten Pixelfläche) eine hohe Empfindlichkeit sowie gute Signalqualität bei niedrigen Lichtintensitäten.

Ein weiterer Vorteil liegt im perfekten Global Shutter, das heißt der gleichzeitigen Belichtung aller Pixel. Aus diesem Grund eignen sich CCDs sehr gut für Machine-Vision-Applikationen und dabei insbesondere für Anwendungen, die sehr kurze Belichtungszeiten erfordern.

Ein Nachteil der CCD-Sensoren liegt jedoch in der begrenzten Auslesegeschwindigkeit des seriellen Datenstroms. Moderne CCDs mit höheren Auflösungen werden deshalb häufig in Multi-Tap-Technologien (Unterteilung des Sensors in mehrere Bildbereiche) gefertigt, um die n-fache Auslesegeschwindigkeit gegenüber Single-Tap-Sensoren zu erzielen. Hier wird dann aber ein Signal-Abgleich der Taps notwendig, da schon sehr geringe Abweichungen zu sichtbaren Unterschieden an den Grenzen der Taps führen.

Prinzip des Interline-Transfer-CCD- sowie des CMOS-Sensors

© Allied Vision Technologies

Ein weiteres Manko der CCD-Sensoren ist, dass Ladungen größer der Full-Well-Kapazität der Pixelzelle in benachbarte Pixel gelangen. Dies wird in den typischen Blooming-Effekten sichtbar. Abhilfe schafft nur eine Reduzierung der einfallenden Lichtmenge. Zudem können während des Auslesens beim seriellen Ladungstransport im vertikalen Schieberegister einfallende Photonen zusätzliche Ladungsträger erzeugen – es entsteht das sogenannte Smearing. Verhindern lässt sich dieses Smearing durch die Verwendung eines mechanischen Shutters vor dem Sensor oder durch den Einsatz einer Blitzbeleuchtung.

Bei einem CMOS-Sensor erfolgt die Ladungs-/Spannungs-Wandlung an jedem Pixel und die Bildinformationen werden bereits auf dem CMOS-Sensor-Chip in digitale Informationen umgewandelt. Diese Funktionsweise erfordert eine erhöhte Komplexität des Designs. CMOS-Designs mit Global Shutter und CDS (Correlated double sampling zur Verringerung des Ortsrauschens) basieren auf Pixelzellen mit fünf bis acht Transistoren und reduzieren damit die lichtempfindliche Fläche pro Pixel. Jede Spalte beziehungsweise jedes Pixel besitzt einen von den anderen unabhängig arbeitenden Verstärker. Durch technologisch bedingte Abweichungen entstehen Ungleichheiten in der Uniformität zwischen den Pixeln der einzelnen Spalten, was wiederum zu erhöhtem Ortsrauschen führt.

Objekte in Bewegung

Für Applikationen mit bewegten Ob­jekten ist eine Global-Shutter-Funktion der Sensoren notwendig. Diese erfordert im CMOS-Sensor einen Speicherbereich am Pixel, der möglichst gut vom Licht abgeschirmt ist. In der Praxis ist dies vor allem bei älteren CMOS-Designs nicht gegeben – der Bereich ist mehr oder weniger lichtempfindlich und zeigt eine parasitäre Lichtempfindlichkeit während des Auslesens der Pixeldaten. Insbesondere bei kurzen Belichtungszeiten im Mikrosekundenbereich wird das als vertikaler Grauwertverlauf deutlich sichtbar.

Die Artefakte Blooming und Smearing bei Aufnahmen mit CCD-Sen­soren

© Allied Vision Technologies

Das parallele Auslesen der Bildinformationen aus einem CMOS-Sensor ­bietet aber den Vorteil höherer Bildwiederholraten bei vergleichbaren Auflösungen, je nach Anzahl der LVDS-Leitungen. Des Weiteren ist es möglich, durch direkte Adressierung einzelner Pixel über ein oder mehrere Bildbereiche (Region Of Interest) ein schnelleres und flexibles Auslesen zu erreichen. Da im CMOS-Sensor die Ladungen nicht vertikal und horizontal geschoben werden müssen, sondern direkt am Pixel in eine Spannung gewandelt werden, treten die Artefakte Blooming und Smearing nicht auf. CMOS-Sensoren können somit mit hohen Lichtintensitäten umgehen. Mittels High-Dynamic-Range-Mode innerhalb einer Bildaufnahme ist die Visualisierung kontrastreicher, extrem heller Objekte und auch dunklerer Bildbereiche möglich, so dass Aufnahmen mit hohem Dynamikumfang entstehen.

Aufnahmen mit CMOS-Sensor sind ohne diese Artefakte

© Allied Vision Technologies

Ein weiteres Plus der CMOS-Sensortechnologie liegt in der Integration der Ansteuerschaltung (Taktgenerierung, Verstärker, A/D-Wandler) auf dem Sensor-Chip. Der Aufbau einer Kamera ist damit kostengünstiger und hat eine geringere Leistungsaufnahme im Verhältnis zu CCDs.

Geht es also um IBV-Anwendungen, bei denen hohe Bildwiederholraten in Verbindung mit hoher Auflösung gefordert sind, sind CMOS-Sensoren erste Wahl. Beispielhaft sei eine Applikation der Lasertriangulation für 3D-Messungen genannt, bei der eine Kamera mit einem Highspeed-CMOS-Sensor mit einer Auflösung von 2320 x 128 Pixel 5200 Profile pro Sekunde scannt. Für diese Art der Anwendung ist neben einer hohen Bildwiederholrate entscheidend, dass CMOS-Sensoren gut mit hohen Lichtintensitäten umgehen können, gerade bei Materialien mit reflektierenden Oberflächen.

Herausforderung Licht

Die Einzelbildaufnahme von Bildszenen mit extremen Lichtgegensätzen erfordern Sensoren mit spezieller Belichtungssteuerung. Beim CMOS-Sensor CMV300 wird der Sättigungsgrad der Pixel ...

© Allied Vision Technologies

Zudem verzeichnete die CMOS-Technologie in den letzten Jahren deutliche Fortschritte in der Bild­qualität. Moderne CMOS-Sensoren mit Global Shutter stehen in unterschiedlichen Auflösungen und mit hohen Bild­wiederholraten zur Verfügung, zum Beispiel Sensoren mit mehr als 500 fps bei VGA-Auflösung. Durch eine Reduzierung des Dunkel- und Ortsrauschens sowie eine Erhöhung der ­Quanteneffizienz liefern die Sensoren gute Bildqualität auch bei niedrigen Lichtintensitäten.

Deutlich reduziert wurde außerdem die parasitäre Lichtempfindlichkeit des Speichers während des Auslesens – mit dem Ergebnis einer ver­besserten Global-Shutter-Effizienz mit Werten im Bereich von 10.000:1 oder ­besser. Somit eignen sich mo­derne CMOS-­Sensoren auch für Applika­tionen mit bewegten Objekten. Bei ­einer angenommenen Aus­lesezeit von 10 ms (bei 100 fps) würde die para­sitäre Lichtempfindlichkeit beispielsweise gerade mal 1 µs ­betragen, was für die meisten An­wendungsfälle mit bewegten Objekten unkritisch ist.

... im HDR-Mode (High Dynamic Range Image) gezielt über 'Kniepunkte' gesteuert.

© Allied Vision Technologies

Beispielhaft ist Sonys CMOS Pixel Architektur Pregius. Ein vom Licht abgeschirmter Analogspeicher sorgt hier für einen perfekten Global Shutter. Eine zweifache CDS-Stufe sowie ­weitere technologische Optimierungen des Pixel-Designs minimieren das Ausleserauschen auf einstellige Werte. Möglich werden damit Aufnahmen mit kürzeren Belichtungszeiten und folglich geringeren Bewegungsunschärfen schnell bewegter Objekte.

Damit eignen sich moderne CMOS-Sensoren sowohl für industrielle Bildverarbeitungsanwendungen als auch für Outdoor-Applikationen mit hohen Lichtgegensätzen wie beispielsweise im Bereich Sicherheit und intelligente Transportsysteme.

Refugien für CCD-Sensoren

Lasertriangulation für 3D-Messungen von Profilsträngen: Diese Applikation erfordert neben der hohen Bildwiederholrate von 5200 Bilder/s Toleranz gegenüber hohen Lichtinten­sitäten.

© Allied Vision Technologies

Aufgrund der sehr homogenen Bild­qualität mit niedrigem Ortsrauschen ­haben CCD-Sensoren Vorteile für me­dizinische und wissenschaftliche Applikationen, insbesondere für Fluoreszenz-Mikroskopie und hochauflösende Mikroskopie. Auch für Anwendungs­bereiche wie etwa die Luftbildkartographie, die eine sehr hohe Auflösung erfordern, eignen sich CCD-Sensoren. Aufgrund des minimalen Dunkelstroms bieten die Sensoren zudem Vorteile für Applikationen mit langen Belichtungszeiten, zum Beispiel für Anwendungen in der Astronomie.

Hersteller wie etwa OnSemi, Sharp oder e2v entwickeln die CCD-Tech­nologie auch künftig weiter und bieten für anspruchsvolle Applikationen im wissenschaftlichen Bereich spezielle CCD-Sensoren mit höherer Auflösung (zum Beispiel 50 MP) und höherer Empfindlichkeit insbesondere für Messtechnik-Applikationen, bei denen eine hohe Bildhomogenität bei hoher Auf­lösung gefragt ist.

Spezielle CCD-Sensoren wie EM­CCDs (Electron Multiplication CCD) mit sehr hohem Dynamikbereich sind für Bildaufnahmen bei Tages- und Nachtlicht, für Anwendungen mit extrem wenig Licht oder Anwendungsbereichen wie Molekül- und Zelluntersuchungen optimiert. Verbesserungen des CCD-Designs betreffen optimierte Mikrolinsen-Anordnungen, spezielle Epitaxie-Dotierung und die Erhöhung der Substrat-Stärke zur verbesserten Empfindlichkeit für den sichtbaren und den NIR-Bereich.

Autor:
Jürgen Bretschneider ist Leiter Content Management bei Allied Vision Technologies in Stadtroda.

  • Xing Icon
  • LinkedIn Icon
Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige

VDI

Fachkonferenz „Machine Vision“ in Baden-Baden

Die VDI-Fachkonferenz „Machine Vision – Von der Inspektion zur smarten Revolution“ am 17./18. Juni 2026 in Baden-Baden vermittelt einen umfassenden praxisbezogenen Einblick in aktuelle Anwendungen des maschinellen Sehens. Einen Schwerpunkt bildet...

mehr...
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Jetzt Newsletter abonnieren