Netzwerk-Management
Eine Kommunikations-Latenz vermeiden
Potenzielle Kommunikations-Latenz aufgrund von wechselnden Topologien, Datenverkehrsstau oder fehlende Priorisierung von Paket-Warteschlangen sind häufige Probleme in typischen End-to-End-Netzwerken wie etwa Umspannstationen. Ein PRP-/HSR-Netzwerk-Management, das Scada-Systeme mit speziell entwickelter Management-Middleware einsetzt, kann derartige Probleme vermeiden.
Die traditionelle Struktur von Automatisierungssystemen wie beispielsweise in der Energiewirtschaft und dort in Umspannstationen, ist eine festverdrahtete End-to-End-Vernetzungstopologie. Diese sorgt dafür, dass die gesamte Kommunikation in Echtzeit vonstattengeht und kurze Reaktionszeiten sichergestellt sind. Sofern die Netzwerk-Kommunikation jedoch auf ein Ethernet-basiertes Netzwerk aufgerüstet wird, sind alle Infrastruktur-Geräte, wie Switches und Router, ins Netzwerk eingebunden. Daraus resultiert eine potenzielle Netzwerk-Kommunikationslatenz aufgrund von wechselnden Topologien. Datenverkehrsstau oder schlechte Priorisierung von Paket-Warteschlangen sind weitere Probleme. In betriebskritischen oder zeitsensiblen Anwendungen jedoch können selbst Netzwerk-Unterbrechungen im Millisekunden-Bereich nicht toleriert werden, da sie den Systembetrieb stark beeinträchtigen beziehungsweise die Sicherheit des Personals vor Ort gefährden.
Der IEC-62439-Standard schreibt vor, dass die Zeit, welche die Anlage zur Wiederherstellung benötigt, bevor Notfallmaßnahmen einsetzen (wie die Notabschaltung oder der Sicherheitsmodus), weniger als 10 Millisekunden betragen muss. IEC 61850 Edition 2 besagt außerdem, dass die Kommunikationsredundanz-Zeiten von Protokollen wie GOOSE und SMV in den Automatisierungssystemen von Umspannstationen unterbrechungsfrei (null Switch-over Zeit) sein müssen.
Die Protokolle PRP (Parallel Redundancy Protocol) und HSR (High-availability Seamless Redundancy), die in der IEC 62439-3 beschrieben werden, sind zwei Technologien, die die Verfügbarkeit des Systems selbst bei einzeln auftretenden Fehlern (Single Point of Failure) garantieren.
Was ist PRP / HSR?
Der PT-G503 ist eine IEC-62439-3-konforme Redundanz-Box (RedBox), die über eine Coupling & QuadBox verfügt.
© MoxaPRP erzielt Netzwerk-Redundanz durch die Paket-Duplizierung über zwei voneinander unabhängige Netzwerk-Segmente, die parallel betrieben werden. HSR hingegen wurde vorrangig für Ringtopologien entwickelt. Auf Basis dieser beiden Redundanzprotokolle kann eine Redundancy Box (RedBox) non-HSR- oder non-PRP-Endgeräte, die an HSR- oder PRP-Netzwerke angebunden sind, schnell und ohne Umschalt-Zeitverlust einbinden. Betriebskritische Kommunikationsanwendungen in der Automatisierung können von diesen Redundanztechnologien profitieren, da sie die Netzwerk-Zuverlässigkeit gewährleisten. Doch dabei gibt es einige Herausforderungen zu meistern:
1. Überwachung und Fehlersuche/-behebung
Netzwerke nutzen üblicherweise MAC- und IP-Adressen als Steuereinheiten, die das Netzwerk sowie verschiedene Netzwerkgeräte steuern. PRP/HSR ist jedoch eine sehr neue Technologie, die Datenpakete auf Link-Ebene dupliziert, indem sie die gleiche MAC-Adresse nutzt und dabei sicherstellt, dass diese Pakete auch bei Kommunikationsproblemen beim Client empfangen werden können. Das aktuelle Netzwerk-Management kann allerdings nicht feststellen, ob das Paket dupliziert wurde. Daher sieht der Anwender nicht, ob beide Pakete empfangen wurden. Diese Information würde jedoch wichtige Erkenntnisse über die Qualität des Links und den Zustand des redundanten Netzwerks liefern.
Weil Systemadministratoren den Echtzeit-Status des redundanten Netzwerks nicht ermitteln können, ist es schwieriger, PRP-/HSR-Netzwerke zu steuern und zu überwachen. Die Fehlersuche und -behebung redundanter Pfade wird ebenfalls zu einer großen Herausforderung, weil die fehlerhafte Stelle im Netzwerk unbekannt ist.
2. Nicht vereinheitlichte Schnittstellen
Manufacturing Messaging Specification (MMS) ist in der Kommunikation IEC-61850-konformer Systeme das wichtigste Protokoll für die Steuerung und den Datentransfer. Da jedoch immer mehr nicht IEC-61850-konforme Netzwerk-Geräte in den IEC-61850-Systemen eingesetzt werden, sind auch solche Geräte, auf denen MMS nicht läuft – wie Industrial Ethernet Switches und Embedded-Computer – für die Kommunikation und Steuerung interessant geworden. Im Gegensatz zu IEC-61850-Geräten ist das derzeit für die Verwaltung von IT-Ausstattung eingesetzte Simple Network Management Protocol (SNMP) ein deutlich von MMS abgegrenztes Protokoll, das auf einer komplett anderen logischen Struktur basiert. Da PRP-/HSR-Geräte Supervision Frame für die Gerätesteuerung nutzen, ist es schwierig, beide Systeme in die Steuerung und Überwachung zu integrieren.
Die Tatsache, dass es verschiedene Geräte- und Netzwerk-Management-Protokolle gibt – MMS für IEC-61850-Steuergeräte und SNMP für IT- oder Netzwerkgeräte –, führt dazu, dass die Central Management Suite, wie beispielsweise Power-Scada, Steuer- und Netzwerkgeräte nicht gleichzeitig zentral verwalten kann. Aufgrund der Tatsache, dass die meisten auf dem Markt erhältlichen Power-Scada Software Suites nur mit MMS, aber nicht mit SNMP oder Supervision Frame kompatibel sind, macht die Netzwerk-Verwaltung mit einem einzelnen Power-Scada-System unmöglich; denn die Netzwerkgeräte sind im Power-Scada nicht zu sehen. In Konsequenz bedeutet dass, dass die Netzbetreiber möglicherweise nicht in der Lage sind, Systeme mithilfe der Informationen aus dem Power-Scada effizient zu koordinieren und Ausfälle zu verhindern.
Native PRP-/HSR-Computer
Ein nativer PRP-/HSR-Computer: Der DA 820 ist für die Schaltschrankmontage geeignet und dient als Management-Server.
© MoxaDie im Folgenden beschriebene Lösung kann helfen, die effiziente Verwaltung von PRP-/HSR-Automatisierungsnetzwerken zu ermöglichen. Einige Anwender haben bisher die PRP-/HSR-RedBox eingesetzt, um konventionellen Computern die Anbindung an ein PRP-/HSR-Netzwerk zu ermöglichen. Das birgt jedoch das Risiko des Ausfalls eines einzelnen Knotenpunktes im Netzwerk. Der Einsatz eines nativen PRP-/HSR-Computers kann genau dieses Problem lösen.
Überwachung mit Power-Scada-Plattform
In Umspannstationen eignet sich der native PRP-/HSR-Computer bestens als PRP-/HSR-fähiger Power-Scada-Management-Server. Mit eingebauter, speziell entwickelter PRP-/HSR-Management-Middleware kann der PRP-/HSR-Management-Server das Power-Scada dazu befähigen, Rohdaten von verschiedenen verteilten Geräte zu sammeln und auszuwerten. Der aktuelle redundante Netzwerk-Status kann vollständig überwacht und der Ausfall eines einzelnen Knotenpunkts sofort festgestellt werden. Dadurch wird die Fehlersuche und -Behebung in Echtzeit erheblich vereinfacht. Selbst Netzwerk-Administratoren mit geringen Kenntnissen der PRP-/HSR-Technologie können das PRP-/HSR-Netzwerk auf einer einzelnen Power-Scada-Plattform einfach verwalten, überwachen und die Fehlerdiagnose durchführen.
Die Middleware fürs PRP-/HSR-Management ist in der Lage, sowohl SNMP- als auch MMS-Schnittstellen zu unterstützen und außerdem die Anbindung verschiedenster Geräte, die mit unterschiedlichen Kommunikationsprotokollen laufen, zu ermöglichen. Die Integration von Middleware und Power-Scada erlaubt das mühelose Lesen und Einsetzen aller Daten im Power-Scada-System über das MMS-Protokoll. Die Anwender können sämtliche Geräte im PRP-/HSR-System einfach über die Visualisierungs-Werkzeuge des Power-Scada verwalten. Darüber hinaus führt die unkomplizierte Fehlerdiagnose sowie die schnelle Anzeige einzelner Fehlerquellen dazu, dass die Automatisierungssysteme zuverlässiger und stabiler laufen.
Ein visualisiertes PRP-/HSR-Netzwerk-Management
Obwohl es einen einheitlichen Standard für das PRP-/HSR-Protokoll gibt, fehlt ein Standard für die Netzwerk-Management-Schnittstelle. Der Einsatz eines PRP-/HSR-Management-Servers mit integrierter Middleware kann dabei helfen, alle Rohdaten von verschiedenen Geräten auf einer einzelnen Verwaltungsplattform zu sammeln, zu analysieren und zu integrieren.
Moxa hat eine integrierte PRP-/HSR-Redundancy Box (RedBox) entwickelt, die über Coupling & QuadBox verfügt, sowie einen nativen PRP-/HSR-Computer für die Schaltschrankmontage als Management-Server. Diese Lösung erreicht nicht nur die Verbindungsverfügbarkeit ohne Switch-over-Zeiten, sondern unterstützt auch die Rohdatenerfassung und Analyse von verschiedenen Geräten auf einer einzigen Management-Plattform. Dadurch lässt sich ein effizientes und visualisiertes PRP-/HSR-Netzwerk-Management realisieren, welches die Netzwerkdiagnose, Fehlersuche und -behebung sowie die Statusüberwachung von Geräten vereinfacht.
Autor:
Stefan Palm ist Business Development Manager Embedded Computing bei Moxa.













