Industrie 4.0

Meinrad Happacher,

Wer verdient an der Fabrik der Zukunft?

Industrie 4.0 – Chancen und Herausforderungen für den Produktionsstandort Deutschland. Unter diesem Motto stand der diesjährige VDI-Zukunftskongress. Über 230 Unternehmensvertreter und Wissenschaftler stimmten sich Ende Januar in Düsseldorf ein, auf das IT-lastige Fertigungs-Szenario der Zukunft.

Willi Fuchs, VDI: "Die IT-Sicherheit wird letztlich über den Erfolg oder Miss­erfolg von Industrie 4.0 entscheiden."

© VDI

Das Bedrohungs-Szenario steht: Wer bestimmt die Geschäfts- und Fertigungsprozesse in den Fabriken von morgen? "Heute haben wir die Prozesse für die Steuerung unserer Anlagen in der eigenen Hand beziehungsweise unter dem Dach der eigenen Fabrik", leitet VDI-Direktor Willi Fuchs in das Kongress-Thema. "Doch es ist sehr wohl vorstellbar, dass die Fabrik der Zukunft übergeordnet, etwa in einer Automation Cloud gesteuert und automatisiert wird. Dies eröffnet Möglichkeiten für völlig neuartige Geschäftsprozesse, die dann auch von Unternehmen ausgeführt werden könnten, die heute auf der Landkarte der Produktion und Automation nicht zu finden sind." Fuchs denkt in diesem Zusammenhang an Netzdienstleister und reine Software-Anbieter – und „diese müssen nicht in Deutschland ansässig sein – und die erforderliche Hardware auch nicht!“ Wie schnell so etwas gehen und wie stark eine solche Entwicklung eine ganze Branche umkrempeln kann, zeigte vor ein paar Jahren die Musikindustrie. Wer hätte etwa gedacht, dass sich eine ganze Branche von heute auf morgen dem Diktat einer Online-Plattform namens itunes beugen muss.

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Prof. Detlef Zühlke, DFKI: "Kümmern Sie sich um die Information und nicht um das Gerät: Eine Hardware-SPS etwa braucht man eigentlich nicht mehr!"

© Computer&AUTOMATION

Was konkret mit Industrie 4.0 auf die Produktionstechnik zukommt, und inwiefern sie in den Händen der derzeitigen Player bleibt, weiß heute noch niemand. Fuchs ist sich aber sicher, dass das Zusammenwirken der Disziplinen Informations- und Kommunikationstechnik, Mikrosystemtechnik, Maschinen- und Anlagenbau und der Automation nicht folgenlos bleiben wird: "Die anstehende Informatisierung und Flexibilisierung der Produktion kann erhebliches Potenzial freisetzen." Sein Szenario: Die existierenden starren Strukturen von Fertigungsanlagen und Wertschöpfungsketten brechen vollständig auf; die Fabrik der Zukunft passt sich dynamisch an – bei Änderung von Lieferanten, bei Änderung von Materialien, bei Änderung von Dienstleistern.

Dass ein enormer Wandel der Fertigungstechnik bevorsteht, unterstreicht auch Prof. Detlef Zühlke vom Deutschen Forschungszentrum für künstliche Intelligenz in seinen Ausführungen. Er appelliert an die Unternehmer: "Kümmern Sie sich zukünftig um die Information und nicht mehr um das Gerät als solches!" Zühlke beschreibt in seinen Ausführungen, wie die App-Welt zusehends als Treiber einer Smart-Welt fungiert; wie auch in der Fertigungstechnik Hardware zusehends durch Modellierung abstrahiert werde. "Eine Speicherprogrammierbare Steuerung zum Beispiel braucht man eigentlich nicht mehr", wirft er in den Raum und erläutert, wie sein Forschungszentrum in Zusammenarbeit mit Phoenix Contact in kurzer Zeit eine SOA-SPS realisiert habe.

Prof. Dieter Wegener, Siemens: "Innerhalb der Maschinen bleibt die Automatisierungspyramide eventuell bestehen."

© VDI

Aber wie wird die Struktur der automatisierten Fertigung in Zukunft aus­sehen? Wird sich eine Industrie 4.0, wie sie die Acatech definiert hat wirklich 1:1 umsetzen lassen? Zur Erinnerung: Laut Acatech sollen sich in einer Industrie 4.0 global vernetzte Produk­tionseinheiten – Cyber Physical Systems – eigenständig organisieren, um Produktionsaufträge durchzuführen. Dieter Wegener, Leiter der Vorfeld-Entwicklung des Sektors Industry bei Siemens kann sich ein solches Szenario durchaus vorstellen, schränkt aber ein, dass der Weg dorthin keine Revolution, sondern vielmehr eine Evolution sein werde. Grund ist: "Wir brauchen zunächst das Zusammenwachsen der realen und virtuellen Welt – und das über den ganzen Produkt-Lebenszyklus vom Produkt-Design, über das Fabrik- und Anlagendesign, das Automatisierungsdesign, bis hin zur Produktion." – Noch ein langer, steiniger Weg!

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