Energiesparen

Günter Herkommer,

Kurze Amortisationszeiten sind nicht alles

Energiesparprojekte an möglichst kurzen Amortisationszeiten festzumachen, ist zu kurz gedacht. – Insbesondere dann, wenn ein solches Vorgehen aufgrund „falscher“ Kennzahlen das Ausschöpfen langfristiger, wesentlich höherer Potenziale verhindert.

© Danfoss

Die großen, internationalen Konzerne haben in den letzten Jahren lernen müssen, dass Anleger sehr sensibel auf die Größen reagieren, die die Unternehmenszahlen beeinflussen. Schon ein geringer Einbruch bei den Gewinnen – wohlgemerkt: nicht etwa Verluste! – führen zu dramatischen Aktionen auf dem Börsenparkett. Auf die Entwicklung von ROI, ROCE, EBIT, Cashflow und ähnlichen Kenngrößen schauen Aktionäre als erstes und strafen nicht erfüllte Erwartungen gnadenlos ab.

Also lohnt für Unternehmen – und dies gilt beileibe nicht nur für die internationalen Großkonzerne – ein genauer Blick auf die Größen, die einen direkten Einfluss auf genannte Kennzahlen haben. Da ist zuallererst die Verzinsung des eingesetzten Kapitals, in internationalen Begriffen verkörpert durch Kenngrößen wie Return on Capital Employed (Kapitalverzinsung), Return on Invested Capital (Kapitalrendite) oder die Weighted Average Cost of Capital (gewichtete durchschnittliche Kapitalkosten). Diese Größen liegen bei den meisten europäischen Unternehmen bei 10 bis 20 %.

Für technische Manager, die sich mit Energiesparprojekten auseinandersetzen, sind dies wichtige Zahlen. Sie zeigen ihnen, wie gut die Verzinsung ihres Kapitals – sprich der Kosten für die gewünschten beziehungsweise geplanten Projekte – wirklich sein muss. Übertreffen sie die oben angeführten Prozentsätze, sollten die Chancen für einen Realisierung des Projekts spürbar steigen.

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Zu kurze Amortisationszeiten kontraproduktiv

Im ersten Anlauf scheint die oft bemühte, kurze Rückzahlungszeit von nur einem Jahr der in das Projekt investierten Kosten ein guter Ansatz zum Durchsetzen von Energiesparprojekten zu sein. Doch halt: Beeinflusst eine kurze Rückzahlzeit wirklich die wesentlichen Kenngrößen der Bilanz? Und ist der Energieverbrauch überhaupt ausreichend dokumentiert, um Einsparmaßnahmen im Vergleich zu den Gesamtausgaben bewerten zu können? Häufig ist dies nicht der Fall, denn die Energiekosten werden etwa den Fixausgaben oder variablen Produktionskosten zugeschlagen und nicht einzeln ausgewiesen.

Die Grafik zeigt die empirisch ermittelten Durchschnittswerte, basierend auf der zehnjährigen Erfahrung von Danfoss Solutions bei Energiesparprojekten.

© Danfoss

Diese in vielen Unternehmen gängige Praxis, dass die Amortisationszeiten für Energiesparprojekte maximal ein Jahr betragen sollen, ist der Erfassung der dafür anfallenden Kosten im Budget für laufende Kosten geschuldet. Allerdings sind sie eher auf den kurzfristigen Erfolg und Effekt angelegt. Häufig lassen sich damit keine langfristigen Veränderungen beispielsweise in Prozessen oder dem Verhalten bei Mitarbeitern erreichen.

Trotzdem bieten solche Projekte durchaus eine attraktive Verzinsung. Sie können Einsparungen der Energiekosten von 3 bis 5 % pro Jahr erzielen, so die Beobachtung von Danfoss Solutions aus seinen vielen Projekten. Ein reales Beispiel mag dies verdeutlichen: Ein Unternehmen zahlt eine Energierechnung von etwa 10 Mio. Euro pro Jahr. Ein kurzfristig angelegtes Projekt würde – wie oben beschrieben – Einsparungen von 3 bis 5 % bei einer Amortisationszeit von einem Jahr bringen.

Nach der Erfahrung von Danfoss Solutions erreicht dabei das Unternehmen die recht hohe Rendite für das investierte Kapital von etwa 95 %. Würde das gleiche Unternehmen die gewünschte Kapitalrendite auf 25 bis 30 % reduzieren, was im Beispiel die Rückzahlzeit der Investition auf (nur) zweieinhalb Jahre erhöhen würde, so ließen sich durch die dann möglichen Spar- und Effizienzmaßnahmen schon 20 % Einsparungen erreichen, was 2 Mio. Euro entspräche – von den positiven Auswirkungen auf die Umwelt ganz abgesehen.

Die Kapitalrendite eines Energiesparprojekts im Vergleich zu der angestrebten Kapitalverzinsung von etwa 15 % einer typischen Investition in Technologie in einem Unternehmen.

© Danfoss

Meist zögern Unternehmen aber, Amortisationszeiten von mehr als zweieinhalb Jahren zu akzeptieren. Dabei lässt sich aus den durchschnittlichen Zahlen der über die Jahre hinweg realisierten Projekte deutlich ersehen, dass solche Projekte langfristig wesentlich mehr erreichen können. So liegen die durchschnittlichen ROI dieser langfristiger angelegten Projekte erfahrungsgemäß schon bei bis zu 40 % und übertreffen damit die oben genannten 10 bis 20 % deutlich. Zusätzlich bieten sie ein Einsparpotenzial bei den Energiekosten – verteilt auf Öl, Gas und Strom – von bis zu 15 %. Bei Amortisationszeiten von bis zu vier Jahren liegen dieselben Einsparungen schon bei 20 bis 30 % – langfristig gesparte Kosten, die direkt in die Bilanzierung eingehen.

Dies alles zeigt, dass für eine wirklich nachhaltige Firmenpolitik in Bezug auf Produktion und Energie-Effizienz im Unternehmen eine Kombination aus der Betrachtung kurzfristiger operationaler Ziele und dem Einsatz neuer Energiemanagementsysteme sowie neuester Technologie notwendig und unerlässlich ist. Und noch einen Aspekt sollten die Verantwortlichen in den Unternehmen mit in ihre Planung einbeziehen. Steigende Energiepreise sorgen dafür, dass sich beispielsweise Projekte, die heute eine Amortisationszeit in Bezug auf EBIT und Cashflow von fünf bis sechs Jahren haben, bereits 2020 nur noch drei Jahre benötigen – und damit interessanter werden. Also muss das Ziel sein, nicht nur auf die schnelle Amortisationszeit zu bauen, sondern solche Größen mit in die Kalkulation solcher Projekte mit einzubeziehen, die für das Unternehmen wirklich wichtig sind: Cashflow und EBIT. Daher sollten sich auch die Technischen Leiter in den Unternehmen mit den Grundmechanismen dieser Größen auskennen, um die Sprache der Finanzchefs zu sprechen.

Das geschilderte Beispiel zeigt, dass der Energieverbrauch ein strategischer Faktor zu werden scheint. Eine These, die bei dem einen oder anderen durchaus Kopfschütteln bewirken mag. – Konzentrieren sich Unternehmen doch meist auf die „wirklich wichtigen“ Dinge wie eine leistungsfähige Produktion, eine gute und angepasste Forschung und Entwicklung, hohe Qualität, Sicherheit der Produkte und der Produktion sowie ähnliche Bereiche. Eine weitere, häufig anzutreffende Meinung ist: Energie ist etwas, was das Unternehmen braucht, um zu funktionieren und zu produzieren, und so groß sind die Einflussmöglichkeiten auf das Betriebsergebnis ja doch nicht. – Oder etwa doch?

Kostenentwicklung bei der Energie

In der letzten Dekade haben sich die Energiekosten pro Jahr um etwa 10 bis 15 % erhöht. Für eine Brauerei beispielsweise ergibt sich daraus: 2010 lagen die Personalkosten bei 2,57 Euro pro Hektoliter, die Kosten für Energie in Form von Öl, Gas und Strom im Vergleich dazu bei 2,50 Euro pro Hektoliter. Mit obiger Steigerungsrate bei den Energiekosten liegt der Preis schon 2015 bei 3,57 Euro pro Hektoliter. Gleichzeitig gehen Experten davon aus, dass die Personalkosten pro Hektoliter aufgrund höherer Automatisierung und optimierter Prozesse weiter fallen.

Das Beispiel des Ölpreises zeigt es deutlich: Trotz einiger Schwankungen stieg der Preis durchschnittlich 12,5 % pro Jahr – und die neuesten Trends lassen eher einen schnelleren Anstieg für die nähere Zukunft erwarten, denn ein Sinken dieses rapiden Anstiegs.

© Danfoss

Daraus lässt sich ableiten, dass die Energiekosten rund zwei- bis viermal so schnell steigen, wie die Personalkosten. – Und dies, wo die Unternehmen letztere bisher immer als einen strategischen Grund für Verlagerungen von Produktionsstandorten und Optimierungen in Prozessen anführen und Ziel ständiger Optimierung sind! Ist es da nicht zu erwarten, dass so schnell steigende Kosten, wie die Energiekosten, langfristig einer der wesentlichen Faktoren werden?

Doch wie lässt sich die verbreitete Denkweise möglichst kurzer Amortisationszeiten ändern? Um die Vorteile solcher Projekte mehr hervorzuheben, ist es vorteilhaft, die kurzfristigen Ziele aus dem operativen Tagesgeschäft mit langfristigen Managementtechniken sowie einem fortschrittlichen Energiemanagement zu verknüpfen. Damit entsteht eine gute Basis für langfristig angelegte Investitionen.

In der Praxis sieht eine solche Investition drei Bereiche vor: Technische Teilprojekte mit einer Amortisationszeit von zwei bis vier Jahren, ein Energiemanagementsystem für eine gezielte Kontrolle, Beeinflussung und Optimierung des Energieverbrauchs auf langfristiger Basis sowie die Schulung der Mitarbeiter für einen sorgsameren Umgang mit Energie. Insgesamt bietet sich so ein Einsparpotenzial von 10 bis 20 % jährlich bei den Energiekosten, gleichzeitig aber eine IRR (Internal Rate of Return) von 25 bis 40 %, was die normale Verzinsung des eingesetzten Kapitals übersteigt.

Risikolos finanzieren

Auch bei der Betrachtung des Cashflows muss ein Umdenken stattfinden, um den Fokus aufgrund strategischer Bedeutung mehr auf Energiesparprojekte zu lenken. Die „Zauberformel“ hier heißt: ESCO mit EPC. Dabei steht ESCO für Energie Service Companys, die über garantierte Energie-Einsparung für einen kurz- und mittelfristig erreichbaren positiven Cashflow sorgen. Dazu bieten sie ihren Kunden beispielsweise die Finanzierung von Energiesparprojekten über sogenannte Energy Performance Contracts (EPC) an, die den Anwendern Leistungsgarantien geben und so deren interne Verzinsung des Kapitals beziehungsweise Einsparungen optimieren.

Dabei gibt es zwei Typen von ESCO-Projekten: In den meisten Fällen übernimmt das ESCO-Unternehmen die Finanzierung des Kundenprojekts mit eigenen oder Drittmitteln. In manchen Fällen, zum Beispiel bei Städten oder Gemeinden, die über eine günstige Finanzierungsmöglichkeit verfügen, kann auch der Kunde selbst eine günstige Finanzierung stellen.

Gleichgültig, wie das Geld aufgebracht wird: Das ESCO-Unternehmen garantiert die Höhe der Einsparungen und sichert so eine Rückzahlung des Kapitals aus den Einsparungen. Können die garantierten Werte nicht eingehalten werden, zahlt es die anfallenden Kosten und übernimmt so die Verantwortung für die Maßnahme. Typisch teilen sich beide Parteien die jährlichen Einsparungen während einer vereinbarten Rückzahlungsphase auf.

Danach erhält der Kunde die vollen Einsparungen und zieht somit den gesamten Vorteil aus den Maßnahmen.
Derartige Energiesparprojekte resultieren letztlich in einem positiven Cashflow – wenn nicht sofort, dann spätestens innerhalb der folgenden zwei bis drei Jahre. Diesen kann das Unternehmen nutzen, um weitere Umweltprojekte anzustoßen und für eine langfristig angelegte nachhaltige Produktion zu sorgen.

Neben den positiven Effekten auf die Gesamtbilanz eines Unternehmens können Energiesparprojekte noch etwas anderes bewirken: Sie können die Gelder für weitere „grüne“ Projekte erwirtschaften oder bereitstellen, die zwar kurzfristig nicht so attraktiv sind, aber langfristige Auswirkungen auf Klima, Umwelt und CO2-Ausstoß haben. Ein Beispiel dafür sind Technologien zur umweltgerechten Energiegewinnung wie Solarstrom oder Windenergie, Wasserkraft oder Biomasse-Anlagen. Denn ohne solche Projekte zu fördern, müssen wir langfristig mit Einschnitten bei der Energieversorgung rechnen – spätestens dann, wenn fossile Energieträger wie Öl, Gas und Kohle, aber auch Uran, zur Neige gehen, oder vollständig aufgebraucht sind.

Autor: Johnnie R. Jensen ist Präsident von Danfoss Solutions.

Zehn Aspekte für erfolgreiche Energiesparprojekte

  1. Konzentrieren Sie sich auf die IRR (Internal Rate of Return – interner Zinsfuß) – vergleichen Sie diesen Zinsfuß mit dem anderer Investitionen ihres Unternehmens.
  2. Beachten Sie die Auswirkungen steigender Energiepreise.
  3. Bedenken Sie, dass die Kosten für Energie strategische Bedeutung für das Unternehmen bekommen werden.
  4. Beachten Sie die Auswirkungen des Projekts auf EBIT und Cashflow.
  5. Überwachen sie Entwicklung der Energiekosten auf regelmäßiger Basis.
  6. Beachten Sie, dass bessere Kenngrößen nicht zwangsläufig zu einem absolut gesehen geringeren CO2-Ausstoß führen.
  7. Betrachten Sie Amortisationszeiten auch unter dem Aspekt des Cashflows und/oder EBIT und nicht nur die reine Amortisationszeit der Investition.
  8. Berücksichtigen Sie fehlende eigene Ressourcen und Finanzmittel, wenn Sie die Projekte selber durchführen wollen.
  9. Sprechen Sie die Sprache ihres Finanzvorstands oder der Geschäftsleitung.
  10. Erstellen Sie einen Business-Plan für ihr Unternehmen. Dieser hilft, notwendige Mittel für die Projekte zu erhalten, indem er den (mittel- und langfristigen) Einfluss auf die Gesamtbilanz zeigt.

Mehr als nur Analysten

Die Mitarbeiter von Danfoss Solutions unterstützen seit 2001 Unternehmen beim Energiesparen – anfangs vor allem in der Nahrungs- und Genussmittelindustrie, heute zunehmend auch in anderen Branchen. Neben einer Gruppe externer Berater gehören hierzu die Spezialisten aus dem Danfoss-Konzern selbst. Mit Hilfe des EnSave-Programms gehen sie über eine reine Beratung und Analyse hinaus und betreuen die Anwender beziehungsweise Betreiber auch bei der Implementierung der resultierenden Maßnahmen. Über entsprechende Messtechnik lassen sich dabei Kenngrößen aufnehmen, visualisieren und die erzielten Einsparungen in bare Münze umrechnen. Zu den Kunden zählen Unternehmen wie Danisco, Coca Cola, Cuauhtémoc Moctezuma (Heineken) und Unicer in Portugal oder auch Produktionsstandorte von Danfoss.

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