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Artikel und Hintergründe zum Thema

VisionTools

Wolfgang Zosel | Inka Krischke,

Virtuelle Inbetriebnahme auf KI-Basis

KI-basierte Systeme zur automatisierten Qualitätskontrolle kommen um das zeitaufwändige Sammeln von Bilddaten nicht herum. Bei BMW in Dingolfing ist seit Juli 2023 eine Prüfzelle in Betrieb, die bereits ab der ersten Karosse mit der kamerabasierten Sichtprüfung beginnt.

© Vision Tools

Optische Systeme zur automatisierten Qualitätskontrolle sind in zahlreichen Branchen längst Standard. Dazu zählen einfache Farbsensoren und Code-Lesegeräte ebenso wie komplexe 3D-Mehrkamera-Messsysteme. In vielen Anwendungen kommen konventionelle Bildanalysemethoden zum Einsatz. In der Anwendung von KI-Algorithmen benötigen optische Qualitätsprüfsysteme in industriellen Montage- und Fertigungsanlagen zum Training allerdings eine große Anzahl von Bildern. Prüffähige Bauteile oder Produkte stehen jedoch vor dem Serienstart in aller Regel nicht zur Verfügung – und damit auch noch keine Bilder. Das effektive Training kann somit erst mit dem Produktionsstart beginnen. Je nach Aufgabenstellung und Komplexität verschiebt sich das finale ‚Go‘ für den Prüfprozess mitunter zeitlich weit nach hinten. Ist die zu prüfende Stückzahl klein, sind Aufwand und Kosten pro Prüfteil vergleichsweise hoch. So bis Juli 2023 auch im BMW-Werk Dingolfing: Eine Prüfzelle konnte erst dann in Betrieb genommen werden, wenn ausreichend Referenzbilder von echten Fahrzeugen vorlagen – je nach Prüf- und Merkmalsumfang mitunter eine Herkulesaufgabe mit erheblichem Zeitaufwand. Daher forcierte BMW zusammen mit den Bildverarbeitungsexperten von VisionTools eine Lösung, die verlässliche Bilddaten bereits vor dem Serienstart zur Verfügung stellt.

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Der Aufbau der Prüfzelle.

© Vision Tools

Die Prüfzelle

Im Minutentakt laufen unter anderem Modelle des neuen 4er-Cabrios über eine Montagelinie in die Prüfzelle ein. Mithilfe zweier Kameras analysiert die Station vollautomatisch, ob im Bereich der beiden Heckleuchten jeweils drei Gummistopfen vorhanden beziehungsweise korrekt gesteckt sind. Fehler und Unregelmäßigkeiten jedweder Art registriert das Kamerasystem sofort. Per Display erhält ein Mitarbeiter den Auftrag zur Nachbesserung.

In wenigen Schritten vom CAD-Modell zum virtuellen Trainingsbild: Synthetisch erzeugte Kamerabilder aus CAD-Daten für das KI-Training zur Prüfung ab Bauteil 1 im realen Bildverarbeitungsprozess.

© Vision Tools

Nur auf den ersten Blick arbeitet die von VisionTools realisierte Prüfzelle zur Stopfenkontrolle am Heckleuchtentopf wie eine gewöhnliche Station. Doch dahinter steckt ein grundlegend neuartiger Ansatz, der einem Paradigmenwechsel bei Prüf- und Inspektionsprozessen gleichkommt: Auf Basis zur Verfügung gestellter CAD-Daten generiert die Bildverarbeitungslösung vor dem Serienstart auf Knopfdruck beliebig viele virtuelle, realitätsnahe Abbildungsvarianten des Prüffeldes. Dabei fließen sämtliche Merkmale mit in die Simulation ein, die im realen Prüflauf auftreten und Einfluss auf das Bildergebnis nehmen können. Berücksichtigt werden beispielsweise Positions- und Lagetoleranzen des Werkstücks sowie der relevanten Bildverarbeitungskomponenten wie Kamera und Beleuchtung. Oberflächeneigenschaften wie Material, Farbe und Reflexionsgrad können in der Simulation weit stärker randomisiert werden, als dies in der 
Realität der Fall wäre. Ebenso werden Eigenschaften wie die optische Verzeichnung, die Schärfentiefe der Kamera und des Objektivs berücksichtigt. Da die Abmessungen der Prüfstation in aller Regel bekannt sind, können im virtuellen Raum auch Kameras und Beleuchtungen ergebnisoptimal platziert werden. 

Synthetische Bildgenerierung

Farbe, Position oder andere Materialeigenschaften werden per Zufall erzeugt: synthetisch erzeugte Kamerabilder mit simulierten Bauteil-Varianten für das robuste KI-Training.

© Vision Tools

Der Aufwand im Vorfeld rechnet sich: Ohne dass zuvor ein einziges reales Werkstück vorliegt, stehen mit der synthetischen Bildgenerierung ausreichend realitätsnahe Gut- und Schlechtbeispiele zur Verfügung. Die Qualität der Bilddaten ist so hoch, dass diese zum Training der KI-Algorithmen bestens geeignet sind. Für jede Baugruppe (CAD-Element, Beleuchtung, Kamera) stehen in der Simulation eine Vielzahl von Randomisierungsparametern zur Verfügung: so zum Beispiel Positions- und Materialtoleranzen, Farb- und Beleuchtungsunterschiede, Fremdlichteinflüsse, Bildunschärfen und Bildverzeichnungen. Diese werden per Zufallsgenerator kontinuierlich innerhalb der eingestellten Grenzen verändert und auf diese Weise die gewünschte Anzahl individueller virtueller Bilder erzeugt. 

Montagekontrolle durch KI-unterstützte Fehlerauswertung der Prüfmerkmale am realen Bauteil bereits ab dem ersten Fahrzeug.

© Vision Tools

Die erzeugten Bilddaten enthalten auch die Labeldaten (Annotationen), so dass diese sofort und ohne weitere Bearbeitung zum Training eines KI-Algorithmus verwendet werden können. Das Prüfsystem geht mit dem ersten produzierten Werkstück in Betrieb. Die im laufenden Betrieb erfassten realen Bilder können zur weiteren Optimierung des Systems dem virtuellen Trainingsdatensatz hinzugefügt werden. Als digitaler Zwilling kann Aufbau und Datensatz unmittelbar in eine Station mit vergleichbaren Anforderungen übernommen werden. Soll der Prüfumfang erweitert werden, ist die digitale Bilddatengrundlage vergleichsweise einfach und mit überschaubarem Aufwand adaptierbar. 

Vertrauensvolle Projektpartnerschaft

Wolfgang Zosel ist freier Journalist und Inhaber der Agentur pr›kom Kommunikation in Kusterdingen.

© pr›kom Kommunikation

Allein im Montagewerk Dingolfing sind rund 70 der von VisionTools ausgestatteten Prüfzellen im Einsatz. Das Beispiel BMW zeigt, dass mit synthetischen anstelle realer Bilddaten der Einsatz eines kostengünstigen, flexiblen und skalierbaren KI-basierten Bildverarbeitungssystems bereits ab dem ersten Fahrzeug möglich ist. Mit der Trainingsumgebung ‚VisionCockpit‘ und dem dezentralen Edge-Device ‚VoE-AIBox‘ wird VisionTools die KI-basierten Bildverarbeitungslösungen weiter ausbauen und intuitiver bedienbar an Kundenwünschen ausrichten.

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