PNO-Vorstand Xaver Schmidt im Interview
Ende des SPE-Stecker Dramas?
Seit 2019 gibt es für Single Pair Ethernet entsprechende Steckverbinder. Leider kursieren in der Branche zwei unterschiedliche Varianten des Steckgesichtes. PNO-Vorstand Xaver Schmidt erläutert, wie es um die Erfüllung des Anwenderwunsches nach einem einheitlichen SPE-Steckgesicht steht.
Herr Schmidt, werfen wir einen Blick zurück: Wie kam es, dass sich die Branche zwei unterschiedliche Stecker-Lösungen – eine von der SPE Industrial Partner Network und eine von der SPE System Alliance - leistet?
Xaver Schmidt: Erfahrungsgemäß entstehen bei der Einführung neuer Basistechnologien oft verschiedene Lösungsansätze. Jede dieser Varianten versucht, durch ihre spezifischen Eigenschaften bestimmte Vorteile zu bieten. Dies beobachten wir nicht nur in diesem Fall, sondern auch bei vielen anderen technologischen Entwicklungen.
Die entscheidende Frage ist, wann der Punkt erreicht ist, an dem man den oft herausfordernden Weg der Standardisierung für einen bestimmten Markt und Anwendung einschlägt. Wir sind überzeugt: Das Erarbeiten eines einheitlichen Stecker-Standards für SPE ist notwendig, um eine breite Akzeptanz und Etablierung an diesem Markt zu erreichen.
Seit Jahren klagen die Gerätehersteller und die Anwender über diesen Zustand. Viele hoffen auf die ODVA und die PNO als die »Mächte in der Branche«, die ein Machtwort sprechen, beziehungsweise eine Entscheidung herbeiführen.
Das Machtwort kommt nicht von der PNO, sondern von den Anwendern und Geräteherstellern. Insbesondere Anwender sehen einen Blockadepunkt in nicht kompatiblen Angeboten. Wörtlich musste ich mir nicht nur einmal anhören: »Bevor das nicht gelöst ist, brauchen wir nicht weiterzureden!« – Eine Reaktion, die nachvollziehbar ist und einen Zustand beschreibt, der die Umsetzung von Innovationen bremst oder schlimmstenfalls sogar stoppt.
Die Kernaufgabe und der Auftrag einer Standardisierungsorganisation bestehen darin, eine kompatible und technisch hervorragende Lösung zu finden – und natürlich sollte sie auch in Anwendungen einfach umsetzbar sein. Und dieser Aufgabe sind wir uns bewusst und setzen sie jetzt auch in puncto SPE um.
Das heißt konkret?
Wir haben das Thema aktiv in unseren Gremien und Arbeitskreisen vorangetrieben; wir haben einen konkreten Plan aufgestellt und sind die Lösung gemeinsam mit vielen Experten angegangen, denn wir brauchen eine durchgängige Lösung! Der »schönste« Stecker nützt wenig, wenn die darüberliegenden Schichten in der Kommunikation nicht abgestimmt sind. Stichwort »Durchgängigkeit«. Auch dies muss technisch gelöst werden und das sind wir parallel angegangen!
Wie gestaltet sich nun der aktuelle Status Quo?
Die Experten unserer Arbeitsgruppen haben im Auftrag des Beirats und Vorstands auf Basis eines bereits standardisierten Steckgesichts, das im Hybridstecker (Variante 63171-7) eingesetzt wird, ein Konzept entwickelt, um diesen auch für IP20 und IP65 (M8 und M12) einzusetzen. Nach umfangreichen Diskussionen und Klärungen, sowohl mechanisch als auch elektrisch, haben wir ein Ergebnis erzielt, das sowohl durchgängig ist als auch beste technische Eigenschaften und Benutzerfreundlichkeit bietet.
Der nächste Schritt ist nun die entsprechende Erweiterung des -7 Standards, auf den wir in unseren Richtlinien referenzieren werden.
Sie präsentieren nun also einen neuen, dritten Stecker. Wer arbeitet an dieser Erweiterung des Standards mit?
Alle wesentlichen Anbieter sind in unseren Working Groups vertreten und arbeiten konstruktiv an unseren Plänen mit. Es geht darum, einen Nutzen für alle zu schaffen – und ich bin überzeugt, dass sich dieser Ansatz durchsetzen wird.
»Alle wesentlichen Anbieter sind in unseren Working Groups vertreten und arbeiten konstruktiv an unseren Plänen mit.«
Auch die ODVA müht sich seit Jahren, eine Lösung für dieses Stecker-Dilemma zu finden. Müssen wir nun vielleicht auch noch einen vierten Stecker erwarten?
Ich kann natürlich nicht für die ODVA sprechen, weiß aber, dass wir bezüglich SPE dasselbe Ziel haben. Und das heißt sicher nicht: »Wir wollen vier unterschiedliche SPE-Stecker!«
Wie geht’s nun weiter?
Es wird sich sicherlich noch ein Jahr hinziehen, bis die Standardisierung abgeschlossen ist und einsatzbereite Stecker am Markt sind. Aber damit hört unsere Arbeit nicht auf. Wir sind auch auf anderen Ebenen aktiv. Zum Beispiel haben wir notwendige Erweiterungen bei der Powerclass-Definition erarbeitet und bringen diese in die entsprechenden IEC-Standards ein. Damit haben Hersteller und Anwender einen klaren Weg, um SPE-Konzepte in Geräten und Anlagen umzusetzen.
Zudem ist uns klar, dass noch weitere Schritte notwendig sind, wie Zertifizierung, Richtlinien für Anwender und Schulungen – die üblichen Aufgaben, um eine Technologie erfolgreich im Markt einzuführen und zu etablieren. Aber das ist für uns nichts Neues, damit haben wir viel Erfahrung, seit mittlerweile 35 Jahren.










