Jahresabschluss 2019 von Weidmüller
Industrial IoT und Ladeinfrastruktur im Fokus
Ein geringfügiges Umsatzwachstum verzeichnete die Weidmüller-Gruppe im Geschäftsjahr 2019. Verstärkt ins Visier nehmen will das Connectivity-Unternehmen die Zukunftsmärkte Industrial IoT und Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge.
Der Vorstand der Weidmüller-Gruppe (v.l.n.r.): Dr. Timo Berger (Verbriebsvorstand), Volker Bibelhausen (Vorstandssprecher und Technologievorstand), André Sombecki (Finanzvorstand).
© WeidmüllerDie Weidmüller-Gruppe blickt auf ein durchwachsenes Geschäftsjahr 2019 zurück. In einem schwierigen Marktumfeld, für das der ZVEI einen Umsatzrückgang von 1,8 Prozent vermeldete, erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz von 830 Mio. Euro - nach 823 Mio. Euro im Vorjahr. Das entspricht einem Umsatzwachstum von knapp 1 Prozent. »Angesichts der Eintrübung der Konjunktur in der zweiten Jahreshälfte und der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind wir mit dem Ergebnis dennoch zufrieden«, erläutert Vorstandssprecher und Technologievorstand Volker Bibelhausen. Während die erste Jahreshälfte 2019 noch durch eine stabile konjunkturelle Lage gekennzeichnet war, zeigte sich in der zweiten Jahreshälfte ein deutlicher weltweiter Abschwung. »Wir stehen vor gewaltigen Herausforderungen, sind aber zuversichtlich, dass wir sie nicht nur bewältigen, sondern auch daran wachsen werden«, führt Bibelhausen aus. »Der Einstieg in Zukunftsmärkte wie der Elektromobilität, aber auch die weitere Automatisierung und das Geschäft mit IIoT-Lösungen werden uns hier in Zukunft helfen.«
Als Ersatz für den Messestand auf der Hannover Messe hat Weidmüller nach deren Absage ein digitales Messeerlebnis für seine Kunden geschaffen. »Hier zeigen wir, auch über den eigentlichen Messezeitraum hinweg, bis zum Sommer diesen Jahres laufend Produkthighlights, bieten Online-Trainings und schalten nach und nach weitere technische Features für unsere Kunden frei«, sagt Vertriebsvorstand Dr. Timo Berger.
Wachstum im Kerngeschäft und bei Digitalisierungslösungen
Das Wachstum von knapp 1 Prozent rührt besonders von Tragschienenkomponenten, Markierern, Druckern, Montage und Beratung her. Im Bereich Intelligente Komponenten und Lösungen betrug das Wachstum sogar 6 Prozent. »Getragen wurde das Geschäft hier von einer starken Nachfrage nach unserer neuesten Reihenklemmenfamilie sowie unseren Automatisierungsprodukten um u-remote sowie unseren Stromversorgungen«, verdeutlicht Bibelhausen. »Lediglich der Bereich um die Geräte- und Feldverdrahtung sowie das OEM-Geschäft liegen mit minus 3 Prozent unter dem Vorjahr. »Der Rückgang ist hier vor allem der hohen Empfindlichkeit und schnellen Reaktion der Kunden aus der Leistungselektronik bei konjunkturellen Schwankungen geschuldet«, legt Bibelhausen dar. Wachstum verzeichnete hingegen der Bereich Feldverdrahtung, der vom ungebrochenen Trend der Dezentralisierung in der Automatisierung und Elektrifizierung maßgeblich profitiert.
Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie Modernisierung und Ausbau des weltweiten Produktionsnetzwerks
Mehr als 6 Prozent seines Umsatzes, nämlich 53 Mio. Euro, investierte Weidmüller 2019 in Forschung und Entwicklung. Innerhalb des Unternehmens beschäftigen sich derzeit 408 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit der Entwicklung neuer Lösungen und Produkte. Insgesamt stieg die Mitarbeiterzahl im Jahr 2019 von 4886 auf 4974. Gleichzeitig investierte Weidmüller knapp 60 Mio. Euro in die Modernisierung und den Ausbau des weltweiten Produktionsnetzwerks. »Der Schwerpunkt lag hier auf der Fertigstellung des dritten Flügels unseres Kunden- und Technologiezentrums sowie unserer Produktionsstandorte in China, Thüringen und Rumänien«, erklärt Finanzvorstand André Sombecki. In China eröffnete Weidmüller im Juni, nach nur acht Monaten Bauzeit, ein 14.000 qm großes Produktionsgebäude. Und hierzulande wurde ebenfalls im Juni eine neue Produktionshalle am Standort im thüringischen Wutha-Farnroda eröffnet. »Die neue Fertigung ist ein weiterer Schritt für den Ausbau der TWG als Weidmüllers High-Tech-Standort für industrielle Steckverbinder- und Verkabelungslösungen«, erläutert Sombecki. »Weitere Erweiterungen des Werkes sind geplant, um die komplexen verlängerten Werkbankstrukturen sukzessive aufzulösen und eine ablaufoptimierte, hochautomatisierte Fertigung zu gestalten«, führt Bibelhausen aus.
Digitalisierung und Automatisierung im Kerngeschäft rund um die Reihenklemme
In Weidmüllers Kerngeschäft rund um die Reihenklemme stärkt das Unternehmen seine Position durch die Etablierung digitaler Services und weiterer Lösungen und Komponenten zur automatischen Bestückung und Markierung. Es geht hierbei darum, die Arbeitsabläufe und Prozesse für Schaltschrankbauer und Monteure durch aufeinander abgestimmte Fertigungsabläufe effizienter zu gestalten. »Mit unserem RailAssembler lassen sich Reihenklemmen automatisiert auf einer Tragschiene montieren«, erläutert Bibelhausen. »Er ergänzt unser vorhandenes Workplace-Solutions-Angebot für mehr Effizienz im Schaltschrankbau.« Die Vision, den Schaltschrankbau der Zukunft zu gestalten, verfolgt Weidmüller in der Initiative „Smart Cabinet Building“ auch gemeinsam mit weiteren Unternehmen. »Damit profitieren unsere Kunden von durchgängigen, aufeinander abgestimmten Lösungen der jeweiligen Spezialisten auf dem Gebiet«, erläutert Berger.
Ausbau des IIoT-Portfolios zur Digitalisierung von Prozessen
Die Mitarbeiterzahl der Weidmüller-Gruppe stieg 2019 leicht – nicht nur am Stammsitz in Detmold. Insgesamt beschäftigte das Unternehmen am Jahresende 4974 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
© WeidmüllerGleichzeitig baut Weidmüller sein Portfolio im Bereich Industrial Internet of Things weiter aus – mit Lösungen zur Erfassung, Weiterleitung, Verarbeitung und Visualisierung von Daten. Schon im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen angekündigt, stärker in den Bereich IIoT zu investieren. »Auf der Automatisierungsmesse SPS in Nürnberg haben wir im November schon erste Produkte wie das IoT-Terminal vorgestellt, das eine effiziente und kostengünstige Statusüberwachung dezentraler Maschinen und Anlagen sowie einfacher Automatisierungssteuerungen ermöglicht«, sagt Bibelhausen. »Mit Sensoren zur Erfassung von Daten bauen wir unser Angebot aus. Abgerundet wird das Portfolio durch das Industrial-Analytics-Angebot und das Automated-Machine-Learning-Tool zur Datenauswertung. Auf Basis lückenloser Aufzeichnungen von Sensor-, Zustands- und Prozessdaten können Kunden verlässliche Vorhersagen über die Qualität ihrer Erzeugnisse treffen.«
Investitionen in die Ladeinfrastruktur für die Elektromobilität
Auch das Thema Elektromobilität wird in den nächsten Jahren weiter an Fahrt aufnehmen. »Auf der eMove360 im Oktober haben wir erstmalig unsere AC-Ladesäule vorgestellt und viel positives Feedback erhalten«, führt Bibelhausen aus. »Bei der Entwicklung unserer Ladeinfrastrukturlösungen berücksichtigen die Experten auch intensiv Faktoren, die bei der täglichen Nutzung eine Rolle spielen: Montage, Verfügbarkeit, Zuverlässigkeit und Akzeptanz von Ladestationen – und natürlich deren Wirtschaftlichkeit.« Besonderen Wert lege das Unternehmen auf einfache Installation und hohe Nutzerfreundlichkeit – etwa wie der Stecker an der Ladesäule angebracht ist und wie das Kabel aufgewickelt wird. Dafür beteiligte sich Weidmüller 2019 mit 25,1 Prozent an der Paderborner wallbe GmbH, um gemeinsam innovative Lösungsangebote rund um die Ladeinfrastruktur in Europa zu entwickeln.
Vorsichtig positiver Ausblick für 2020
Der Ausblick für das Jahr 2020 gestaltet sich wegen der aktuellen Lage schwierig. »Schon zu Beginn des Jahres gab es viele Unsicherheitsfaktoren, die uns verhalten in die Zukunft haben schauen lassen«, sagt Sombecki. Im ersten Quartal verzeichnete Weidmüller eine Auftragslage auf Vorjahresniveau. Im April hat sich die Auftragslage allerdings deutlich abgeschwächt. »Von daher sind wir zufrieden, dass wir trotz aller Unwägbarkeiten bisher passabel durch die Krise gehen konnten. Wir sehen die Abschwächung und müssen weiterhin als vorsichtige Kaufleute agieren. Daher ziehen wir weiterhin alle Optionen in Betracht, um auf eine geänderte Situation kurzfristig reagieren zu können.« Hierzu soll es auch im administrativen Bereich Kurzarbeit für den Monat Mai geben. Das Unternehmen fahre hier ‚auf Sicht‘ und wäge alle weiteren Schritte sorgfältig ab. »In China waren wir schon Anfang des Jahres mit den Auswirkungen der Corona-Krise konfrontiert«, ergänzt Berger. »Hier hatte sich die Lage im März allerdings relativ schnell wieder erholt. Wir sehen also, dass sich die Wirtschaft nach einer Krisensituation schnell erholen und wieder Fahrt aufnehmen kann. Etwas, wovon auch wir derzeit für das zweite Halbjahr 2020 ausgehen.« Das Unternehmen stelle daher die Weichen, um 2021 wieder richtig durchstarten zu können. »Ohnehin sind unsere Planungen und Investitionen in Standorte und Technologien langfristig angelegt«, schließt Bibelhausen. »Diesen Weg gehen wir gemeinsam mit unseren Gesellschaftern sowie den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen. Wir sind daher zuversichtlich, dass wir als Unternehmen und Gesellschaft gestärkt aus dieser Krise hervorgehen werden.«














