Maschinenbau

Melanie Steinbeck,

Ziehl-Abegg erreicht erstmals 1 Milliarde Euro Umsatz

Erstmals seit seiner Gründung von 116 Jahren überschritt der Technologiekonzern aus Künzelsau im Geschäftsjahr 2025 die Schwelle von einer Milliarde Euro. Der Konzern konnte den Umsatz von 893 Millionen Euro im Vorjahr um  mehr als 12 % steigern, laut den vorläufigen Zahlen.

Vorstandsvorsitzender Joachim Ley blickt zufrieden auf das starke Umsatzplus 2025 und einen vielversprechenden Start ins Jahr 2026. © Ziehl-Abegg SE

Parallel wuchs die Belegschaft weltweit von 5300 auf 5800 Beschäftigte. Wachstum also auf mehreren Ebenen. Und doch ist es kein selbstzufriedenes Feiern, das aus dem Unternehmen zu hören ist, sondern eher ein nüchterner Stolz. „Diese Marke ist für uns mehr als nur eine Zahl – sie steht für die Leistung, das Engagement und den Zusammenhalt unserer weltweiten Teams“, sagt Vorstandsvorsitzender Joachim Ley.

Denn 2025 war geprägt von Unsicherheiten. Wechselkurse gerieten unter Druck, neue Zölle erschwerten den Handel, geopolitische Spannungen beeinflussten Investitionsentscheidungen. „2025 war kein einfaches Jahr“, sagt Ley. „Umso mehr zeigt dieses Ergebnis, wozu wir als Unternehmen in der Lage sind.“ Zum Gewinn äußert sich Ziehl-Abegg traditionell nicht im Detail. Klar ist jedoch: Die Ertragslage stand unter Druck. „Der Gewinn war wegen der globalen Verwerfungen massiv belastet“, so der Vorstandschef.

Wachstum kommt von außen

Ein wesentlicher Teil des Erfolgs liegt jenseits der deutschen Grenzen. Das Auslandsgeschäft gewinnt für Ziehl-Abegg kontinuierlich an Bedeutung. Inzwischen sind die USA mit deutlich mehr als 20 Prozent Umsatzanteil der wichtigste Auslandsmarkt. Die Entscheidung, dort zu investieren, erwies sich als strategisch richtig: 100 Millionen Euro fließen seit 2024 in ein neues Werk. Ziel ist es, näher am Kunden zu sein, Lieferketten zu verkürzen und unabhängiger von globalen Störungen zu werden.

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China bleibt der zweitgrößte Auslandsmarkt. Dort setzt das Unternehmen nicht auf Standardlösungen, sondern auf regionale Entwicklung. Produkte werden vor Ort angepasst – technisch wie preislich. „Wer in China bestehen will, muss den Markt nicht nur verstehen, sondern ihn auch vor Ort gestalten“, sagt Ley. Es ist eine Haltung, die weniger von kurzfristigen Effekten lebt als von langfristiger Präsenz.

Technologische Unabhängigkeit als Prinzip

Artan Shahini montiert die Treibscheibe an einen Aufzugsmotor, der aktuell noch mit Seltene-Erden-Magneten hergestellt wird. In diesem Jahr läuft bei Ziehl-Abegg noch die Serienproduktion mit der Weltneuheit - Aufzugsmotoren mit Ferritmagneten - an. © Ziehl-Abegg SE

Auch technologisch war 2025 ein Jahr mit Signalwirkung. Ziehl-Abegg entwickelte nach Unternehmensangaben als weltweit erstes Unternehmen eine elektrische Aufzugssynchronmaschine ohne Magnete aus Seltenen Erden – bei gleicher Leistung und identischer Baugröße. In einer Zeit, in der Rohstoffe politisch und wirtschaftlich zunehmend instrumentalisiert werden, ist das mehr als ein technisches Detail. Es ist ein Statement zur Unabhängigkeit.

Möglich wurde der Schritt durch ein neues Motordesign, das ohne kritische Materialien auskommt und dennoch höchste Effizienz liefert. Die Produktion bleibt stabil, unabhängig von Exportbeschränkungen oder geopolitischen Spannungen. „Dem Wettbewerb technologisch immer ein deutliches Stück voraus zu sein, ist unsere Devise“, sagt Joachim Ley.

Diese Art von Ventilatoren wird später in Rechenzentren eingesetzt. Auf dem Bild ist Monteur Karol Maczuga im Werk Kupferzell zu sehen. © Ziehl-Abegg SE

Diese technologische Haltung ist tief im Unternehmen verankert. Ziehl-Abegg setzt seit Jahren auf eine hohe Fertigungstiefe – mit eigener Gießerei, eigener Blechfertigung und eigener Kunststoffverarbeitung. Hinzu kommt eine ausgeprägte Innovationskultur, etwa bei bionischen Lüfterdesigns, die Energieeffizienz und Leistung miteinander verbinden.

Global aufgestellt, regional verwurzelt

Heute beschäftigt Ziehl-Abegg weltweit rund 5.800 Mitarbeitende. 3.000 davon arbeiten an süddeutschen Produktionsstandorten, im Vorjahr waren es noch 2.800. Die Produkte, energiesparende Ventilatoren und präzise Antriebssysteme, kommen in unterschiedlichsten Bereichen zum Einsatz: in der Klima- und Kältetechnik, in Aufzügen, Reinräumen, Agraranlagen und in der Medizintechnik. Vertrieben werden sie in mehr als 100 Ländern.

Die Milliarde ist erreicht. Doch bei Ziehl-Abegg versteht man sie weniger als Ziel denn als Zwischenstand. Als Ergebnis einer Strategie, die auf technologische Eigenständigkeit, internationale Nähe zum Markt und langfristiges Denken setzt. Oder anders gesagt: als Zahl mit Geschichte und mit Zukunft.

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