Ein Standard erobert die Welt
25 Jahre KNX - Wie alles begann ...
Vor 25 Jahren konnte niemand wissen, welche Erfolgsgeschichte KNX nehmen würde, allemal hoffen. Heute setzen 400 Hersteller in 37 Ländern auf KNX. Wir blicken zurück auf eine bewegte Geschichte.
Wir schreiben 1990, das Jahr der deutschen Wiedervereinigung. Das Internet steckt noch im Entwicklungsstadium. Microsoft führt gerade seine Office-Suite ein, welche die PC-Verkäufe beflügeln wird. Dass sich in diesem Jahr auch führende Vertreter der Elektroindustrie treffen, um einen neuen Standard ins Leben zu rufen, bleibt größtenteils unbemerkt. Es konnte zu diesem Zeitpunkt auch noch keiner wissen, welche Bedeutung er erlangen wird. Das Ziel war jedoch schon zu Beginn ein hehres: Der neue Standard soll die klassische Installationstechnik revolutionieren.
Startschuss
Markus Fromm-Wittenberg, Leiter Anwendung und Kooperation Gebäudesystemtechnik, Gira: "Ohne Gebäudeautomation mit ihren intelligenten Funktionen ist ein energieeffizientes Gebäude nicht mehr denkbar. Das KNX-System ist fester Bestandteil bei Gira und wegweisend für den Unternehmenserfolg."
© GiraEin Gebäude nur über Stromkabel zu vernetzen, das war seit Jahrzehnten der Standard. Doch wie lassen sie Beleuchtung, Beschattung, Sicherheit, Heizung oder Audio-Videotechnik intelligent regeln? Auf all das sollte der neue Standard Antworten geben. Dass ein Markterfolg nicht über verschiedene proprietäre Systeme möglich ist, darüber waren sie dich Teilnehmer im Klaren.
Der Vorarbeit für den Standard wurde im ZVEI bereits 1989 geleistet von der Abteilung "Elektrische Gebäudesystemtechnik", der unter anderen die Instabus-Gemeinschaft angehört. Der Startschuss für KNX knallte am 5. Mai 1990 in Brüssel, genauer gesagt für den Vorläuferstandard EIB, den Europäischen Installationsbus: 15 Große der Elektro-Branche rufen die "European Installation Bus Association" ins Leben (EIBA), darunter Berker, Jung, Gira, Merten und Siemens. Als Transportmedium soll ein Twisted-Pair-Kabel dienen, ausgesucht wegen der hohen Übertragungsqualität und der relativ geringen Kosten für die Verdrahtungskomponenten. Noch bevor die Norm auf den Tisch kommt, gibt es 1991 bereits den ersten Basiskurs für den EIB-Standard bei Siemens in Regensburg. Die erste Vornorm kommt ein Jahr später. Sie beschreibt das grundlegende Konzept für den Europäischen Installationsbus, wie die Systemarchitektur aussieht und wie die verbundenen Komponenten miteinander kommunizieren.
Siemens bringt 1993 auch das erste EIBA-zertifizierte Produkt auf den Markt: einen Buskoppler. Doch was nutzen Komponenten, wenn sie nicht konfiguriert werden können? Deshalb wird im selben Jahr auch die erste Version der Engineering-Tool-Software (ETS) veröffentlicht – das iSoftwarepaket, das bis heute die Installation eines EIB-/KNX-Systems begleitet.
Training als Erfolgsfaktor
Ein Standard gewährleistet, dass sich alle Komponenten miteinander verstehen und ein System einfach erweitert werden kann. Das funktioniert aber nur, wenn alle den Standard gut kennen und sich daran halten. So werden ab 1994 die ersten Trainingszentren für EIB ins Leben gerufen. Im selben Jahr erscheint auch die Erstausgabe des EIB-Journal in den Sprachen Englisch, Französisch und Deutsch. Das Ziel: über alle Aspekte von EIB, die Anwendungsmöglichkeiten und Entwicklungen zu berichten. Diese Aufgabe übernimmt das Journal bis heute.
Um den Standard auch im www zu verbreiten, geht 1995 die EIB-Website an den Start. Interessierte können sich dort über alle wichtigen Aspekte informieren. Der Internet-Auftritt erlaubt auch eine bessere Kommunikation der Partnerunternehmen untereinander.
Nächster Schritt in Richtung weitere Verbreitung ist die Kooperation mit dem Elektrohandwerk, festgehalten im EIB-Partnerschaftsvertrag 1995. Installateure dürfe auf ihre Qualifizierung mit dem EIB-Logo hinweisen, haben sie die Schulung erfolgreich abgeschlossen. Ein dichtes Netz zertifizierter Schulungsstätten fördert die Qualität der Ausbildung. Ebenfalls entscheidend für den Erfolg: Praktisch alle Bereiche eines Gebäudes lassen sich in die Gebäudesystemtechnik integrieren. So bindet das Gemeinschaftsprojekt Home-Electronic-Systems (HES) seit 1995 auch Hausgeräte mit ein. HES ist ein Managementsystem, das alle Funktionen im Heim steuern und überwachen kann. Vorgestellt wird es auf der Domotechnika, Köln. Selbst präsent ist die EIBA z.B. auf der Hannover-Messe 1996. Auf dem ersten eigenen Stand informieren sich gut 1000 Besucher und tragen so zur steigenden Bekanntheit bei.

Wegweisende KNX-Installationen
Neues Berufsbild Gebäudesystemtechniker
Gleichzeitig gehen die technischen Weiterentwicklungen kontinuierlich voran. ETS in der zweiten Version wird veröffentlicht mit zahlreichen Updates und neuen Programmen. Außerdem definiert die EIBA im Jahr 1996 Powerline als zusätzliches Übertragungsmedium. So lassen sich über die traditionellen Stromleitungen Befehle und Sensordaten übertragen, um z.B. Licht oder Rollläden zu steuern.
Die revolutionäre EIB-Technik mit ihren immensen Möglichkeiten erfordert Fachleute: Profis, die eine intelligente Bussteuerung gewerkeübergreifend planen, installieren und warten können. Das völlig neue Berufsbild des staatlich anerkannten Gebäudesystemtechnikers kommt 1998. Er ist der Spezialist für Gebäudebustechnik im Heimbereich und im Zweckbau.
Aus EIB wird KNX
Noch sprechen wir von EIB. Die ersten Weichen in Richtung KNX werden 1999 gestellt. Die drei Organisationen BatiBUS Club International (BCI), Frankreich, die "European Home Systeme Association" (EHSA), Niederlande und die deutsche EIBA gründen die internationale Konnex Association. Diese arbeitet an einem gemeinsamen Standard, der später KNX heißen wird. Dieser neue Standard für die Vernetzung ist eine Weiterentwicklung von EIB, ergänzt durch Konfigurationsmechanismen und Übertragungsmedien von BatiBUS und EHS. Sozusagen das Beste aus allen drei Systemen.
Nachdem bei EIB Twisted Pair und Powerline als Übertragungsmedium bereits definiert wurden, folgt 2001 mit KNX die Funkstrecke. Da hierfür keine extra Leitungen nötig sind, bietet sich die Funkübertragung zum Nachrüsten und für kleinere Anlagen an. Einen finalen Standard gibt es zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Der ist erst 2003 fertig. Er stellt den europäischen Standard für intelligentes Wohnen dar, da sowohl die nationalen Normungsgremien als auch das Europäisches Komitee für elektrotechnische Normung (CENELEC) die KNX-Spezifikationen bestätigen. Im Dezember 2003 wird KNX schließlich in die europäische Norm EN 50090 übernommen. Das KNX-Logo mit dem grünblauen Bogen über den drei Buchstaben, so wie wir es heute kennen, stammt aus dem Jahr 2006. Es ziert seitdem beispielsweise zertifizierte Partner, Trainingscenter oder Userclubs.
Harald Hasenclever, Leiter Produktmanagement und Marketing, Theben AG: "Es gilt, Lösungen zu entwickeln, die nicht nur im Zweck- und im gehobenen Wohnungsbau zum Einsatz kommen, sondern die auch im privaten Wohnungsbau umsetzbar sind. Die größte Herausforderung wird sein, KNX in allen Anwendungsfeldern ›smarter‹ zu machen."
© ThebenIP für KNX
Nachdem mit Twisted Pair, Funk und Powerline bereits drei Übertragungsmedien für KNX definiert sind, kommt 2007 ein weiteres hinzu: KNX IP. Dadurch können Befehle und Sensorsignale jetzt auch per Ethernet übertragen werden. Multimedia und Telekommunikationsdienste lassen sich einbinden.
Der 20. Geburtstag von KNX 2010 ist der Startschuss für das technische Kolloquium. Schon bei der Premiere sind es Referenten aus Industrie, Wissenschaft und Architektur, die für spannende Diskussionen und Vorträge gemeinsam mit den KNX-Partnern sorgen. Bis heute ist es ein jährliches Highlight der Branche. Ein hilfreiches Tool für alle Architekten, Planer und Bauherren kommt ein Jahr später: die Datenbank "Ihr KNX-Partner vor Ort" auf der offiziellen KNX-Website. Dort finden Interessierte schnell den idealen Installationspartner in der Nähe. Auch für die Integratoren hat die KNX Association eine praktische Neuheit: ETS Apps. Mit ihnen lässt sich seit 2012 die ETS -Software leicht ergänzen um weniger häufig benötigte Funktionen. Für die komfortable Beschaffung gibt es einen Online-Shop, über den die Apps lizenziert und heruntergeladen werden können.
KNX erreicht China
Einen wichtiger Schritt in Richtung Internationalisierung ging KNX 2013. In diesem Jahr anerkennt China KNX als einzigen Busstandard für die Haus- und Gebäudesystemtechnik. Dies festigt KNX‘ Status als internationaler Standard. Doch damit nicht genug. Im Juni 2015 entsteht mit KNX USA eine neue nationale Gruppe, um auch diesen Markt zu erschließen.
Infolge dieses stetigen Wachstums über 25 Jahre hinweg gehören der KNX Association heute Mitglieder aus 37 Ländern an. Rund 400 Hersteller führen mehr als 7000 zertifizierte Produkte in ihren Programmen. Und das nächste Ziel ist bereits gesteckt: Vom einzelnen smarten Gebäude hin zur komplett vernetzen Stadt.
3 Fragen an den Vorsitzenden von KNX Deutschland
Adalbert M. Neumann ist zugleich Vorsitzender der KNX Deutschland und der Geschäftsführung der Busch-Jaeger Elektro GmbH
© Busch-Jäger Elektro GmbHWelche Bedeutung hat KNX für Ihr Unternehmen?
Busch-Jaeger gehört bei KNX zu den Mitgliedern der ersten Stunde. Wir haben die überaus positive Entwicklung des weltweit führenden Standards für Haus- und Gebäudesystemtechnik seitdem aktiv und kreativ begleitet. Von Busch-Jaeger wurden – und werden auch weiterhin – zahlreiche innovative Produkte und Lösungen für die Haus- und Gebäudeautomation auf KNX-Basis entwickelt und im In- und Ausland erfolgreich vermarktet.
Was war für Sie der bedeutendste Meilenstein in der Geschichte von KNX?
Die erfolgreiche Globalisierung von KNX. Da gab es viele wichtige Meilensteine. Nach Australien, Indien, Südkorea, Japan, Taiwan und Kanada zuletzt auch die USA – das ist phantastisch! Die Marke KNX steht inzwischen weltweit für maximale Effizienz und Investitionssicherheit im Zweckbau und für ein Höchstmaß an Komfort, Sicherheit und Effizienz im Smart Home. Und da gibt es noch viel Potential, um diese beispiellose Erfolgsstory fortzusetzen.
Was ist die größte Herausforderung für KNX in der Zukunft?
Im Zweckbau hat sich KNX längst durchgesetzt. Wer heute noch ein Industrie- oder Verwaltungsgebäude ohne vernetzte Gebäudetechnik realisiert, riskiert eine Fehlinvestition. Im Bereich Smart Home, also im privaten Wohnungsbau, gibt es noch viel zu tun, um die Hausautomation auf Basis von KNX als führendes standardisiertes System großflächig zu positionieren. Das sehe ich nach wie vor als große Herausforderung. Doch die Chancen stehen gut, denn dieser Bereich hat aktuell stark an Dynamik zugelegt.















