Im Fokus: Digitalisierung in KMU
IoT – einfach wie eine App?
Wie können insbesondere kleinere Unternehmen die Digitalisierung ihres Maschinenparks angehen? Liegt die Lösung vielleicht in einfachen Plug&Play-Lösungen? Dimitri Philippe,Geschäftsführer Coligo Technologies, erläutert seinen Lösungsansatz.
Herr Philippe, wo sehen Sie derzeit noch die Einstiegsproblematik vieler Unternehmen, wenn es um die Digitalisierung ihrer Fertigungen geht?
Dimitri Philippe: Die langsame Entwicklung der digitalen Transformation hat mehrere Gründe. Einer der Hauptfaktoren ist die Komplexität der meisten Lösungen. Diese erfordern ein spezielles Fachwissen, das in vielen Unternehmen nicht vorhanden ist. Das bedeutet, dass neue Mitarbeiter eingestellt oder externe Dienstleister beauftragt werden müssen, was zusätzliche Ressourcen und Zeit in Anspruch nimmt. Zudem sind die Kosten für Cloud-Analytics-Lösungen oft hoch und schwer vorhersehbar, was die Budgetplanung erschwert.
Ein weiterer Aspekt ist die Frage der Verantwortlichkeit. Es ist oft unklar, wer die Digitalisierung vorantreiben sollte: die Automatisierungsingenieure, die die Geräte, Maschinen und Prozesse am besten kennen, oder die IT-Spezialisten, die über Expertise in IoT und künstlicher Intelligenz verfügen, aber weniger Einblick in die spezifischen Maschinen und Produktionsprozesse haben. Diese Unklarheiten führen zu Verzögerungen und Unsicherheiten bei der Umsetzung der digitalen Transformation.
Sie sind seit Mitte des Jahres mit Ihrem Produkt Coligo am Start. Wie ist ihr Lösungsansatz?
Wir haben uns darauf konzentriert, den Automatisierungsingenieur als zentrale Person für die Digitalisierung und Implementierung von Technologien wie Künstlicher Intelligenz zu unterstützen. Diese kennen die Systeme und Prozesse in ihren Unternehmen sehr gut und wissen, wo Optimierungspotenziale liegen, haben aber meist keinen Hintergrund in Data Science oder KI.
Darauf abgestimmt haben wir Coligo entwickelt – eine Edge-basierte AIoT-Lösung, die einfach zu bedienen ist und Plug-and-Play-Funktionalität bietet. Das Edge-Gerät verbindet sich typischerweise über OPC UA und wird mit einer benutzerfreundlichen App konfiguriert. Ich betone »konfiguriert«, denn das ist alles, was der Benutzer tun muss: Daten sammeln, ein individuelles Dashboard gestalten und die integrierten No-Code-KI-Modelle ausführen. Bei Hybridsystemen dient Coligo als Gateway und kann Daten über MQTT an EMS-, ERP- oder Cloud-Systeme weiterleiten.
No-Code-KI bedeutet, dass entweder vorab trainierte Modelle zur Objektdetektion und -erkennung in Videostreams und Geräuscherkennung in Audiostreams genutzt werden oder Streaming-Learning-Technologien zur Anomalie Erkennung und Prognose herangezogen werden. Der Benutzer wählt die relevanten Daten aus, und Coligo übernimmt die Analyse.
Um das Ganze noch benutzerfreundlicher zu machen, liefern wir die Software im Bundle mit kostengünstigen Edge-Geräten.
Um Ihrer Lösung mehr Durchschlagskraft zu geben, suchen Sie seit einem Jahr einen Investor. Wie stehen die Dinge?
Coligo ist eine 100-prozentige Tochtergesellschaft von BE.services. In den letzten drei Jahren haben wir das Produkt mit eigenen Mitteln entwickelt. Jetzt ist es jedoch entscheidend, die Markteinführung und den internationalen Vertrieb zu beschleunigen. Zudem haben wir bereits konkrete Ideen das Produkt weiterzuentwickeln, was zusätzliche personelle Ressourcen erfordert. Deshalb suchen wir einen strategischen Investor, der unsere Vision teilt und bereit ist, in eine innovative und wachstumsstarke Lösung zu investieren. Trotz der derzeit schwierigen Bedingungen für Kapitalbeschaffung in Deutschland, selbst für Tech-Startups, sind wir überzeugt, dass unsere Firma mit diesem Produkt erhebliches Potenzial bietet. Ein Partner, der in Coligo investiert, gewinnt nicht nur ein innovatives Produkt, sondern auch Zugang zu einem schnell wachsenden Markt. Im kommenden Jahr werden wir zudem verstärkt international nach potenziellen Partnern suchen.
Was ist auf der Messe zu sehen und wie sehen Ihre nächsten Schritte aus?
Auf der Messe präsentieren wir verschiedene EdgeBoxes und zeigen reale Anwendungsfälle für Edge Computing. Wir demonstrieren, wie einfach es ist, unsere KI-Modelle zu starten, zu trainieren und zu nutzen. Zum Beispiel betreiben wir eine Pick&Place-Maschine als digitalen Zwilling und zeigen Anomalie-Erkennung, Energieverbrauchsvorhersage, Werkzeugstandzeiterwartung und Objekterkennung im Videostream. All diese Modelle laufen parallel auf kostengünstiger NXP-Hardware und nutzen sowohl die CPU als auch die NPU.
Besucher unseres Standes können die Coligo-App selbst erleben und sich von der Benutzerfreundlichkeit überzeugen.
Für das nächste Jahr haben wir ehrgeizige Pläne: Wir wollen die Geschäftsentwicklung intensiv vorantreiben und insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen auf ihrer Digitalisierungsreise maßgeblich begleiten. Unser Ziel ist es, ein starkes Vertriebsnetz in Europa aufzubauen und aktiv nach Kunden in Asien und Nordamerika zu suchen.
Coligo Technolgoies auf der SPS 2024: Halle 6 Stand 458











