OPC UA

Meinrad Happacher,

OPC UA im Reifemodus

Ein weltweiter Standard des Internets der Dinge – die OPC Foundation sieht sich mit OPC UA auf dem besten Weg zu diesem Ziel. Die Neuheiten der Foundation auf der diesjährigen Hannover Messe im April und darüber hinaus im Querschnitt.

© OPC Foundation

Die OPC Foundation gewinnt immer noch an Popularität. Zum 24. April weist die Organisation 602 Mitgliedsfirmen aus – Tendenz steigend. Bei der Verkündigung an Neuheiten kommt Stefan Hoppe schnell zu einem der wichtigsten realisierten Themen: So hat die OPC Foundation im Februar den Teil 14 des OPC-UA-Standards freigegeben: bekannt als Publish-Subscribe oder kurz ‚PubSub‘. Die Spezifikation erweitert den Einsatzbereich von OPC UA um vielfältige weitergehende Anwendungsfälle bis in die unterste Feldebene.

Stefan Hoppe: "Die neue PubSub-Erweiterung hebt das OPC-UA-Eco-System auf eine neue Stufe."

© Computer & AUTOMATION

Neben dem bestehenden Request/Response-Verfahren, das eine ‚stehende‘ Verbindung zwischen OPC Client (Datenkonsumenten) und OPC Server (Datenanbieter) voraussetzt, wird es zukünftig einen weiteren Kommunikationsmechanismus nach dem Publish-Subscribe-Prinzip geben. Damit wird OPC UA in weiteren Anwendungsbereichen einsetzbar. Beispielsweise senden in Sensornetzen und Cloud-Anwendungen typischerweise sehr viele Geräte ihre Daten an einen Empfänger (many-to-one). Bei dem Publish-Subscribe-Verfahren sendet ein Publisher (OPC Server) seine Daten verbindungslos ins Netzwerk und viele Subscriber (Clients) können diese Daten empfangen, ohne dass eine ressourcenintensive Verbindung bestehen muss. Im Industriellen Internet der Dinge (IIoT) und ebenso in Anwendungen im Bereich Industrie 4.0 kann die Kommunikation über Broker in der Cloud realisiert werden. Hierbei können viele hundert oder gar tausende Geräte Informationen publizieren und Subscriber erhalten die Nachrichten vom Broker in der Cloud. Dabei kommen Standardprotokolle wie beispielsweise AMQP und MQTT zum Einsatz. Neben einer Sensor- oder Cloud-Anbindung in einem Many-to-one-Szenario bringt die verbindungslose Pub/Sub-Kommunikation weitere Vorteile mit sich. In einer lokalen Kommunikation zwischen untereinander bekannten Teilnehmern, wie beispielsweise Industriesteuerungen, müssen oftmals nur geringe Datenmengen übertragen werden. In vielen Fällen sind hierbei Antwortzeiten zu garantieren und somit deterministische Echtzeit-Anforderungen zu erfüllen. Dafür soll die Pub/Sub-Kommunikation mit den neuen Erweiterungen von Ethernet für Time Sensitive Networks (TSN) kombiniert werden. Über TSN-fähige Netzwerk-Komponenten (Switches) ist dann eine Echtzeit-Kommunikation zwischen Steuerungen verschiedener Hersteller möglich. 

Erste PubSub-Implementierungen konnten laut Stefan Hoppe in 8-Bit-Controllern mit nur 2 kByte SRAM realisiert werden. 

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Euromap 77

Den Datenaustausch zwischen Spritzgießmaschinen und Leitrechner beziehungsweise MES regeln – das ist Ziel des nun veröffentlichten Standards Euromap 77. Konkret ist mit Euromap 77 der erste OPC-UA-basierte Standard für digitale Schnittstellen im Bereich Kunststoff- und Gummimaschinen verfügbar. Euromap 77 wurde am 4. Mai veröffentlicht und steht unter http://www.euromap.org zum Download bereit.

Um die Produktionseffizienz zu steigern, setzen immer mehr Kunststoffverarbeiter weltweit auf die digitale Vernetzung von Maschinen und Komponenten. In den meisten Produktionsanlagen wird Equipment unterschiedlicher Hersteller eingesetzt. Kann der Verarbeiter bei der Vernetzung auf standardisierte Schnittstellen zurückgreifen, entfällt der hohe Konfigurationsaufwand beim Anpassen individueller Lösungen. Euromap, das Europäische Komitee der Hersteller von Kunststoff- und Gummimaschinen, entwickelt diese Standards für die herstellerübergreifende Kommunikation auf der Basis von OPC UA. OPC UA erlaubt die Kommunikation zwischen agierenden und erfassenden Systemen und ist damit ein wichtiger Bestandteil von Industrie 4.0“, bestätigt Jonas Schwarz, Product- and Technology-Manager bei Krauss Maffei. 

Der Standard Euromap 77 bietet im Vergleich zum Vorgänger Euromap 63 ein erweitertes Spektrum an Funktionalitäten. Mit Euromap 77 können Maschinen unterschiedlicher Hersteller mit deutlich reduziertem Aufwand vernetzt werden, zum Beispiel für das Monitoring, die Prozessdatenerfassung oder das Jobmanagement. Prototypische Implementierungen des Release Candidate liegen seit Frühjahr 2018 vor: Der Standard wurde während zweier Plugfeste von den an der Entwicklung beteiligten Unternehmen getestet. 
 

Companion Specs für Antriebe

Der VDMA arbeitet derzeit mit Hochdruck an Companion Specifications, sogenannten Informationsmodellen über Produkte und deren Fähigkeiten. Jüngste Aktivität diesbezüglich: Der Arbeitskreis Industry 4.0/OPC UA Drive Technologie startete am 17. April die Erarbeitung von OPC UA Companion Specifications für die Antriebstechnik. Als Grundlage dient hierzu die Kommunikationsarchitektur OPC UA. Als essenzieller Bestandteil vieler Maschinen und Anlagen bestimmen Antriebe in vielfältiger Weise deren Kosten, Energie-Effizienz und Optimierungspotenziale. Für Industrie-4.0-Anwendungen und -Prozesse bilden intelligente Antriebskomponenten einen aktiven Teil und sind somit Grundlage für vernetze Services und Geschäftsmodelle der Zukunft.

Aus diesem Grund hat sich der neue VDMA-Arbeitskreis Industry 4.0 / OPC UA Drive Technology die Erarbeitung von herstellerübergreifenden OPC UA Companion Specifications für das Antriebssystem – inklusive der Übertragungselemente – als Aufgabe vorgenommen. Um sich hierbei mit bestehenden, relevanten Aktivitäten zu verzahnen, steht der Arbeitskreis in enger Abstimmung mit branchenspezifischen OPC-UA-Gremien. Als wichtiger zusätzlicher Schritt ist seitens des Arbeitskreises der Zusammenschluss als Joint Working Group mit der OPC Foundation vor­gesehen.
 

VDW setzt auf OPC UA

TSN und OPC UA – ein fester Bestandteil des Messestandes der OPC Foundation. Die Unterschiede des Demo-Aufbaues des IIC und des LNI scheinen nur marginal: Das IIC bindet mit den Sick-Produkten auch die Sensorik …….

© OPC Foundation

Der VDW, Deutschlands führender Verband der Werkzeugmaschinenhersteller, hat OPC UA als Basistechnologie für den Aufbau der langfristigen Industrie-4.0-
Strategie des VDW übernommen. Der VDW vertritt über 120 mittelständische Unternehmen im Werkzeugmaschinenbau und kooperiert mit der OPC Foundation und führenden Anbietern wie den VDW-Mitgliedern Chiron, DMG Mori, Emag, Grob, Heller, Liebherr Verzahntechnik, United Grinding, Trumpf und deren Steuerungslieferanten wie Beckhoff, Bosch Rexroth, Fanuc, Heidenhain und Siemens. Als erstes gemeinsames Ziel wird diese Firmengruppe eine offene, konsistente OPC-UA-basierte Abbildung für herstellerübergreifende und maschinenübergreifende Kommunikation aufbauen, um kontextreiche Daten untereinander und mit erweiterter unternehmens- und cloudbasierten IT-Infrastrukturen auszutauschen. Dazu erklärt Dr. Heinz-Jürgen Prokop, Vorsitzender des VDW: „Unser Ziel ist die durchgängige Vernetzung der Produktion; das Vehikel dafür ist OPC UA und die Energie, die uns antreibt ist der gemeinsam festgelegte Gleichanteil der Daten, die wir dafür austauschen müssen.“

….. mit ein in die TSN-OPC-UA-Kommunikation (Bild links);  das LNI beschränkt dies noch auf die Controller-Controller-Ebene. Technisches Ziel ist es, beide Testbeds über ein Ethernet-Kabel zu verbinden und gemeinsam zu betreiben.

© OPC Foundation

Mit der Entscheidung des VDW, OPC UA als Interoperabilitätsplattform für Werkzeugmaschinen zu nutzen und ihre Informationsmodelle zu standardisieren, adressiert der VDW zwei zentrale Herausforderungen, denen sich Maschinenbauer stellen müssen, damit sie und ihre Kunden den Wert von Industrie-4.0-fähigen Maschinen realisieren können. Erstens wird eine offene Kommunikation zum Austausch roher, kontextreicher Maschinendaten in Produktionsumgebungen mit unterschiedlichen Maschinen und unterschiedlichen Steuerungen benötigt. Bisher war dies aufgrund der Anzahl von proprietären und inkompatiblen Datenmodellen und -protokollen, die sowohl von Maschinenbauern als auch von übergeordneten Automatisierungsanbietern verwendet wurden, nicht möglich. Die Definition gemeinsamer OPC-UA-Informationsmodelle für Werkzeugmaschinen und die Verwendung der OPC-UA-Funktionalität für Datenkonnektivität soll dieses Problem beheben.

Thomas J. Burke freut sich über die Zusammenarbeit mit dem VDW: "Wir werden damit die nahtlose Interoperabilität der Produkte von Maschinenbauern und Automatisierungslieferanten enorm voranbringen."

© Computer & AUTOMATION

Zweitens brauchen Maschinen eine sichere Verbindung mit dem ‚Rest der Welt‘ welche allerdings den Zugriff regulieren kann und daher Authentifizierung und Zugriffschutz bietet. Auch müssen Daten gegebenenfalls vorverdichtet und gepuffert werden, da gerade Rohdaten in höherer Auflösung nicht in Echtzeit durch das Netzwerk geschickt werden können, ohne die Maschinen-Performance zu beeinträchtigen. All diese Funktionen übernimmt ein Gateway, das als zweite Projektphase spezifiziert und implementiert wird.

Thomas J. Burke, Präsident der OPC Foundation, erklärt: „Die OPC Foundation freut sich, mit dem VDW zusammenzuarbeiten, um aus dem umfangreichen, vordefinierten Datenmodell des VDW eine entsprechende OPC-UA-Companion-Spezifikation zu entwickeln, die es Mitgliedern der OPC Foundation und des VDW ermöglicht, einfach und schnell zertifizierte Produkte zu entwickeln, welche die nahtlose Interoperabilität zwischen Maschinenbauern und Automatisierungslieferanten dramatisch erweitern wird.“

Die ZVEI-Kooperation

Die OPC Foundation und der ZVEI (Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e.V.) haben auf der Hannover Messe ein Memorandum of Understanding zu gemeinsamen Aktivitäten bezüglich des Themas Industrie4.0 gezeichnet. Der erste Schwerpunkt ist ein OPC-UA-basiertes Mapping der Industrie-4.0-Verwaltungsschale – kurz ‚I4AAS‘ (Industrie 4.0 Asset Administration Shell).

Gunther Koschnick und Stefan Hoppe besiegeln die gemeinsamen Aktivitäten des ZVEI und der OPC Foundation in puncto Industrie 4.0.

© OPC Foundation

Unter dem Dach der OPC Foundation wird das bisher technologieunabhängig definierte Konzept der I4AAS in die Technologie von OPC UA abgebildet. Die konzeptionelle Basis der I4AAS ist das Ergebnis der Plattform Industrie 4.0 Arbeitsgruppe 1 ‚Normen, Standards und Referenzarchitektur‘, des ZVEI-Spiegelgremiums ‚SG Standards und Modelle‘ und der ZVEI-Projektgruppe ‚Verwaltungsschale im Detail‘. Um die Interoperabilität der I4AAS mit den OPC-UA-Companion-Spezifikationen – entwickelt vom VDMA – zu gewährleisten, ist der VDMA neben dem ZVEI weiterer Partner in der neuen gemeinsamen OPC-Arbeitsgruppe.

Gunther Koschnick, Geschäftsführer ZVEI-Fachverband Automation, sagt: „Industrie 4.0 ist in der Umsetzungsphase. Die Implementierung der I4.0-Verwaltungsschale in OPC UA bringt die Industrie-4.0-Vision der interoperablen Kommunikation von Komponenten und Betriebsmitteln einen signifikanten Schritt nach vorn.“

Und Stefan Hoppe ergänzt: „Die OPC Foundation strebt an, die Industrie-4.0-Verwaltungsschale technisch als OPC UA Companion Specification I4AAS zu definieren.“ Aktuell arbeiten sieben bekannte Gruppen an prototypischen Implementationen der I4-Verwaltungsschale basierend auf OPC UA. Die zukünftige gemeinsame Arbeitsgruppe I4AAS hat das Ziel, alle diese Aktivitäten zu harmonisieren, aber auch mit anderen Interessengruppen – wie dem VDMA – zu koordinieren, um die I4AAS beispielsweise mit der Initiative ‚VDMA Maschinenbau CS Typ A‘ zu synchronisieren – welche die grundlegenden Eigenschaften und Funktionalitäten der Maschinenbauindustrie definiert.

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