Downsizing

Bernd Müller | Inka Krischke,

Die miniaturisierte Leitung

Im Zuge immer kompakter werdender Industrieroboter und Maschinen müssen auch Leitungen und Steckverbinder 'abspecken'. Welche Möglichkeiten gibt es?

© Lapp

Durch den Trend zu individualisierter Fertigung – Stichwort Losgröße 1 – werden Maschinen und vor allem Roboter eher kleiner als größer und außerdem flexibler. Wo Mensch und Roboter sogar Hand in Hand arbeiten sollen, müssen die Roboter kompakter werden. Dies hat Konsequenzen für die Verbindungstechnologie, denn kompakte und leichte Roboter benötigen Leitungen, die Platz und Gewicht sparen. Ihre Leitungen sind teilweise oder vollständig im Inneren des Arms verlegt. Hier laufen sie allerdings noch enger um die Achsen, was eine höhere Belastung bedeutet. Und nichtsdestotrotz sollen sie viele Millionen Bewegungszyklen mit Biegung und Torsion aushalten.

Nicht zu dünn!

Im Skin-Foam-Skin-Prozess bringen drei Extruder in einem Arbeitsschritt die Ader-isolation auf. So kann die Isolation besonders dünn ausfallen, um Leitungen mit geringen Querschnitten zu er­möglichen.

© Lapp

Anbieter von Verbindungssystemen haben diverse Stellhebel, um Leitungen kompakter und gleichzeitig robuster zu gestalten. Beim Leiter allerdings gibt es kaum Spielraum, da der Leistungsbedarf der Servomotoren bestimmt, wie dick der Leiter zu sein hat. Doch auch die Motoren werden kleiner und ihre Leistungen geringer, sodass sie weniger Strom und damit auch geringere Leiterquerschnitte benötigen. Teilweise verschenken Konstrukteure Platz, weil sie aus alter Gewohnheit die gleichen dicken Leitungen verwenden wie in größeren Robotern mit stärkeren Antrieben. 

Anzeige

Bei hochwertigen Datenleitungen wird das PE beim Extrudieren aufgeschäumt. ­Eigenschaften wie Kapazität oder Impedanz lassen sich durch die Regelung der ­Gasmenge exakt einstellen. Dadurch kann eine dünnere Leitung gefertigt werden.

© Lapp

Ist der Platz trotz optimaler Leiterwahl immer noch knapp, müssen sich die Kabelhersteller etwas anderes einfallen lassen:

  • Die Isolation verhindert Kurzschlüsse zwischen den Adern. Bei Datenleitungen für Feldbusse oder Ethernet beeinflusst sie zudem die Datenübertragungseigenschaften. Wichtig ist eine niedrige Kapazität. Bestimmt wird sie durch den Abstand der Adern zueinander sowie durch das isolierende Material dazwischen, das sogenannte Dielektrikum. Als Material hat sich Polyethylen (PE) bewährt. Dieses wird bei hochwertigen Datenleitungen beim Extrudieren aufgeschäumt. Durch die Regelung der Gasmenge lassen sich Eigenschaften wie Kapazität oder Impedanz exakt einstellen und dünnere Leitungen fertigen. 
  • Beim Verseilen werden die feinen Metalldrähte des Leiters verdrillt, weil dies die Flexibilität erhöht. Allerdings wächst damit der Durchmesser. Dicke und Flexibilität lassen sich durch die Schlaglänge – die Distanz für einen Umlauf der Verdrillung – steuern. Ist sie länger und damit die Verdrillung geringer, fällt das Kabel dünner aus. Biegsam sind die Kabel dennoch. 
  • Für schnelle Verbindungen und höhere Datenmengen kommt zunehmend Ethernet zum Einsatz. Cat.-5-Kabel mit Datenraten von bis zu 100 Mbit/s besitzen vier Adern, die für kompakte Roboter als Sternvierer aufgebaut sind. Die beiden Aderpaare sind im Inneren des Mantels so verseilt, dass sie im Vergleich zur normalen paarweisen Verseilung weniger Platz beanspruchen – der Durchmesser kann so um 30 % geringer ausfallen – und dennoch jahrelange Bewegungen wie Biegung und Torsion aushalten. 
  • Sogenannte Single-Pair-Leitungen haben sogar nur noch ein Aderpaar. Sie können 1 GBit/s übertragen – für viele Anwendungen ist dies schnell genug. Die Leitungen haben einen geringen Platzbedarf, geringen Installationsaufwand und niedrige Kosten. Derzeit sind Leitungen für Single-Pair-Ethernet für den Einsatz in der Industrie allerdings noch nicht verfügbar, da die nötigen Standards noch ausstehen. Um diese kümmern sich neu gegründete Arbeitsgruppen, sodass die Firma Lapp davon ausgeht, dass es erste Serienprodukte für Single Pair Ethernet in zwei bis drei Jahren geben wird.

Ist der Roboter mit vielen Sensoren oder gar einer hochauflösenden Kamera ausgerüstet, genügt eine Sternvierer- oder gar Single-Pair-Leitung nicht mehr. Stattdessen kommen Ethernet-Leitungen nach Cat. 6A oder Cat. 7 mit bis zu 10 GBit/s zum Einsatz. Sie enthalten acht Adern, die als Paare verseilt sind. Zudem werden auch diese vier Paare miteinander verseilt, um Platz zu sparen. Dennoch ist der Platzbedarf natürlich größer als beim Sternvierer. Wird die Leitung stark bewegt – was in der Robotik unumgänglich ist – müssen die vier Aderpaare auseinandergehalten werden, damit sie sich auch beim Biegen nicht berühren. Dies übernimmt ein Kunststoffkern mit Kreuzquerschnitt, der mitverseilt wird. Er sorgt dafür, dass die Aderpaare bei Bewegung nicht die Position verändern. Gleichzeitig reduziert er das Nebensprechen zwischen den Aderpaaren.

Steckverbinder ebenfalls kompakter

Kleinere Roboter benötigen neben dünneren Leitungen auch kompaktere Steckverbinder, die vielseitig einsetzbar sein sollen. Wird zum Beispiel ein Roboter mit einer Kamera zur Qualitätsinspektion nachgerüstet, sollte die Erweiterung auch im Steckverbinder leicht möglich sein. Die Lösung sind modulare Steckverbinder. So lässt sich etwa das Steckersystem ‚Epic MH‘ von Lapp modular für Leitungen unterschiedlichster Funktionen bestücken und nimmt beliebige Steckermodule für Energie, Signale und Daten auf. Kommt eine Funktion hinzu, wird ein weiteres Modul eingesetzt oder ein anderes ersetzt.

Auch kundenspezifische Steckverbinder sind möglich. So entwarf Lapp beispielsweise für einen Hersteller kompakter Roboter einen Steckverbinder, der zeitsparend zu montieren sein sollte. Weitere Anforderungen betrafen das harmonische Einfügen ins Design des Roboters, die EMV-Eigenschaften und die Datenübertragung via Ethernet. Gleichzeitig sollte der Steckverbinder Gehäusefunktionen übernehmen wie etwa die Zugentlastung des Kabels. Gelöst wurde diese Aufgabe mit einem modifizierten M23-Standard-Rundsteckverbinder. 

Am oder im Roboterarm werden Energie und Daten oft über Leitungen mit M23-Rundstecker übertragen. Für kleinere Roboter wurde dieser Standard auf die kleineren Formate M17 und M12 geschrumpft. Soll es noch kleiner sein – bei Robotern mit reiner Innenverkabelung etwa – sind auch solche Stecker nicht mehr praktikabel. Hier werden die Leitungen teilweise über Steckverbinder angeschlossen, wie man sie aus der Verbindung von Leiterplatten kennt.

Autor: 
Bernd Müller ist freier Journalist im Auftrag von Lapp, Stuttgart.

  • Xing Icon
  • LinkedIn Icon
Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Nachhaltigkeit

Conec wird bleifrei

Conec, Anbieter von Verbindungstechnik, stellt seine gesamte Produktpalette bis spätestens 31.12.2026 vollständig auf bleifreie Materialien um und wird ab 01.01.2027 zu 100 % bleifrei produzieren.

mehr...

Metz Connectb

Feldkonfektionierbar und flexibel

Metz Connect bringt mit 'field plug ultra short' einen kompakten, feldkonfektionierbaren Steckverbinder mit IDC-Anschlusstechnik für platzbeschränkte Anwendungen in der Industrie und Gebäudetechnik auf den Markt.

mehr...
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Rosenberger

Glasfaser in rauen Umgebungen

Schmutz, Feuchtigkeit und Vibrationen galten bisher als der natürliche Feind der Glasfaser, so dass viele Anwendungen in der Produktion der Kupfer-verkabelung vorbehalten blieben. Mit widerstandsfähigen Steckverbindern ausgestattet kann die...

mehr...

Lapp

Asien stark, Europa schwächelt

Die Lapp-Gruppe erzielt im abgelaufenen Geschäftsjahr 2025 (1. Oktober 2024 bis 30. September 2025) einen Umsatz von 1,93 Milliarden Euro. Getragen von Zuwächsen in Asien und Amerika gleicht das Stuttgarter Familienunternehmen damit seinen...

mehr...

Conta-Clip

Runde FDA-konforme Kabeleinführungen

Conta-Clip erweitert das Kabeldurchführungsprogramm 'KES' um die in charakteristischem Blau gehaltenen runden FDA-Varianten 'KES-R-FDA M'. Die aus zertifiziertem, hygienischem Material gefertigten Ausführungen für die Lebensmittelindustrie...

mehr...
Jetzt Newsletter abonnieren