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Artikel und Hintergründe zum Thema

"Drei Fragen an..." - die Mai-Edition

Tiffany Dinges,

Corona: Die Veränderung als Chance

Menschen reagieren unterschiedlich angesichts des Coronavirus und dessen Konsequenzen. Wie ist es nun im beruflichen Alltag? Im neuen Teil unserer Serie "Drei Fragen an..." widmen wir uns diesem Thema und haben Köpfe der Automatisierung um ihre Meinung gebeten.

© WEKA Fachmedien

»Krise ist ein produktiver Zustand. Man muss ihm nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen«, hat Max Frisch einst gesagt.

Treffender könnte die Beschreibung der neuen Ausgabe unserer Serie “Drei Fragen an...” nicht sein, so widmen wir uns in diesem Monat der Frage, wie Menschen in den unterschiedlichsten Unternehmen der Automatisierungs-branche mit der Corona-Pandemie und ihren Folgen umgehen. Was bedeutet es für ihren Arbeitsmodus, die täglichen Routinen und nicht zuletzt die Kommunikation mit Kollegen oder Kunden und wo haben sich in der Zwischenzeit sogar Chancen aufgetan?

Zu diesen Fragen haben wir folgende Köpfe der Automatisierung als Gäste der neuen Serie befragt:

Oliver K. Stöckl, Geschäftsführer Endress+Hauser Messtechnik

Helmut Schmid, Geschäftsführer Universal Robots (Germany) & Regional Sales Director West- und Nordeuropa

Frank Behrens, PR & Advertising Manager Central Europe bei RS Components

Dieter Schink, Geschäftsführer der Elektro-Bauelemente May KG

André Hartmann, Vertriebsleiter Deutschland bei Bihl+Wiedemann

Rudolf Müller, Geschäftsleitung Janitza electronics

Carsten Stumpf, Vice President Kawasaki Robotics Deutschland

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Endress+Hauser: »Der Spirit von Endress+Hauser funktioniert auch im Home Office«

Oliver K. Stöckl, Geschäftsführer der Endress+Hauser Messtechnik

© Endress+Hauser

Die Pharma- und Lebensmittelindustrie gehören unter anderem als fester Bestandteil zu den Zielmärkten von Endress+Hauser. Vor dem Hintergrund der weltweiten Ausnahmesituation trägt Oliver K. Stöckl als Geschäftsführer der deutschen Vertriebsgesellschaft von Endress+Hauser nicht nur die Verant-wortung, das Unternehmen mit all seinen Mitarbeitern auf die neuen Gegebenheiten einzustellen, sondern zudem Kunden – darunter auch viele aus systemrelevanten Bereichen – weiterhin in Echtzeit zu betreuen, und den hohen Qualitätsanspruch aufrechtzuerhalten. Welche Maßnahmen dazu ergriffen wurden und welche Rolle die Digitalisierung dabei spielt, berichtet uns Oliver K. Stöckl im Kurzinterview.

Wie hat sich die Arbeit in Ihrem Unternehmen und vor allem für Sie persönlich in den letzten Wochen verändert?  

Stöckl: In der Spitze arbeiten bis zu 10.000 Mitarbeitende von Endress+Hauser weltweit im Home Office, das gilt auch für einen Großteil der Mitarbeitenden der deutschen Vertriebsgesellschaft. Unsere Belegschaft hat sich schnell auf die Situation eingestellt, das hat uns in jedem Fall geholfen, zügig zu einem neuen Modus Operandi zu finden. Ich bin sehr froh darüber, dass die Um-stellung so gut funktioniert hat, wie schnell sich die Menschen darauf ein-stellen konnten – auch, wie gut unsere IT darauf vorbereitet war.
Vor einiger Zeit haben wir den „Digital Work Place“ eingeführt und verfügen somit über zahlreiche digitale Möglichkeiten und Tools, Daten auszutauschen, zusammenzuarbeiten und miteinander zu kommunizieren, sowohl intern als auch extern mit unseren Kunden.

Für unsere Arbeit ist der direkte Kontakt zu unseren Kunden sehr wichtig. Deshalb steht für mich zunächst die Frage auf der Agenda, was wir tun können, um unsere Kunden auch in diesem Ausnahmezustand bestmöglich zu unterstützen. Denn viele unserer Kunden, zum Beispiel Lebensmittel-produzenten, Pharma-Firmen oder Kunden aus den Bereichen Wasser und Abwasser, zählen zur systemrelevanten Infrastruktur und ihre Anlagen sind voll ausgelastet.

»Wenn unsere Kunden unsere Servicetechniker in ihrer Anlage brauchen, dann ist es möglich, dass wir physisch anwesend sind«

Diese Kunden und alle anderen müssen wir mit ihren Herausforderungen nach Kräften unterstützen! Das Maßnahmenbündel sieht nun so aus, dass wir unter maximalem Kunden- und Mitarbeiterschutz nur noch in begründeten Ausnahmefällen vor Ort aktiv werden und ansonsten maximalen Support per Mail, Telefon oder sogar cyperpräsent per App mit Videoübertragung geben. Für den technischen Support bieten wir die visuelle App derzeit zur Unter-stützung unserer Kunden kostenlos an. Wenn unsere Kunden unsere Servicetechniker in ihrer Anlage brauchen, dann ist es möglich, dass wir physisch anwesend sind. Wo auf die physische Anwesenheit verzichtet werden kann, helfen wir per Videoübertragung oder telefonisch.

Unser Außendienst wie auch unser Innendienst ist ganz normal erreichbar. Nur anstatt täglich bei Kunden vor Ort zu sein, halten unsere Mitarbeitenden nun engen Kontakt über Video-Calls oder Telefonate und wir merken, wie wichtig das für unsere Kunden ist. Besonders stolz hat mich gemacht, dass viele Kunden dachten, wir würden im Büro arbeiten, als wir schon seit zwei Wochen im Home Office waren. Ihnen war in keiner Weise aufgefallen, dass sich an der Arbeitsweise und an der Betreuung etwas geändert hat!

Auch ich bin nun seit 8 Wochen im Home Office tätig. Hier fehlt mir, trotz einwandfrei funktionierender Videokonferenzen, der ganz persönliche Austausch mit meinen Kollegen – von Mensch zu Mensch. Andererseits genieße ich es, sehr viel stärker am Familienleben teilzuhaben, als ich dies während „normaler“ Bürotage könnte.

Wie lässt sich dieser Ausnahmezustand meistern, vielleicht sogar positiv nutzen, und wie gehen Sie persönlich mit der aktuellen Situation um?

Stöckl: Die Coronavirus-Krise bringt weltweit Leid über Menschen, bringt Arbeitsplätze und Existenzen in Gefahr. In Summe ist das sehr negativ und die Krise wird große, nachhaltige Auswirkungen auf die Gesellschaft haben. Aus übergeordneter Perspektive sehen wir, dass die Digitalisierung der Gesellschaft einen großen Schritt macht und digitale Tools an allen Stellen genutzt werden. Das wird sicherlich unsere Arbeitswelt und das private Leben nachhaltig verändern.

Es wird jetzt sicher zu prüfen sein, wie sich die Krise weiter auf unsere Kunden und auf unser Geschäft auswirkt. Während einige Firmen in Kurzarbeit gegangen sind, arbeiten andere voll weiter, teils jedoch unter strengen Vorsichtsmaßnahmen. Auch Endress+Hauser zählt zur zweiten Gruppe.
Ich bin einerseits froh, dass wir viel zu tun haben, andererseits fühle ich mich persönlich auch verantwortlich für die Gesundheit der Belegschaft, weshalb wir den Schutz der Mitarbeitenden und unserer Kunden großschreiben. Hierzu haben wir schnell und entschieden gehandelt und wie bereits erwähnt alle Funktionen mit Büroarbeitsplätzen ins Home Office verlagert. Wir stellen Atemschutzmasken zur Verfügung und für alle in den Büros Verbliebenen haben wir strenge Hygieneschutzmaßnahmen durchgeführt.

Wenn man der Krise etwas Positives abgewinnen will, dann ist es der gesamtgesellschaftliche Zusammenhalt, der spürbar wird. Einen starken Zusammenhalt bemerken wir auch bei Endress+Hauser – unsere Mitarbeitenden nutzen auch intern ihre digitalen Tools, um in Kontakt zu bleiben. Der Spirit von Endress+Hauser funktioniert auch im Home Office!  

»Wenn unsere Kunden am Ende das Gefühl haben, auch in diesen Zeiten gut von uns unterstützt worden zu sein, haben wir sicherlich vieles richtig gemacht«

Wichtig für unsere Kunden: Unser Ansprechpartner aus Vertrieb und Service stehen voll aus dem Home Office zur Verfügung. Außerdem sind wir liefer-fähig, unser globales Produktionsnetzwerk arbeitet.

Wenn unsere Kunden am Ende das Gefühl haben, auch in diesen Zeiten gut von uns unterstützt worden zu sein, haben wir sicherlich vieles richtig gemacht. Eines ist klar: Die Digitalisierung und auch unsere digitalen Dienstleistungen bekommen gerade einen großen Schub. Egal in welcher Form – digital und per App oder am Telefon – es ist jetzt jedenfalls sehr wichtig, zusammenzu-arbeiten und sich gegenseitig zu unterstützen. Um die Herausforderungen zu meistern, müssen wir flexibel und agil handeln.

Auch ich persönlich bleibe mit den Mitarbeitenden eng digital in Kontakt, mir geht es nicht anders als den anderen. Das ist eine neue Situation und ich nutze alle mir zur Verfügung stehenden Kommunikationskanäle für Einzelgespräche und für die Koordination mit dem Führungsstab.

Wo sehen Sie auf Ihre Arbeit/Ihren Arbeitsplatz bezogen die größten Herausforderungen für die kommenden Monate?

Stöckl: Wir erwarten nicht, dass bis zum Ende des Jahres wieder alles normal sein wird. Deshalb beobachten wir ganz genau, wie sich die Situation für unsere Kunden verändert – im Zweifel können Veränderungen sehr schnell geschehen und sich Bedürfnisse verändern. Dann müssen wir entscheiden, wie wir weiterhin für unsere Kunden den bestmöglichen Service leisten, egal ob sie Beschränkungen in ihren Betrieben haben oder nicht.

Für Endress+Hauser müssen wir entscheiden, wie wir das intern abbilden, wie wir dabei unsere Mitarbeitenden schützen und zusätzlich auf ihre individuellen Belange, wie zum Beispiel die Kinderbetreuung, eingehen.

Schritt für Schritt planen wir die Rückkehr zur Normalität und treffen Entscheidungen, wann dies geboten ist. Hierfür spielen wir verschiedene Szenarien durch und wenn eine Situation eintrifft, sind wir handlungsfähig.

Universal Robots: »Kreative Lösungen für neue Problemstellungen«

Helmut Schmid, Geschäftsführer Universal Robots (Germany) & Regional Sales Director West- und Nordeuropa.

© Universal Robots

Als General Manager und Geschäfts-führer von Universal Robots konnte Helmut Schmid den Erfolg in den stark wachsenden Märkten in Westeuropa ausbauen. Um an diesen Erfolg anzuknüpfen, waren in diesem Jahr zur Unterstützung der Marktpräsenz unterschiedliche Messeauftritte geplant.
Wie Helmut Schmid nun die gesetzten Ziele verfolgt und welche Änderungen sich dadurch in der Mitarbeiter- aber auch Kundenansprache ergeben, konnten wir ihm im Kurzinterview entlocken.

Wie hat sich die Arbeit in Ihrem Unternehmen und vor allem für Sie persönlich in den letzten Wochen verändert? 

Schmid: Auch unsere Mitarbeiter arbeiten aktuell größtenteils von zuhause aus. Dadurch stellen wir sicher, unsere Kunden und Partner weiterhin kompetent beraten und unterstützen zu können. Zudem kann so auch unsere Produktion in Odense weiterlaufen. Unsere Abstimmungen haben sich derweil größtenteils ins Virtuelle verlagert, was sehr gut funktioniert. Insgesamt haben uns die letzten Wochen in eine Lage versetzt, häufiger als sonst kreative Lösungen für neue Problemstellungen finden zu müssen – und auch das hat wunderbar geklappt.

Wie lässt sich dieser Ausnahmezustand meistern, vielleicht sogar positiv nutzen, und wie gehen Sie persönlich mit der aktuellen Situation um?

Schmid: Der Ausnahmezustand erfordert, auch mal spontan einen neuen Weg einzuschlagen. Mit unserer virtuellen Cobot Exference ist uns das gelungen: Am Tag, als die Hannover Messe verschoben wurde, haben wir uns zusammengesetzt und überlegt, was wir tun können. Messen sind für uns wichtig, der direkte Austausch mit Kunden und Partnern bedeutet uns viel. Daher haben wir kurzerhand entschieden, eine virtuelle Messe ins Leben zu rufen. Innerhalb weniger Wochen hatten wir diese auf die Beine gestellt. An 17 Messeständen konnten sich die Besucher per Chat mit UR-Experten und UR+-Partnern austauschen, ein Vortragsprogramm bot umfangreichen Input rund um MRK-Themen. Damit haben wir eine Teilnehmerzahl im vierstelligen Bereich erreicht, von denen sich viele erstmals mit der Thematik auseinandergesetzt haben. Die positive Resonanz zeigt, dass wir damit einen Nerv getroffen haben. Das ist auf jeden Fall ein positiver Aspekt, den wir der Krise abgewinnen konnten.

Wo sehen Sie auf Ihre Arbeit/Ihren Arbeitsplatz bezogen die größten Herausforderungen für die kommenden Monate?

Schmid: Cobots zeichnet aus, dass sie im Gegensatz zu herkömmlichen Industrierobotern direkt mit dem Menschen zusammenarbeiten können. Dem haptischen Moment fällt daher besonderes Gewicht zu: Anwender müssen die Roboter ausprobieren, um zu wissen, wie es sich anfühlt, damit zu arbeiten. Um interessierten Unternehmen trotz der aktuellen Schutzmaßnahmen zu ermöglichen, den Cobot im eigenen Betrieb in Augenschein zu nehmen, haben wir uns eine besondere Lösung überlegt: Wir schicken ein Modell zu den interessierten Firmen, und unsere Experten sind dann remote zugeschaltet, um verschiedene Anwendungsszenarien durchzuspielen und einen Eindruck von der Applikation zu geben.

RS Components: »Der Schlüssel zur Lösung liegt in der Kreativität«

Frank Behrens, PR & Advertising Manager Central Europe bei RS Components.

© RS Components

Als PR- und Marketing-Manager für RS Components kommuniziert Frank Behrens täglich mit Personen der unterschiedlichsten Bereiche: intern mit Kollegen, Journalisten, Medienvertretern und Kunden. Sprache und der gelebte Dialog sind sein Metier. Daher wollten wir von ihm wissen, wie es nun ist, wenn sich die Kommunikation andere Wege suchen muss?

Wie hat sich die Arbeit in Ihrem Unternehmen und vor allem für Sie persönlich in den letzten Wochen verändert?  

Behrens: Die größte Veränderung ist natürlich, dass viele geschätzte Kollegen nicht mehr nur eine Schrittweite entfernt zu erreichen sind. Auch wenn wir natürlich in global vernetzten Zusammenhängen arbeiten, so ist der direkte menschliche Kontakt gerade in unserem neuen Büro in Frankfurt sehr beflügelnd. Hinzu kommt die Tatsache, dass die zentrale Lage viele Besucher zu uns führt, die ebenfalls neue Einflüsse bringen, auch wenn sie vielleicht aus einem ganz anderen Zweck angereist sind. Nun ist das Muster eher die räumliche Isolation und auch immer wieder das Ausbalancieren von Aufgaben, die sich im familiären Bereich ergeben. Allerdings gibt es ja Gott sei Dank die moderne Telekomunikation. So lassen sich zumindest virtuell Teams umeinander scharen.

Hinzu kommt der unklare Zeithorizont. Niemand weiß, wie lang die Beschränkungen noch aufrechtzuerhalten sind. Mit einem klaren Endpunkt lässt sich vieles ertragen. Im Bezug auf Covid-19 ist das Ende aber offen. Wir müssen uns auf unbestimmte Zeit darauf einrichten, dass ein großer Teil unseres Arbeitslebens so nicht mehr stattfindet. Es sind Lösungen zu treffen, die Bestand haben können, die andererseits auch schnell wieder umkehrbar sind. 

Wie lässt sich dieser Ausnahmezustand meistern, vielleicht sogar positiv nutzen, und wie gehen Sie persönlich mit der aktuellen Situation um?

Behrens: Wie immer im Leben liegt der Schlüssel zur Lösung in der Kreativität. Es hat wenig Sinn, sich über Verlorengegangenes zu grämen. Es gibt viele neue Möglichkeiten. Statt des Besuches erlebe ich, dass der Videocall eine neue Qualität und Verbindlichkeit erhält. War es früher mitunter so, dass der Call oft ein nachrangiges Tool war, dem mitunter auch nicht die Aufmerksamkeit geschenkt wurde, die er verdient, ist er jetzt die vitale Schnittstelle nach außen. Diese gehobene Wertschätzung schafft neue Möglichkeiten für verbindlichen Austausch. Auch nehmen sich viele Menschen mehr Zeit für ein solches Gespräch, da Zeitbudgets durch nicht mehr anfallende Reisen anders gewichtet werden können. So entsteht, wenn auch aus der Ferne ein sehr verbindlicher Austausch.

»Der Gesprächsinhalt entscheidet über die Relevanz«

Hinzu kommt, dass bestimmte Soziale Medien einen noch größeren Auftrieb erhalten. Dies gilt meiner Ansicht nach ganz besonders für YouTube. Ich denke, dass hier für den B2B-Bereich ein ganz großer Durchbruch erzielt wurde. Hier entsteht ein neuer Kanal der Bewegtbildkommunikation, der zwischen dem 1:1-Gespräch und der professionellen filmischen Darstellung liegt. Der kanalspezifisch geduldete Improvisations- und Spontaneitätscharakter etabliert eine neue Qualität, sich in der Art eines „Werkstattgesprächs“ an eine speziell interessierte Zielgruppe zu wenden. Das „Kamingespräch“ kommt niederschwellig zu jedem nach Hause und der Inhalt entscheidet über die Relevanz und nicht unbedingt nur die Hülle der professionellen Produktion. Doch auch ganz generell hat es einen nicht rückholbaren Digitalisierungsschub gegeben.

Wo sehen Sie auf Ihre Arbeit/Ihren Arbeitsplatz bezogen die größten Herausforderungen für die kommenden Monate?

Behrens: In der kommenden Zeit wird die Herausforderung klar im „Back to work“ liegen. Wir müssen uns fragen, wie wir in Zukunft damit umgehen, dass wir zurück in den Alltag gehen und doch ganz besondere Schutzkriterien erfüllen. Es ist trotz aller Lockerungen wie Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte: „Wir leben dann weiterhin in der Pandemie“. Wir müssen effektive Maßnahmen definieren und umsetzen. Besonders sind technische Innovationen gefragt, vom einfachen Personenzähler am Eingang bis zur aufwändigeren Sensorik.

Im Bereich der Kommunikation heißt es, wirklich relevant zu kommunizieren. Ein einfaches „Weiter so“ ist sicher nicht die richtige Antwort. Wir sind daher bei uns beispielsweise täglich abteilungsübergreifend in Kontakt, um neue Ideen zu entwickeln und Projekte in dieser Richtung voran zu treiben. Das reicht von einer Problemspezifischen Produktauswahl-Homepage über Case Studies bis hin zu Produktinnovationen.

Elektro-Bauelemente May KG: »Herausforderungen im Team meistern«

Dieter Schink, Geschäftsführer der Elektro-Bauelemente May KG.

© Elektro-Bauelemente May KG

Um seinen Kunden und Partnern den bestmöglichen Service und zugleich Mitarbeitern die erfolgreiche Erfüllung ihrer Aufgabenbereiche zu bieten, beschäftigt sich Dieter Schink als Geschäftsführer der Elektro-Bau-elemente May KG per se mit der Optimierung der geschäftlichen Abläufe. Wie der gesetzte Anspruch erfüllt werden kann und zugleich für alle Seiten stimmige Abläufe entwickelt wurden, berichtet uns Dieter Schink im Kurzgespräch.

Wie hat sich die Arbeit in Ihrem Unternehmen und vor allem für Sie persönlich in den letzten Wochen verändert?

Schink: Die Umsatzentwicklung ist zwar rückläufig, jedoch ist Kurzarbeit für uns zurzeit kein Thema. Wir hoffen natürlich, dass das so bleibt und haben den Betrieb und unsere Arbeitsweise der aktuellen Situation angepasst. Viele der Mitarbeiter arbeiten nun von zu Hause aus und das funktioniert erstaunlich gut. Offen gesagt hat es uns ein wenig überrascht, dass diese Umstellung auf Anhieb so reibungslos geklappt hat und der Betrieb fast normal läuft. Bisher konnten wir die Herausforderungen der vergangenen Wochen als Team sehr gut meistern.

Wie lässt sich dieser Ausnahmezustand meistern, vielleicht sogar positiv nutzen, und wie gehen Sie persönlich mit der aktuellen Situation um?

Schink: Die momentane Situation ist ohne Frage eine Ausnahmesituation, die uns jeden Tag herausfordert, und mit der wir uns sicher noch länger befassen müssen. Aber wie heißt es immer: Man wächst mit seinen Aufgaben. Wir haben es uns in dieser Situation zur Aufgabe gemacht, noch schneller zu werden, zum Beispiel in der Angebotserstellung, der Abwicklung von Aufträgen sowie bei Montageaufträgen und der Durchführung von Modifikationen – weitere Optimierungen in allen Bereichen.

Wie viele meiner Mitarbeiter bin auch ich nun schon seit sieben Wochen im Homeoffice. Der Kontakt zu den Kollegen ist dadurch aber sogar noch intensiver geworden. Geschäftliche Besprechungen, aber auch persönliche Gespräche, finden regelmäßig nicht nur per Telefon, sondern häufig auch über die bekannten Messaging-Dienste via Internet statt. Zum Glück gibt es heutzutage diese technischen Möglichkeiten, dennoch vermissen wir alle den persönlichen Kontakt untereinander.

Wo sehen Sie auf Ihre Arbeit/Ihren Arbeitsplatz bezogen die größten Herausforderungen für die kommenden Monate?

Schink: Noch ist unser Lager gut gefüllt, doch die größten Herausforderungen bestehen sicher darin, unsere hohe Lieferbereitschaft zu erhalten. Dazu sind intensive Gespräche mit unseren Partnern erforderlich bzw. die Beschaffung über andere Kanäle. Dort, wo es Lieferprobleme geben sollte, werden wir alles tun, um gemeinsam mit unseren Kunden Lösungen zu finden. Die sehr guten Fachkenntnisse unserer Berater können sicher auch helfen, wenn Produkt-Alternativen gefunden werden müssen.

Von Anfang an gehörte es zu unserer Firmenkultur, Kunden und Lieferanten als Partner zu sehen, ohne die unser Unternehmen niemals 65 Jahre alt geworden wäre. In diesen schwierigen Zeiten werden wir dafür belohnt. Die Gespräche und der Kontakt mit unseren Kunden und Lieferanten sind nun noch intensiver und teilweise auch persönlicher geworden. Danke dafür, das tut gut!

Bihl+Wiedemann: »Wir gehen gestärkt aus der Krise«

André Hartmann, Vertriebsleiter Deutschland bei Bihl+Wiedemann

© Bihl+Wiedemann

Als Vertriebsleiter bei Bihl+Wiedemann ist André Hartmann den täglichen Kontakt zu Kunden, Interessenten und Kollegen über unterschiedliche Kanäle gewohnt. Dazu gehören Begegnungen während verschiedener Messen, Ver-anstaltungen und bei Kundenterminen vor Ort, bei denen der persönliche Kontakt eine große Rolle spielen kann. Wie es ihm gelingt, den gewohnten Modus der Krisensituation anzupassen, und welche positiven Erkenntnisse daraus gewonnen wurden, erzählt uns André Hartmann im Kurzinterview.

Wie hat sich die Arbeit in Ihrem Unternehmen und vor allem für Sie persönlich in den letzten Wochen verändert?

Hartmann: Der wesentliche Unterschied im Vergleich zur Zeit vor der Corona-Pandemie ist die Tatsache, dass ich wie auch die meisten meiner Kollegen seit mehreren Wochen aus dem Home Office arbeite. Wenn man das nicht so gewohnt ist, weil man vorher als Vertriebler viel unterwegs war und ansonsten den größten Teil seiner Bürozeit in der Firma verbracht hat, ist das schon eine sehr große Umstellung. Die kurzen Wege zu den Kollegen, um mal eben etwas zu besprechen, sowie die Gespräche auf dem Flur und natürlich auch die Meetings in der Firma fallen plötzlich weg und man braucht dafür auf einmal alternative Kommunikationsmöglichkeiten. Und durch die Situation mit den Kitas und Schulen kommt bei vielen – mich eingeschlossen – auch noch das Thema der Organisation der Kinderbetreuung dazu.

Wie lässt sich dieser Ausnahmezustand meistern, vielleicht sogar positiv nutzen und wie gehen Sie persönlich mit der aktuellen Situation um?

Hartmann: Wir haben auf die neue Situation sehr flexibel reagiert. Zum einen haben wir es geschafft, innerhalb weniger Tage den meisten Mitarbeitern in der Firma die Möglichkeit einzurichten, aus dem Home Office zu arbeiten. Dabei können die Kollegen – gerade auch wegen der individuellen Herausforderungen bei der Kinderbetreuung – ihre Arbeitszeit bei Bedarf so flexibel wie nötig einteilen. Zum anderen haben wir in den letzten Wochen auch viele neuen Dinge gelernt. So werden – um das Thema ‚alternative Kommunikationsmöglichkeiten‘ noch einmal aufzugreifen – beispielsweise Tools wie Videokonferenzen et cetera jetzt viel häufiger eingesetzt als vorher.

Wie lässt sich dieser Ausnahmezustand meistern, vielleicht sogar positiv nutzen, und wie gehen Sie persönlich mit der aktuellen Situation um?

Hartmann: Ich denke, momentan ist es sehr schwer, hier eine Aussage über die Zukunft zu treffen, da die Rahmenbedingungen sich momentan ja nahezu wöchentlich ändern. Fragen etwa wie die, ab wann man wieder reisen kann oder ab wann es möglich sein wird, Messen, Veranstaltungen, Kundentermine oder Meetings nicht mehr nur virtuell, sondern auch wieder persönlich zu realisieren, beeinflussen dies natürlich sehr stark. Ich denke aber, dass es unserer Branche noch relativ gut geht, weil wir immer noch relativ normal weiter arbeiten können und von den gesetzlichen Einschränkungen auch bei weitem nicht so massiv betroffen sind wie zum Beispiel der Tourismus oder das Gaststättengewerbe. Ich glaube, dass wir als Firma gestärkt aus der Krise gehen werden.

Janitza electronics: »Solidarität zeigen und die eigene Gesundheit wertschätzen«

Rudolf Müller, Geschäftsleitung Janitza electronics

© Janitza

Mit seinen zurückliegenden Vita-Stationen im Produktmarketing und als Vertriebsleiter weiß Rudolf Müller, Geschäftsführer bei Janitza electronics, um die Notwendigkeit, neue Produkte zu entwickeln und zu visualisieren und sie zudem potenziellen Kunden zeitnah im richtigen Umfeld zu präsentieren. Wie Prioritäten zwar nicht weichen sich aber verschieben und welche anderen Werte dabei eine große Rolle spielen, gar den eigenen Blick auf anderes lenken, erzählt uns Rudolf Müller im Gespräch.

Wie hat sich die Arbeit in Ihrem Unternehmen und vor allem für Sie persönlich in den letzten Wochen verändert?  

Nachdem persönliche Besprechungen kaum noch möglich waren lief die letzten Wochen alles fast ausschließlich über Web-Meetings und Telefonate. Die Abwesenheit vieler Mitarbeiter durch Home Office vermittelt im Büro den Eindruck von Stillstand und „Tiefenentspannung“ – die Parkplätze sind frei, Besprechungsräume sind verfügbar und  die Gänge sind leer. Leider bleiben dadurch auch das Zwischenmenschliche und der kurze Informationsaustausch auf der Strecke – sozusagen „der ungezwungene Plausch in der Teeküche“.

Wie lässt sich dieser Ausnahmezustand meistern, vielleicht sogar positiv nutzen und wie gehen Sie persönlich mit der aktuellen Situation um?

Müller: Wir fahren die Produktion das erste Mal seit Bestehen der Firma in einem Zweischichtmodell. Durch die Home Office-Tätigkeit und das Vermeiden von persönlichen Besprechungen wurde bei uns das Thema Digitalisierung massiv beschleunigt: unter anderem durch unterschiedliche Web-Tools, interne und externe Web-Konferenzen, Webinare für die Aus- und Weiterbildung sowie Produkt- und Applikations-Webinare für Kunden. Damit haben wir auch gewisse Ratio-Potentiale und sind für die Zukunft noch besser gerüstet.

Für mich persönlich gilt es jetzt, Zuversicht zu vermitteln, dass wir unsere Ziele nach wie vor erreichen können – auch wenn wir jetzt womöglich kreativer als sonst sein müssen. Wichtig ist vor allem Solidarität zu zeigen, zur Besinnung zu kommen, sich ganz besonders um die Gesundheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu kümmern und auch die eigene Gesundheit mehr wertzu-schätzen, als das sonst der Fall ist.

Wo sehen Sie auf Ihre Arbeit/Ihren Arbeitsplatz bezogen die größten Herausforderungen für die kommenden Monate?

Müller: Die größte Herausforderung und das oberste Ziel sind der Erhalt der Gesundheit unserer Mitarbeiter und der nachhaltige Erhalt unserer Arbeitsplätze. Es gilt nach dem Shut-Down und dem damit verbundenen Entfall von Kundenbesuchen, Messen und Besprechungen, die Motivation aufrecht zu erhalten und Zuversicht zu bewahren!

Kawasaki Robotics: »Die Krise gibt der Automatisierung in ganz Europa einen enormen Aufschwung«

Carsten Stumpf, Vice President Kawasaki Robotics Deutschland.

© Kawasaki Robotics

Für Carsten Stumpf gehört es zu den aktuellen Herausforderungen, das Unternehmen Kawasaki Robotics durch die Krise zu lenken. Durch seine bisher-igen Karrierestationen, die ihn auf dem Weg zum jetzigen Vice Manager zunächst in die Netzwerkadministration, in den Vertrieb und ins Marketing führten, ist er in der Lage, die jeweils notwendigen Anforderungen von Mitarbeitern und Kunden aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten.

Wie es ihm gelingt, alle Sparten miteinander zu vernetzen und durch alternative Methoden auf die neue Situation anzupassen, um gemeinsam gestärkt aus der Krise zu kommen, erzählt er uns im Interview.

Wie hat sich die Arbeit in Ihrem Unternehmen und vor allem für Sie persönlich in den letzten Wochen verändert? 

Stumpf: Die Krise hat definitiv einen deutlichen Effekt auf unser Geschäft: Die Marktsituation in Deutschland ist von Vorsicht, Unsicherheit und geringen Investitionen geprägt. Und als Europazentrale in Neuss spüren wir natürlich auch die Restriktionen im Warenverkehr innerhalb Europas. Der Wegfall von Messen und Kundenbesuchen ist vertriebsseitig definitiv ein Einschnitt für uns. Aber: Wir bleiben aktiv, unterstützen unsere Kunden, gehen neue Wege und bereiten uns auf die Zeit nach der Krise vor – doch wie in fast allen Branchen gilt es auch für uns derzeit durchzuhalten, bis die Situation sich entspannt.

»Der kreative Fluss wird teilweise unterbrochen«

Persönlich und geschäftlich bedeutet das, dass viele Meetings verschoben werden und sich unsere Kommunikationswege verändern. Ich verbringe, wie meine Kolleginnen und Kollegen in der Technik, im Service und im Vertreib auch, ungewöhnlich viel Zeit im Büro oder im Home Office und nicht beim Kunden. Notwendige Meetings werden vorzugsweise per Web-Meeting oder Konferenz-Call durchgeführt.

Teilweise wird dabei der kreative Fluss, der in manchen Projekten wichtig und notwendig ist, unterbrochen, was sehr schade ist. Wir finden allerdings immer einen Weg, wieder neu anzuknüpfen.

Wie lässt sich dieser Ausnahmezustand meistern, vielleicht sogar positiv nutzen und wie gehen Sie persönlich mit der aktuellen Situation um?

Stumpf: Wie unzählige Betriebe weltweit sind wir durch die Coronakrise gezwungen, in vielerlei Hinsicht umzudenken. Aber ich kann sagen: Ob allgemeine Vorsichtsmaßnahmen, alternative Kommunikationswege oder digitale Angebote – die Akzeptanz ist hoch. Über Videokonferenzen, Fernwartung und andere Maßnahmen bleiben wir weiterhin untereinander, aber natürlich auch mit Kunden und Partnern in ganz Europa im engem Kontakt, auch bei technischem Support. Und neue digitale Konzepte wie die Fernwartung via Datenbrille oder die nun vollständig als Webinare verfügbaren Trainings unserer Academy werden von unseren Kunden sehr positiv aufgenommen.

Wo sehen Sie auf Ihre Arbeit/Ihren Arbeitsplatz bezogen die größten Herausforderungen für die kommenden Monate?

Stumpf: Keine Frage: Wir merken natürlich, wie abhängig wir vom inter-nationalen Warenverkehr oder auch Messeauftritten und persönlichem Kontakt mit Kunden sind. Besonders Letzteres können und möchten wir nicht ersetzen, aber wir nutzen die Krise natürlich, um neue Konzepte zu testen sowie Altbewährtes auf den Prüfstand zu stellen. Zudem müssen wir die aktuelle Delle im Geschäft erst einmal durchstehen und geduldig auf das Ende der Krise warten, ohne dabei wertvolle Zeit für die Weiterentwicklung des Geschäfts und des Marktes zu verlieren. Zweifelsohne wird die Coronakrise der Automatisierung in ganz Europa einen enormen Aufschwung verleihen – sowohl zum Schutz der Mitarbeiter, um weniger anfällig zu sein, aber auch, um den Produktionsstandort Europa nachhaltig zu stärken und Abhängigkeiten zu reduzieren. Doch diesen Effekt werden wir erst mittelfristig, nach der Krise, erleben. Ein wichtiger Fokus in den kommenden Monaten wird für uns daher sein, uns auf diesen Aufschwung vorzubereiten und die steigende Nachfrage gezielt zu bedienen. 

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