nachgehakt! – bei Dr. Thomas Kuhn
Von der Theorie in die Praxis
Im Rahmen des Forschungsprojekts »BaSys – Basissystem Industrie 4.0« möchte das Fraunhofer IESE mit Partnern Firmen den Einstieg in Industrie-4.0-Lösungen ermöglichen. Dr. Thomas Kuhn, Division Manager Embedded Systems beim Fraunhofer IESE, erläutert den Status quo.
Herr Kuhn, Sie arbeiten mit Partnerfirmen seit 2016 im Rahmen des Forschungsprojekts ‚BaSys 4.0‘ an der Entwicklung der Open-Source-Middleware Eclipse BaSyx. 2021 gingen Sie mit dem 1. Release an den Markt. Was kann BaSyx heute, wie können Firmen die Middleware für die Industrie-4.0-Einführung nutzen?
Dr. Thomas Kuhn: Interessierte Unternehmen können heute jederzeit die Middleware BaSyx für ihren individuellen Anwendungsfall nutzen – und tun das auch. Wir sprechen hier also wirklich über Betriebe, die die Technologie bereits vollständig in ihre Produktion integriert haben. Dafür steht ihnen die Technologie auch Open Source zur Verfügung. Außerdem haben wir speziell darauf geachtet, sie modular aufzubauen, sodass sich jede Firma die Bestandteile aus dem ‚Baukasten‘ heranziehen kann, die gerade benötigt werden. Woran wir aktuell noch arbeiten, ist, die Inte- gration von BaSyx in Bestandsanlagen weiter zu verbessern und die Datenflüsse zu optimieren.
Sie wollen jetzt auch explizit den Mittelstand ansprechen. Wer nutzt BaSyx bis dato und wie quantifizieren Sie die bisherige Resonanz?
Dr. Kuhn: Sagen wir es so: Bei den Unternehmen, die BaSyx bereits nutzen, handelt es sich noch oft um Early Adopter, also um solche Firmen, die sich per se sehr für die Technologie interessieren. Über die Jahre hinweg hat sich eine recht beachtliche Summe an Software-Downloads ergeben – immerhin sprechen wir aktuell über 116.000 Downloads. Trotzdem muss man ehrlicherweise sagen: Das Einsatzpotenzial von BaSyx ist bei Weitem noch nicht ausgeschöpft.
Welche Herangehensweise an das Thema würden Sie insbesondere den Interessenten aus dem Mittelstand empfehlen?
Dr. Kuhn: In einem ersten Schritt ist es sehr hilfreich, wenn sich Unternehmen möglichst einfach und niedrigschwellig darüber informieren können, welche Möglichkeiten ihnen der Einsatz von BaSyx bietet. Für diesen Fall haben wir die Eclipse BaSyx Open Hour eingerichtet, eine Art offene digitale Sprechstunde, bei der sich unsere Expertinnen und Experten einmal pro Monat Zeit nehmen, um Fragen aus der Community zu beantworten. Die Open Hour findet immer am ersten Freitagmorgen eines jeden Monats statt und ist kostenlos.
Was zeigten Sie in puncto BaSyx auf der diesjährigen Hannover Messe?
Dr. Kuhn: Wir zeigten anhand eines Demonstrators, wie sich eine vollständig digitalisierte und flexible Fabrik mit Hilfe von digitalen Zwillingen und Verwaltungsschalen umsetzen lässt. Das heißt, es ging um die konkrete Anwendung von BaSyx – und zwar bei einer Schokoladenfabrik in Miniaturformat.
Wie sehen die weiteren Entwicklungsschritte aus?
Dr. Kuhn: Im November vergangenen Jahres ist das dritte Forschungsprojekt dieser Reihe gestartet, nämlich ‚BaSys4Transfer‘. Die beiden Vorgänger-Förderprojekte ‚BaSys 4.0‘ und ‚BaSys 4.2‘ konnten zuvor erfolgreich abgeschlossen werden. Beim aktuellen Forschungsprojekt geht es nun darum, eine virtuelle Engineering-Umgebung zu realisieren. Dabei werden wir eine virtuelle Fabrik erstellen, die es zum einen den Mitarbeitenden in den Fabriken ermöglicht, sich wesentlich näher und anschaulicher mit der Gesamtthematik zu beschäftigen. Langfristig gesehen ist die Digitalisierung der Produktion in einem einzelnen Unternehmen erst der Anfang, der nächste Schritt sind dann digitale Lieferketten. Dafür benötigt man neben der Digitalisierung auch Datenräume, die es erlauben, Daten zu teilen, gleichzeitig aber sicherzustellen, dass die Besitzer der Daten jederzeit die Kontrolle über deren Nutzung haben. Um dies zu ermöglichen, arbeiten wir mit unseren Partnern an der Integration von BaSyx mit Plattformen für Datenräume, wie zum Beispiel Gaia-X.













