Hannover Messe 2025
Technologie trifft Politik
Vom 31. März bis 4. April 2025 findet die Hannover Messe statt. Dort zeigen Unternehmen nicht nur ihre technologischen Innovationen, die Messe gilt auch als Treffpunkt von Politik und Industrie.
Auf der Hannover Messe verschafft sich die Politik traditionell ihren Überblick über aktuelle Entwicklungen in der Industrie. Nicht nur der Bundeskanzler wird mit Vertretern des Partnerlandes erwartet, auch Ministerinnen und Minister von Bund und Ländern werden in den direkten Austausch mit Verbänden, Interessensvertretern und Unternehmen gehen. Der politischen Bedeutung der Messe ist sich auch Dr. Jochen Köckler, Vorstandsvorsitzender Deutsche Messe, bewusst. Im Rahmen der Vorpressekonferenz zur internationalen Industrieschau sagte er: „In den vergangenen Monaten war oft von geopolitischen Unsicherheiten die Rede. Doch unter anderem seit dem Amtsantritt des neuen US-Präsidenten hat sich diese Unsicherheit in eine schonungslose Klarheit gewandelt. Die USA verfolgen konsequent ihre ‚America First‘-Politik, während China seine Industrie massiv und gezielt unterstützt.“ Für Europa und Partner wie Kanada, das diesjährige Partnerland der Messe, sei es an der Zeit, enger zusammenzurücken und eine gemeinsame geo- und wirtschaftspolitische Strategie entschlossen voranzutreiben. „Auf der Hannover Messe wird Unsicherheit zu Sicherheit – sowohl technologisch als auch politisch“, fasst Köckler zusammen (Lesen Sie mehr dazu im nachgehakt!-Interview).
Köckler sieht die Hannover Messe als internationalen Treffpunkt, um Visionen gemeinsam voranzutreiben. Die thematische Breite der Hannover Messe lässt dies zu: Branchenübergreifende Themen wie die ‚All Electric Society‘ finden hier eine Plattform.
Antriebs- und Fluidtechnik als Fokus
In den ungeraden Jahren trifft sich unter dem Label ‚Motion & Drives‘ als größte Zulieferbranche des Maschinenbaus die Antriebs- und Fluidtechnik in den Hallen 4, 5 und 6.
Neben den Individualständen bietet der Bereich einen exklusiven Gemeinschaftsstand für VDMA-Mitglieder sowie ein messebegleitendes Forum, die ‚Motion & Drives Conference Stage‘, das die VDMA-Fachverbände Antriebstechnik und Fluidtechnik organisieren. Dort werden die aktuellen Branchenthemen diskutiert, wozu unter anderem Digitalisierung, Interconnectivity, Manufacturing-X, OPC UA, umati sowie Energiemonitoring und -effizienz, CO2-Fußabdruck, Digitaler Produktpass oder Kreislaufwirtschaft zählen. Zudem wird eine vom EU geförderten Forschungsprojekt ‚Fluid-4.0‘ organisierte Sonderschau digitale und nachhaltige Lösungen der Fluid- und Antriebstechnik demonstrieren. Ein Fokus wird dabei auf Herausforderungen der Systemarchitektur, des Energieverbrauchs, der PCF-Berechnung und der Kreislaufwirtschaft liegen.
Hermes Award 2025 – Die Nominierten
Im Rahmen der Eröffnungsfeierlichkeiten wird der ‚Hermes Award 2025‘ vergeben. Bereits Ende Februar nominierte eine unabhängige Jury unter den Einreichungen drei Unternehmen: Igus, Schaeffler und Siemens.
Bei dem nominierten Produkt ‚Mobile Shore Power Outlet‘ (iMSPO) von Igus handelt es sich um eine Innovation in der Landstromversorgung von Häfen. Das System bietet eine mobile und flexible Lösung, indem es Steckdosen für Schiffe entlang eines Liegeplatzes bis zu einer Entfernung von 400 m dort positionieren kann, wo sie benötigt werden. Dabei werden die Stromkabel in einer mit Rollen unterstützten Energiekette geführt, die speziell für lange Wege und schwere Lasten konzipiert ist. Dies schützt die Kabel vor Verschleiß und vermeidet Stolperfallen. Das System hat sowohl ökologische als auch ökonomische Vorteile: Emissionen schädlicher Stoffe werden in den Häfen gesenkt, da keine Dieselgeneratoren eingesetzt werden müssen. Gleichzeitig trägt das langlebige, wartungsfreundliche System dazu bei, die Betriebskosten zu senken und den wirtschaftlichen Nutzen für Hafenbetreiber zu maximieren.
Ebenfalls nominiert ist das Wälzlager ‚XZU‘ von Schaeffler. Das zweireihige Schrägnadellager verfügt über die gleichen Anschlussmaße wie die am Markt erhältlichen Kreuzrollenlager und ist damit eins zu eins austauschbar. Die Anordnung von sehr kleinen Zylinderrollen-artigen Wälzkörpern in einem zweireihigen Lager steigert die Kippsteifigkeit um 30 %, gleichzeitig wird der Reibwiderstand um 20 % reduziert und die Bahntreue um 40 % erhöht. Von hohem Nutzen ist es zum Beispiel in der Robotik oder Montageautomation sowie bei Werkzeugmaschinen.
Bei der nominierten Lösung von Siemens handelt es sich um KI-gestützte ‚Industrial Copilots‘. Sie helfen Arbeitskräften dabei, repetitive Aufgaben zu eliminieren und die Produktivität zu erhöhen und versetzen beispielsweise Ingenieure aller Erfahrungsstufen in die Lage, Software-Code viel schneller zu entwickeln. Im ‚TIA Portal‘ bietet der Konzern eine industrietaugliche Suite von Industrial Copilots, die die indus-trielle Wertschöpfungskette ganzheit-lich abdeckt – von Design und Planung bis hin zu Engineering, Betrieb und Service.
Kanadisches Unternehmen erhält Robotics Award
Schon im Vorfeld wurde der jährliche ‚Robotics Award‘ anlässlich der Hannover Messe Messe verliehen. Prämiert werden robotergestützte Automatisierungs- und Logistiklösungen. In diesem Jahr zeichnete die Jury das Projekt ‚MARI AARS‘ aus, eine KI-gesteuerte Robotikplattform für schnelle und codefreie Programmierung. Ermöglicht wird dies durch modernes 3D-Scannen, automatische Generierung von Roboterpfaden und eine intuitive grafische Flussdiagramm-Benutzeroberfläche, die die Abhängigkeit von Kodierung und CAD-Dateien eliminiert. Darüber hinaus umfasst die ‚MARI AARS Plattform‘ Funktionen, die Abweichungen ausgleichen und so ein gleichbleibendes Qualitätsniveau gewährleisten.
Die Preisübergabe erfolgte durch Dr. Jochen Köckler, Vorstandsvorsitzender Deutsche Messe: „Mit Maple Advanced Robotics wurde ein kanadisches Unternehmen ausgezeichnet, das für die enorme Innovationskraft unseres Partnerlandes steht. Kanada hat sich längst als ein führendes Land im Bereich der Robotik etabliert, mit einer starken Forschungsgemeinschaft und einer Kultur der Kreativität und Kollaboration. Das werden die kanadischen Unternehmen in diesem Jahr auf der Hannover Messe unter Beweis stellen.“











