Isra Vision

Peter Stiefenhöfer | Inka Krischke,

Von der Punktewolke gelenkt

In Montageprozessen spielt die 3D-Punktewolke-Technologie für die Führung von Industrie­robotern eine besondere Rolle. Ein neuer Ansatz hierfür sind Quad-Kamera-Sensor­lösungen, die Multistereo­aufnahmen ermöglichen.

© Isra Vision

Der hohe Kostendruck in der Fertigung erfordert eine möglichst lückenlose Automatisierung personalintensiver Prozesse. Meist kommen bisher ­spezielle mechanische Vorrichtungen für die Ver­einzelung von Bauteilen zum Einsatz. 
Diese sind aber teuer, unflexibel und bean­spruchen viel Platz. Außerdem führen sie oft zu Lärmbelästigungen. Auch die Entlastung der Mitarbeiter von Tätigkeiten wie beispielsweise der Entnahme schwerer und unhandlicher Teile ist ein häufiger Grund, die Automatisierung für diese Anwendungsfälle weiter voranzutreiben. 
Daher sind für ­unterschiedliche Montageprozesse zunehmend Industrie-roboter gefragt, für deren Führung die 3D-Punktewolke-Technologie besondere Bedeutung hat. Bei der Generierung ­solcher Punktewolken muss die gesamte gescannte Oberfläche eines Objekts schnell und präzise erfasst und in einen dichten Datensatz aus einzelnen Punkten umgerechnet werden, die jeweils durch ihre Raumkoordinaten dargestellt sind.
Der dreidimensionale Koordinatensatz der einzelnen Punkte ermöglicht eine zuverlässige 3D-Erkennung von Objekten. Darauf basierend wird die Objektdetektion und Greifpunktbestimmung vorgenommen. Die Bahn-planung der Roboter- und Greifersysteme wird kollisionsfrei realisiert. Erforderlich für diese Anwendungen ist eine leistungsfähige Kameratechnik.

 

Anzeige

Die Quad-Kamera-Technologie

Der ‚Minipick3D‘ erkennt Objekte von nur wenigen Kubikmillimetern zuverlässig.

© Isra Vision

Die Kameratechnik hat sich seit den Anfängen der Roboterführung enorm weiterentwickelt. Anfänglich war eine universell einsetzbare Lösung nicht in Sicht. Entsprechende Lösungen nutzten zunächst 2D-Laserscanner, um die 3D-Daten und Positionen der Teile zu erhalten. Mit linearen Triangulations-punkten ließen sich allerdings für viele Anwendungen keine zufriedenstellenden Ergebnisse erreichen. 
Wirksamer wurde es mit einer beweg-lichen Laserlinie, mit der sich Position und Ausrichtung zum Beispiel auch unsortierter, zufällig verteilter Objekte in der Tiefe bestimmen lassen. Mittels intelligenter Kollisionsvermeidung wird eine störungsfreie Roboterführung ermöglicht. Allerdings hat auch diese Methode einen entscheidenden Nachteil: 
Beispielsweise werden beim sogenannten ‚Griff in die Kiste‘ nicht alle Ecken zuverlässig erfasst. So können Teile, die etwa am Rand liegen, am Schluss in der Kiste verbleiben.

Um dieses Problem zu umgehen, hat Isra Vision ein Multistereo-Verfahren entwickelt, bei dem vier integrierte Kameras die zu greifenden Bauteile erfassen. Diese Lösung vergrößert die Anzahl der Ansichten der Teile ent-scheidend. Erkannt wird nun auch die genaue Höhenlage der zu greifenden Teile. 
Die Quad-Kamera-Technologie ermöglicht 6-fach-Stereo-Aufnahmen bei sehr hoher Datenredundanz. Die sechs Kamerapaare führen selbst bei spiegelnden beziehungsweise glänzenden Oberflächen zu viel besseren Scan-Ergebnissen. Entsprechend verbessern sich die Genauigkeit und die Geschwindigkeit von Takt- und Scanzeiten. Darüber stellt die Multistereo-Quad-Kamera-Technologie sicher, dass Behälter beim Bin Picking vollständig entleert werden. 

Entleerung von Behältern

Die Multistereo-Quad-Kamera-Technologie erfasst das gesamte ­Volumen jedes Behälters restlos.

© Isra Vision

Eine Lösung für Montageprozesse wie etwa die vollautomatische Entleerung von Behältern mit unsortierten Bauteilen bietet der ‚Powerpick3D‘ von Isra Vision: Das Sensorsystem dient zur Auto-matisierung anspruchsvoller, roboterbasierter Applikationen speziell für die Schüttgutvereinzelung bei kürzesten Zykluszeiten. 
Automatisch erstellt ‚Powerpick3D‘ eine optimierte Greiffolge und berechnet die entsprechenden Greifposen. Aufgrund der Multistereo-Quad-Kamera-Aus-stattung bleiben die Multiview-Aufnahmen des Sensors ebenso bei Abschattungen im Blickfeld des Sensors oder Lichtreflektionen an den Bauteiloberflächen zuverlässig. 
Das System bestimmt die Position auch zufällig verteilter Objekte in unterschiedlichen Höhenlagen sowie Orien­tierungen. Die Beleuchtungs-technologie basiert auf einem LED-Projektor, der die Aufgabe hat, zum Scannen bestimmte Muster auf die Teile zu projizieren. Dank diesem Prinzip sind weniger Bildaufnahmen erforderlich. Aus den Kamera-Aufnahmen wird die hochauflösende 3D-Punktewolke generiert, mit der sich aufgrund der Multistereo-Kameratechnologie zudem die Höhenlage genau bestimmen lässt.

Die Bin-Picking-Sensoren erlernen neue Teilegeometrien schnell und effizient anhand eines CAD-Datensatzes. Somit ist die Anzahl detektierbarer Bauteile nahezu unbegrenzt.

© Isra Vision

Die Bahnplanung der Roboter- und Greifersysteme wird völlig kollisionsfrei realisiert, indem das Modell des Greifers auf der Roboterbahn mit der 3D-Punkt-wolke und umliegenden detektierten Werkstücken auf Kollisionen überprüft wird. Die Greifpunktbestimmung als Grundlage für die Berechnung der Roboterbahn ermöglicht die gezielte Entnahme des Bauteils sowie ein definiertes Ablegen. Im Gegensatz zu klassischen Vereinzelungsmethoden kann das Robotersystem somit schnell und flexibel auf Produktions- beziehungsweise Bauteilwechsel reagieren. Ein im Sensor integrierter Rechner übernimmt die Objektdetektion und Greifpunktbestimmung. Dieser Embedded-PC verringert die Scan- und Taktzeiten im laufenden Betrieb aufgrund fehlender weitläufiger Kommunikationswege zusätzlich.
‚Powerpick3D‘ ist in verschiedenen Baugrößen erhältlich, um einen maximalen Detektionsgrad für unterschiedliche Anwendungsfälle sicherzustellen. Die Messfelder können zwischen 600 mm x 400 mm und 1200 mm x 1000 mm liegen, die Tiefe der Messvolumina reicht von 400 mm bis zu 1000 mm.
Kompatibel für alle gängigen Robotertypen bewährt sich ‚Powerpick3D‘ bereits in Applikationen wie zum Beispiel beim Bin Picking von Ankernägeln, Bremssätteln, Winkelgelenksgehäusen und vielen weiteren Objekten.

 

Kleinste unsortierte Bauteile greifen

Holger Wirth ist Vice President R&D Industrial Automation bei Isra Vision in Darmstadt.

© Isra Vision

Kleine oder dünnwandige Bauteile stellen nicht nur aufgrund ihrer geringen Größe eine Herausforderung dar: Robotersysteme können sie aufgrund des geringen Gewichts sehr schnell bewegen, und das bei in der Regel nur kurzen Transportwegen. Schnelle Scanzeiten und eine exakte Objekt-erkennung sind daher unerlässlich, um eine optimale Taktzeit zu ermöglichen. 
‚Minipick3D‘ ist optimiert für das schnelle und sichere Greifen komplexer, unsor-tierter Kleinstbauteile von wenigen Millimetern Kantenlänge. Die Multi-stereo-Quad-Kamera-Ausstattung sorgt dabei sowohl für einen vollständigen Überblick als auch für die notwendige Präzision und Geschwindigkeit. Das Messfeld liegt hier bei 300 mm x 200 mm. Die Lösung erfüllt damit Anforderungen für Applikationen beispielsweise aus den Bereichen Feinmechanik, Elektronik, Spielzeugin­dustrie oder vergleich-bare Industrien: Steckverbinder, Klemmen, kleine Spritzgusselemente, filigrane Bauteile oder Komponenten werden zuverlässig erkannt und lassen sich automatisch greifen. Die Genauigkeit liegt im Submillimeterbereich. 
Bei dieser sehr kompakten Lösung ist ebenfalls ein Embedded-PC integriert, wodurch sich höchste Geschwindigkeiten für die Datenübertragung erreichen lassen. Der Sensor kann darüber hinaus direkt auf dem Roboter montiert werden, sodass sich zum Beispiel mehrere Kisten mit nur einem Sensor entleeren lassen.

Neue Teilegeometrien schnell erlernen

Mit Hilfe der Punktewolke-Technologie extrahieren die verschiedenen Sensoren aus den – vorerst unstrukturierten – Informationen anhand einer CAD-Vorlage die zu greifenden Bauteile. Da die Systeme neue Teilegeo-metrien schnell anhand eines CAD-Teach-Ins erlernen, ist die Anzahl detek-tierbarer Bauteile nahezu unbegrenzt. Die Sensorlösungen lassen sich mit ihrem flexiblen Montage-System in jeder Umgebung schnell installieren.
Ausgestattet mit einer intuitiven Touch-Bedienoberfläche sind die Systeme in kurzer Zeit für den Betrieb eingerichtet. 
Als Teil des ‚Touch & Automate‘-Portfolios von Isra Vision sind ‚Powerpick3D‘ und ‚Minipick3D‘ auch ohne Expertenwissen bedienbar. Dies erleichtert die Einrichtung neuer Bauteilformen. Das Einlernen neuer Teile wird mit wenigen Befehlen auf dem Touchpanel erledigt.

  • Xing Icon
  • LinkedIn Icon
Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige

autoVimation

Schutzgehäuse präzise ausrichten

Das Positioniersystem ist eine kompakte Lösung für die präzise Ausrichtung von Kameraschutzgehäusen. Den Kern des modularen Systems bilden Feinpositionierachsen mit 150 mm Hub, die mit ihrem handkurbelbetriebenem Vorschub mit 1,5 mm/Umdrehung für...

mehr...

Rauscher

900 nm bis 1700 nm Wellenlängenbereich

Die SWIR-Kameras NIT WiDy SenS mit Dual-Mode-InGaAs-Sensor (linear und logarithmisch) bieten einen Kompromiss zwischen hoher Empfindlichkeit (lineares Ansprechen) und hohem Dynamikbereich bei 120 dB (logarithmisches Ansprechen).

mehr...
Anzeige
Anzeige

Flir

Einsatz in Forschung und Entwicklung

Die Wärmebildkamera der Serie Flir A8580 ist ein gekühltes Einstiegsmodell mit 1,3 Megapixeln, das sich für Anwendungen in den Bereichen Industrie, Militär, Wissenschaft sowie Produktforschung und -entwicklung eignet.

mehr...
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Exner

Roboter programmiert sich selbst

Roboter-Schweißverfahren waren im Stahlbau bis dato unrentabel. Dies ändert sich mit einer Lösung, bei der sich der Roboter selbst programmiert und anschließend jedes Bauteil sofort schweißt.

mehr...

Optometron

Platz zum Mikroskopieren und Analysieren

In der Qualitätskontrolle sind räumliche Verhältnisse oft beengt, sodass wenig Platz für das Mikroskop-Equipment zur Verfügung steht. Optometron bietet mit Doku-Kit3 eine handliche Kamera-Monitor-Einheit an, die ein autarkes Mikroskopieren und...

mehr...
Jetzt Newsletter abonnieren