Interview mit Jessica Bethune, Schneider Electric
Baustein fürs Energiemanagementsystem
Digitale Stromdaten für mehr Effizienz. Die Digitalisierung der Stromversorgung schafft Transparenz über Energieflüsse in Echtzeit. Jessica Bethune von Schneider Electric erläutert, wie sich so Verbrauch, Verluste und Effizienzpotenziale in Produktionsprozessen erkennen und gezielt optimieren lassen.
Warum ist Energiemanagement aus Ihrer Sicht heute ein zentrales Thema in der industriellen Produktion?
Angesichts steigender Energiepreise, wachsender regulatorischer Anforderungen und ambitionierter Klimaziele ist Energiemanagement wichtiger denn je. Unternehmen müssen ihre Energieflüsse kennen, um diese wiederum steuern zu können, Kosten zu senken und ihre Nachhaltigkeitsziele schneller zu erreichen. Moderne Energiemanagementlösungen helfen dabei, industrielle Prozesse effizienter, resilienter und ressourcenschonender zu gestalten – und damit die Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern.
Wie kann die Digitalisierung der Stromversorgung helfen, Energieverbräuche transparenter zu gestalten?
Die Digitalisierung der Stromversorgung ist die wichtigste Voraussetzung für ein wirksames Energiemanagement, denn nur sie schafft die nötige Transparenz. Die digitale Vernetzung von Erzeugern, Verbrauchern und Speichersystemen ist die Grundlage für eine effiziente und flexible Nutzung vor allem auch von erneuerbaren Energien. Durch den Einsatz intelligenter Systeme werden sämtliche Energieflüsse in Echtzeit erfasst und gesteuert. So entsteht die notwendige Transparenz darüber, wann, wo und in welchem Umfang Strom erzeugt und verbraucht wird. Diese präzisen Informationen ermöglichen es, die Energie bedarfsgerecht zu nutzen und mit maximalem Wirkungsgrad zu verteilen. Diese Prinzipien lassen sich ebenso auf industrielle Produktionsanlagen übertragen: Datentransparenz ermöglicht es, ineffiziente Prozesse oder unerwartete Energieverluste zu identifizieren. Nur wer konsequent misst und auswertet, kann gezielt eingreifen, Prozesse anpassen und die Energieeffizienz nachhaltig steigern.

Interview mit Thomas Hilbig, Janitza...
Die Energieflüsse im Blick
Effizientes Energiemanagement macht Energie zur planbaren Größe in der Produktion. Mit der Netzvisualisierungssoftware GridVis bietet Janitza ein zentrales Tool, das Energieverbräuche, Spannungsqualität und Differenzströme transparent macht. So lassen sich Lastspitzen frühzeitig erkennen und Prozesse gezielt optimieren. Thomas Hilbig zu den Details.
Welche Möglichkeiten bietet das Schneider Electric Power Management-System, um anormale oder ineffiziente Energienutzung frühzeitig zu erkennen und zu korrigieren?
Moderne Energiemanagementsysteme wie ‚EcoStruxure Power Monitoring Expert‘ oder ‚EcoStruxure Power Operation‘ ermöglichen eine lückenlose Erfassung und Analyse aller Energieflüsse – vom Mittelspannungseingang bis zur letzten Maschine in der Fertigungslinie. Auf dieser Basis lassen sich ineffiziente Prozesse identifizieren, Lastspitzen vermeiden und Energieverluste reduzieren. Besonders in energieintensiven Branchen wie der Lebensmittelverarbeitung, der Chemie oder der Metallverarbeitung ist diese Transparenz ein entscheidender Wettbewerbsvorteil.
Ein zukunftsweisender Ansatz im Energiemanagement ist das dynamische Lastmanagement. Dabei werden energieintensive Prozesse gezielt in Zeiten niedriger Strompreise oder hoher Verfügbarkeit erneuerbarer Energien verlagert. Voraussetzung dafür ist ein intelligentes Zusammenspiel von Produktionsplanung, Energiemanagement und Marktinformationen. Schneider Electric unterstützt diesen Ansatz mit seiner offenen, IoT-fähigen Plattform ‚EcoStruxure‘, die eine durchgängige Integration von vernetzten Produkten, Automatisierung, Software und Services über den gesamten Lebenszyklus industrieller Anlagen hinweg ermöglicht.
Wie werden Energiekennzahlen (KPIs) wie Energieintensität oder Energieeffizienz innerhalb der Produktionsprozesse erfasst und bewertet?
Wie bereits erwähnt, die digitale Vernetzung ist eine wesentliche Voraussetzung für eine Daten-Erfassung. Durch den Einsatz intelligenter Systeme werden sämtliche Energieflüsse in Echtzeit erfasst und gesteuert. Datentransparenz ermöglicht es, ineffiziente Prozesse oder unerwartete Energieverluste zu identifizieren. So kann beispielsweise ermittelt werden, dass die zahlreichen elektrischen Antriebe einer komplexen Verpackungsmaschine trotz ihres nominell hohen Wirkungsgrads in der Praxis nicht so effizient arbeiten wie erwartet. Ursachen dafür können eine zu geringe Auslastung, ungünstig eingestellte Beschleunigungsprofile oder das Fehlen eines Zwischenkreises zur Rückgewinnung von Bremsenergie sein. Ohne eine granulare, systematische Erfassung und Analyse der Energiedaten bleiben viele Optimierungspotenziale ungenutzt. Nur wer gezielt misst und auswertet, kann gezielt eingreifen, Prozesse anpassen und die Energieeffizienz nachhaltig steigern.
Inwiefern unterstützen automatisierte Energieberichte die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben und Nachhaltigkeitsstrategien in Unternehmen?
Unternehmen sind in vielen Ländern verpflichtet, Energieaudits durchzuführen, zum Beispiel nach EDL-G, oder Energiemanagementsysteme gemäß ISO 50001 zu betreiben. Automatisierte Berichte stellen sicher, dass alle relevanten Verbrauchsdaten, Kennzahlen und Maßnahmen lückenlos erfasst und in normgerechter Form dokumentiert werden, und zwar fristgerecht und revisionssicher, was die Nachweispflicht gegenüber Behörden und Fördermittelgebern erleichtert. Nachhaltigkeitsstrategien erfordern zudem Transparenz über Energieverbrauch und Emissionen. Automatisierte Berichte liefern die Basisdaten für ESG-Kennzahlen und die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD), die für große Unternehmen verpflichtend ist.
Schneider Electric auf der SPS 2025: Halle 1 Stand 540









