Maschinen- und Anlagenbau

Schäden durch Plagiate in Milliardenhöhe

Die Schadenssumme für die deutsche Wirtschaft durch Fälschungen steigt weiter an. Das berichtet der VDMA anhand einer Studie. Land mit den meisten Plagiaten ist weiterhin China.

© docstockmedia | shutterstock.com

Mit Produkt- und Markenpiraterie entsteht im Maschinenbau ein Milliarden-schaden, der in den beiden vergangenen Jahren weiter anstieg. Laut der aktuellen Studie »Produktpiraterie 2020« ist der jährliche Schaden inzwischen auf 7,6 Mrd. Euro gewachsen – 2018 waren es noch 7,3 Mrd. Euro. Ein Umsatz in der Höhe würde im Maschinen- und Anlagenbau umgerechnet knapp 35.000 Arbeitsplätze bedeuten.

Doch ab wann beginnt eigentlich Produktpiraterie, wie ist sie definiert? In der Studie bezieht sich der VDMA (Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau) allein auf den unzulässigen Nachbau. Unter dem unzulässigen Nachbau (gleichbedeutend Produktpiraterie beziehungsweise Plagiat) werden folgende Punkte bezeichnet:

  • Nachbau unter Verletzung von Sonderschutzrechten (Marken, Patente) oder
  • ohne Verletzung von Sonderschutzrechten, jedoch in wettbewerbswidriger Weise erfolgter Nachbau
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Die Anzahl der von Produkt- und Markenpiraterie betroffenen Unternehmen steigt weiter an.

© VDMA

Trauriger Rekord für China

Alle zwei Jahre befragt der VDMA seine Mitgliedsfirmen zu den Bedrohungen und Auswirkungen von Fälschungen. In der aktuellen Studie, die vom Fraunhofer-Institut für Angewandte und Integrierte Sicherheit AISEC im Auftrag des VDMA erstellt wurde, gaben 74 Prozent der befragten Unternehmen an, von Produktpiraterie betroffen zu sein. In Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern lag der Anteil sogar bei 90 Prozent – beides sind neue Höchstwerte.

Ganze 57 Prozent der befragten Unternehmen berichten von Fälschungen, die eine Gefahr für die Anlage darstellen. Das zeigt, dass es sich bei Plagiaten nicht allein um Kavaliersdelikte handelt, denn der Betrieb von Maschinen oder Anlagen mit gefälschten Komponenten bedeutet eine Gefahr für den Bediener, erklärt Steffen Zimmermann vom VDMA.

»Eine Trendwende ist ebenfalls in der gefühlten Bedrohung durch Fälscher zu erkennen. War der Wert zuletzt auf 39 Prozent gesunken, so sprachen nun-mehr 52 Prozent der Befragten von einer Zunahme des wahrgenommenen Bedrohungsniveaus«, so Zimmermann. Besonders stark blüht der Handel mit gefälschten Maschinen und Komponenten in China, die Volksrepublik wird als wichtigstes Vertriebsland für Plagiate genannt (61 Prozent), gefolgt von Deutschland mit 19 Prozent. Auf dem dritten Platz rangiert erstmals Russland mit 12 Prozent.

China und Deutschland vertreiben die meisten Plagiate, Russland ist erstmals auf Platz 3.

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Wettbewerber sind meist Auftraggeber

Als Auftraggeber für Plagiate nennen die meisten befragten Unternehmen die Wettbewerber (72 Prozent), genauso sehen sie Geschäftspartner, Kunden, Zulieferer oder Joint-Venture-Partner als Ausgangspunkt von Fälschungen (41 Prozent). Am Häufigsten werden dabei einzelne Teile gefälscht (64 Prozent), gefolgt von Designplagiaten (60 Prozent). Ebenso bringen die Plagiatoren komplette Maschinen als Fälschungen auf den Markt (40 Prozent).

Wenig Hoffnung haben die Unternehmen, den entstandenen Schaden mit Hilfe von Klage vor Gericht erstattet zu bekommen. Lediglich 26 Prozent der befragten Firmen leiten überhaupt ein zivilgerichtliches Verfahren ein – 2018 waren es noch 39 Prozent. Rund die Hälfte der Befragten verzichtet komplett auf Maßnahmen. »Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen scheinen zunehmend zu resignieren oder den Aufwand für die Rechtsverfolgung zu scheuen«, sagt VDMA-Experte Zimmermann.

Die vollständige Studie »Produktpiraterie 2020« finden Sie auf der Homepage des VDMA.

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