Maschinenbau-Studie

Davina Spohn,

Strategien des chinesischen Wettbewerbs unter der Lupe

Chinas Maschinenbauer sind im wachsenden mittleren Marktsegment und im Bereich Service stärker als der deutsche Maschinenbau – und das mittelfristig nicht nur in China. Zu diesem Ergebnis kommt die jetzt vorgelegte China-Studie der Impuls-Stiftung des VDMA. Computer&AUTOMATION stellt sie zum Download bereit.

Deutsche Maschinenbauer müssen sich - trotz Technologievorsprung gegenüber dem chinesisichen Maschinenbau - insbesondere im Bereich mittleres Technologiesegment sputen.

© Schuler

Im 12. Fünfjahresplan hat China die Entwicklung von High-end Produktionsausrüstungen als Ziel formuliert - "diese Entwicklungen müssen wir sehr ernst nehmen und auch sehen, welche Konsequenzen sich daraus für den deutschen Maschinenbau ergeben", betont VDMA-Präsident Dr. Reinhold Festge anlässlich der Vorstellung der neuen Studie mit dem Titel 'Implications of Chinese Competitor Strategies for German Machinery Manufacturers'. Im Auftrag der verbandseigenen Impuls-Stiftung analysierte die Münchner Unternehmensberatung EAC-Euro Asia Consulting die Strategien des chinesischen Wettbewerbs in verschiedenen Sparten des Maschinenbaus entlang der Wertschöpfungskette. Die abgedeckten Bereiche sind Werkzeugmaschinen, Textilmaschinen, Thermoprozesstechnik, Kompressoren, Druckluft- und Vakuumtechnik, Pumpen, Holzbearbeitungsmaschinen, Gießereimaschinen sowie Hütten- und Walzwerkeinrichtungen. Insgesamt führten die Unternehmensberater 319 Interviews in den 122 wichtigsten chinesischen Maschinenbau-Unternehmen durch.

Laut Impuls-Studie planen über die Hälfte der chinesischen Wettbewerber einen gezielten Ausbau ihrer Exportaktivitäten in den kommenden fünf Jahren (siehe Ergebnisse): zunächst nach Südostasien, dann nach Europa und Amerika.

Anzeige

Mehr Mut zur 'Good enough'-Strategie

Als größtes Potenzial für den deutschen Maschinenbau in China kristallisiert die Studie das mittlere Technologiesegment heraus. "Auf dieses Segment müssen die deutschen Unternehmen ihr Angebot verstärkt ausrichten und ihre Produkte noch besser an die Kundenbedürfnisse anpassen. Das kann auch einmal Mut zu Good enough bedeuten", betont der VDMA-Präsident. Denn mit Hilfe dieser 'Good enough'-Strategie konnten sich chinesische Hersteller erfolgreich im mittleren Marktsegment positionieren und hier auch gegenüber technologisch hochwertigeren Maschinen und Anlagen ausländischer Hersteller behaupten.

Die Technologielücke im oberen Marktsegment ist für den Großteil der chinesischen Marktteilnehmer jedoch nach wie vor zu signifikant, um in naher Zukunft erfolgreich eine valide Marktposition zu erreichen, so das Studienergebnis. "Die deutschen Unternehmen dürfen sich nicht an die Spitze der Technologiepyramide abdrängen lassen", warnt der VDMA-Präsident. "Dort ist der Markt zu klein. Der chinesischen Bottom-up-Strategie müssen wir eine Top-down-Strategie entgegensetzen." Das gelte auch vor dem Hintergrund einer verstärkten Preissensitivität im chinesischen Markt. "Wenn wir das mittlere Technologiesegment nicht ausreichend bedienen, verlieren wir sukzessive Marktanteile und überlassen den Markt ganz den chinesischen Wettbewerbern", bilanziert Festge.

Lokale Serviceleistungen müssen verbessert werden

Auch im Service überlassen die deutschen Maschinenbauer noch zu viel Potenzial dem lokalen Wettbewerb, so die Studie. "Wir sind nicht schnell genug mit bedarfsgerechten Lösungen zu wettbewerbsfähigen Preisen beim Kunden", erklärte VDMA-Präsident Festge. Die deutschen Maschinenbauer müssten überlegen, wie sie lokale Serviceleistungen - etwa zusammen mit anderen deutschen Maschinenbau-Unternehmen - in Zukunft schneller bereitstellen könnten.

Umsatzzuwachs am Standort China + 7 %

China ist mit einem Volumen von rund 17 Milliarden Euro (2012) nicht nur der größte Exportmarkt des deutschen Maschinenbaus, sondern mit einem Umsatzvolumen von 678 Milliarden Euro (2012) auch der mit Abstand größte Maschinenproduzent der Welt, so der VDMA. Zum Vergleich: Das Umsatzvolumen des deutschen Maschinenbaus lag bei 248 Milliarden Euro (2012). Die VDMA-Volkswirte gehen für 2014 von einem Umsatzzuwachs am Standort China von sieben Prozent aus.

Auch bei den Exporten hat China stark aufgeholt und ist mit einem Anteil von 11,1 Prozent an den weltweiten Maschinenausfuhren inzwischen auf den dritten Platz vorgerückt, nur noch knapp hinter den USA. Deutschland war mit einem Anteil von 15,9 Prozent an den weltweiten Maschinenexporten allerdings auch 2012 die Nummer eins.

  • Xing Icon
  • LinkedIn Icon
Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige

SAS-Umfrage

Unternehmen zögern bei Quanten-KI

Laut einer globalen SAS-Umfrage unter 500 Führungskräften bleibt der produktive Einsatz von Quantentechnologie für viele Unternehmen derzeit unklar. Gleichzeitig erwarten Experten eine breitere Verfügbarkeit von Quanten-Hardware Anfang der...

mehr...
Jetzt Newsletter abonnieren