Beckhoff
Neue HMI-Ära eingeläutet
Beckhoff hat anlässlich der SPS IPC Drives erstmals ‚Twincat HMI‘ gezeigt. Mit der HTML5-basierten Software wollen die Verler nach eigener Aussage einen Paradigmenwechsel im Bereich der HMI-Software einläuten.
Im zweiten Halbjahr 2016 soll die neue HMI-Plattform von Beckhoff in einer ersten Version verfügbar sein.
© Beckhoff AutomationImmer wieder kam in den letzten Jahren in der Branche die Frage auf, wann Beckhoff denn neben der leistungsfähigen Steuerungstechnik auch mit einer umfassenden, eigenen HMI-Lösung dienen könne? Zwar hatten die Verler mit Twincat PLC HMI bereits eine Visualisierungssoftware im Programm, allerdings ist diese nur auf die SPS anwendbar. Das heißt: Der Editor ist in der SPS verankert und es lassen sich auch nur Variablen dieser SPS anzeigen. "Das kann in Applikationen mit mehreren SPSen oder auch C++- oder Matlab/Simulink-Modulen eine Einschränkung sein", räumt der zuständige Produktmanager Josef Papenfort ein, betont allerdings im selben Atemzug: "Das neue Twincat HMI hat diese Einschränkung nicht. Außerdem ist es eine hundertprozentige Beckhoff-Lösung, das heißt alle Komponenten sind selbst entwickelt."
Statt proprietärer Systeme für Engineering und Kommunikation und der Verwendung unter bestimmten Betriebssystemen setzt Beckhoff bei der jetzt vorgestellten Lösung auf IT-Standards wie Visual Studio für das Engineering, HTML5 für das Design und Websockets sowie HTTPS für die sichere Kommunikation. Die Bedienoberfläche ist auf jedem HTML5-fähigen Browser, unabhängig von Betriebssystem, Auflösung oder Display, ausführbar. "Damit haben wir eine zukunftssichere, offene und performante Lösung für die Welt mit Industrie 4.0 geschaffen", ist Papenfort überzeugt.

Beckhoff setzt auf 'One Cable Automation'
Seit rund zwölf Jahren ist die Spezifikation der von Beckhoff entwickelten Ethercat-Technologie stabil – jetzt wurde erstmals eine Erweiterung vorgenommen: Die Übertragung von Daten und Leistung über ein einziges Kabel.
Dr. Josef Papenfort, Beckhoff: "Die leistungsfähige Basisarchitektur von Twincat HMI ermöglicht zahlreiche Anwendungsszenarien: von der lokalen Panel-Lösung bis zu Multi-Client-, Multi-Server- und Multi-Runtime-Konzepten."
© Beckhoff AutomationDie Logik des HMI könne - je nach Erfahrung und Anwendung - entweder clientseitig in JavaScript oder als sogenannte Server-Extension implementiert werden. Letztere bietet die Möglichkeit, Erweiterungen in C++ oder .NET zu schreiben. "Damit kann ein maximaler Know-how-Schutz erreicht werden", so Papenfort.
Auf die Frage, was den Beckhoff-Ansatz von anderen HTML- beziehungsweise Browser-basierten Visualisierungslösungen abhebt, die mittlerweile zahlreich in den Markt drängen, antwortet der Produktmanager: "Unsere neue Software unterscheidet sich vom Wettbewerb durch eine offene und erweiterbare Architektur. Zudem ist Twincat HMI sehr einfach zu projektieren. Dazu wird das Engineering komplett im Visual Studio – der Entwicklungsumgebung für das gesamte Twincat 3 – integriert. Aus einer Reihe von vorhandenen Controls können per Drag-&-Drop die Elemente grafisch auf eine What-you-see-is-what-you-get-Oberfläche gezogen werden. Angezeigt werden kann das HMI dann auf vielen verschiedenen Geräten wie Panels oder Panel-PCs von Beckhoff, aber auch auf Smart Devices, wie etwa Smartphones beziehungsweise Tablets verschiedener Hersteller."
Da Twincat HMI eine ADS-Anbindung besitzt (ADS beschreibt eine geräte- und feldbusunabhängige Schnittstelle, welche die Kommunikation zwischen Geräten), ist sie Papenfort zufolge sowohl für Twincat 3 als auch für Twincat 2 geeignet. Mehr noch: Mit der optionalen OPC-UA-Anbindung könne die HMI-Software prinzipiell auch mit Steuerungen von Drittanbietern kommunizieren.











