Siemens PLM

Stefan Kuppinger,

Digitale Fabrik ausgebaut

Durch die Übernahme der amerikanischen Firma Vistagy erweitert Siemens sein Industriesoftware-Portfolio um Software für das Design und die Fertigung moderner Verbundwerkstoffe, wie sie zum Beispiel bei den Rotorblättern von Windkraftanlagen zum Einsatz kommen. Ziel ist, Entwicklung und Fertigung solcher Karbon-Bauteile zu beschleunigen, so dass die Technologie auch im Automobil- und Schiffsbau verstärkt zum Einsatz kommen kann.

Mit dieser Akquisition baut die Division Industry Automation ihre Position bei Software weiter aus. Während der letzten Jahre wurden bereits das US-amerikanische Unternehmen UGS (2007), Innotec in Deutschland (2008), Elan Software Systems in Frankreich (2009) und Active SA in Brasilien (2011) übernommen. Die Unternehmen decken Bereiche wie Konstruktion, PLM und Digitale Fabrik ab. Mit der Akquisition von Vistagy kann Siemens den gesamten Wertschöpfungsprozess für Karbonfaserteile von der Produktdefinition über die Entwicklung bis hin zur Fertigung durchgängig mit seinen Softwaretools unterstützen.

Siemens plant nach der behördlichen Genehmigung, den Software-Anbieter in die Business Unit Siemens PLM-Software zu integrieren. Durch das offene Geschäftsmodell von Siemens-PLM, das Kundenanforderungen unabhängig von deren installierten CAD-Plattformen umsetzt, ist die weitere Betreuung aller Vistagy-Kunden sichergestellt. Weltweit setzen rund 300 Kunden die Software-Lösungen des Unternehmens ein. Die Anwendungsfelder erstrecken sich von der Entwicklung, dem Design und der Fertigung komplexer Verbundwerkstoff-Komponenten und großen Flugzeug-Bauteilen bis hin zum Design und zur Fertigung von Sitz-Systemen und Ausstattungskomponenten.

Anbieter und Verarbeiter von Verbundwerkstoffen, wie Karbonfaser-Teilen, stehen vor der Aufgabe, die Kosten zu senken und die Zeit bis zur Markteinführung ihrer Produkte zu verkürzen. Nur so lassen sich die Vorteile von Verbundwerkstoffen gegenüber anderen Materialien nutzen. Wegen ihrer einzigartigen Kombination aus geringem Gewicht, hoher Festigkeit und Haltbarkeit finden Komponenten aus Verbundwerkstoffen bereits in großem Umfang in der Luftfahrt oder in Windkraftanlagen Einsatz. In vielen anderen Bereichen – vor allem im Automobil- und Schiffbau – könnten Verbundwerkstoffe verstärkt Einzug halten, wenn die Komplexität und der Zeitaufwand für Entwicklung und Produktion der Bauteile sinken. Dieses Ziel verfolgt Siemens mit der Integration der industriespezifischen Engineering-Software in sein Industrie-Portfolio für Product Lifecycle Management (PLM).

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