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Artikel und Hintergründe zum Thema

Staufen-Studie zu Industrie 4.0

Günter Herkommer,

Schlechtes Zeugnis für Chefs, Mitarbeiter und die Politik

Die Unternehmensberatung Staufen hat im August und September 140 Unternehmen mehrheitlich aus dem Maschinen- und Anlagenbau, der Elektro- sowie der Automobilindustrie zum Thema Industrie 4.0 befragt. Zwei Erkenntnisse daraus: Sowohl die Chefs als auch die Mitarbeiter sind nicht gut vorbereitet und acht von zehn Unternehmen sehen sich beim Zukunftsthema Industrie 4.0 von der Politik allein gelassen.

© Deutsche Messe

"Der von uns ermittelte 'Deutsche Industrie 4.0 Index' bestätigt unsere Praxiserfahrungen in den Unternehmen, dass trotz der allgemeinen Bekenntnisse der Politik zu Industrie 4.0 an der wirtschaftlichen Basis noch viel zu wenig Unterstützung ankommt", sagt Dr. Ulrich Frenzel, Business Unit Leiter der Unternehmensberatung Staufen. "Ein typisches Beispiel sind die immer noch fehlenden Standards für Datenübertragungen in der Industrie, für die das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zuständig ist." Verbände wie der VDMA warnen bereits, dass Deutschland durch solche Verzögerungen sein Industrie-4.0-Potenzial künftig nur unvollständig wird abrufen können.

Doch nicht nur die Politik, sondern auch die heimischen Unternehmen selbst müssen noch einige Hausaufgaben machen, um die von ihnen selbst reklamierte Pole-Position für Deutschland in Sachen Industrie 4.0 auch halten zu können. Unter anderem müssen der Studie zufolge die heutigen starren Unternehmensstrukturen vor allem in der Kommunikation und in der Bereitschaft zur Veränderungen radikal umgebaut werden. Das beginne bei den Führungskräften, die sich vielfach immer noch gern in ihre Komfortzonen zurückziehen statt direkt am Ort der Wertschöpfung zu sein, wie es einige Unternehmen mit Shopfloor-Management-Konzepten längst sehr erfolgreich vorleben. Zudem fehle das Training der Situations- und Prozessanalyse.

36 Prozent sehen beispielsweise, dass ihre Führungskräfte noch sehr weit davon entfernt sind, Industrie-4.0-Know-how und Managementwissen auf gleich hohem Niveau zu beherrschen. Vier von zehn Unternehmen attestieren ihren Führungskräften darüber hinaus, bezüglich der internen Kommunikation maximal über Grundkenntnisse zu verfügen.

Auch die Mitarbeiter in deutschen Industrieunternehmen seien im Schnitt nicht gut auf die Einführung von Industrie 4.0 vorbereitet. Mit einer Schulnote von 3,7 sehen die Unternehmer und Führungskräfte ihre Arbeitskräfte in der Produktion noch am besten aufgestellt. 45 Prozent von ihnen wissen gut oder befriedigend, was künftig von ihnen verlangt wird. In Forschung und Entwicklung sind dagegen nur 14 Prozent der Beschäftigten in der Lage, die künftigen Anforderungen sehr gut oder gut erfüllen zu können. Gleiches gelte für die Mitarbeiter in Logistik und Lagerhaltung. Am wenigsten Ahnung von dem, was durch die vierte industrielle Revolution auf sie zukommen wird, hätten bisher die Mitarbeiter in Verwaltung und Vertrieb. Bei ihnen sehen 41 Prozent (Verwaltung) beziehungsweise 38 Prozent (Vertrieb) der Befragten die Vorbereitung als mangelhaft oder ungenügend an.

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