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Artikel und Hintergründe zum Thema

Intelligente Netze

Jan Bihn,

Smart Grid im Praxistest

In dieser Woche (15. April) starten Siemens und das Allgäuer Überlandwerk (AÜW) mit Sitz in Kempten ein Projekt zum Test eines Smart Grids in der Praxis. Partner des vom Bund geförderten Projekts sind zudem die RWTH-Aachen und die Hochschule Kempten.

© AÜW

Vertragsunterzeichnung am 12. April in Wiepoldsried:(v.l.) Dr. Richard Hausmann von Siemens, Michael Lucke, Geschäftsführer AÜW, Michael Fiedeldey, Geschäftsführer bei Allgäunetz, und erster Bürgermeister Arno Zengerle.

© AÜW

Der Stromversorger AÜW stellt für das Smart-Grid-Pilotprojekt einen Teil seines Stromversorgungsnetzes rund um Wildpoldsried zur Verfügung. Siemens implementiert dort eine neu entwickelte Software, mit der sich die Energieverteilung genauer als bisher planen und koordinieren lässt. Auf diese Weise soll das Netz effizienter ausgenutzt werden. „Das in Wildpoldsried geplante Smart Grid bietet für alle Beteiligten Vorteile: Die Verbraucher können über verändertes Verbrauchsverhalten Kosten sparen; die Erzeuger können ihren Strom effizienter vermarkten; die Netzbetreiber müssen wegen des verbesserten Managements zwischen Stromerzeugung und -verbrauch weniger Leistungskapazität vorhalten, um Verbrauchs- und Angebotsspitzen abzufangen“, sagte Richard Hausmann, Chef des Siemens-Konzernprojektes Smart Grid Application.

Die Gemeinde Wildpoldsried wurde ausgewählt, weil hier bereits deutlich mehr Strom regenerativ erzeugt als verbraucht wird. Die vielen Photovoltaikanlagen, Windturbinen und Biogasanlagen, die die AÜW bereits ins Verteilnetz eingebunden hat, sollen im Sinne eines intelligenten Stromversorgungsnetzes betrieben werden. Dies schließt den Aufbau einer Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge ein, die den umweltfreundlich erzeugten Strom – zum Beispiel aus Photovoltaikanlagen – nutzen können. Die Elektrofahrzeuge sollen im Smart Grid Strom speichern, wenn er im Überfluss zur Verfügung steht und zu Spitzenlastzeiten zurückspeisen.

Michael Fiedeldey, Geschäftsführer des Betreibers Allgäunetz, verspricht sich von dem Pilotprojekt Lösungsmöglichkeiten für künftige Netz-Herausforderungen: "Wenn wir die Verbrauchs- und Angebotsspitzen in unserem Verteilnetz abfangen können, müssen wir weniger Leitungskapazität ausbauen um weitere Photovoltaik-, Windkraft- und Biogasanlagen einzubinden“. Im Gemeinschaftsprojekt geht es im nächsten Schritt darum, wo zusätzliche Messtechnik gebraucht wird, um kontinuierlich über den Zustand und die Auslastung des Netzes informiert zu sein. Die Messung von Strom und Spannung in engen Intervallen an lokalen Messstellen bildet die Voraussetzung für eine effiziente Regelung des Netzes. Sobald die Messtechnik installiert ist und Messdaten vorliegen, soll die Software mit den neuen Erkenntnissen auf die Gegebenheiten in Wildpoldsried eingestellt werden.

Michael Lucke, Geschäftsführer beim AÜW, erwartet von dem Gemeinschaftsprojekt vor allem Vorteile für die Kunden: „Stromangebot und -bedarf werden über marktähnliche Regelmechanismen ausgeglichen. Wir sehen in dem neuen Gemeinschaftsprojekt einen enormen Vorteil für die Verbraucher, indem diese ihre Sparmöglichkeiten und wir als Erzeuger unser Leistungsvolumen optimal ausschöpfen."

Das Projekt „IRENE“ (Integration regenerativer Energien und Elektromobilität) ist vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert und hat eine Laufzeit von zwei Jahren.

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