zuruck zur Themenseite

Artikel und Hintergründe zum Thema

111 Jahre Vahle

Andrea Gillhuber,

In Ausnahmesituationen an das Ganze denken

Sich Ziele zu setzen, ist wichtig, doch ist der Weg dorthin ebenso entscheidend für den Erfolg des Unternehmens, ist Achim Dries, CEO der Vahle Group, überzeugt. Im Jubiläumsinterview erläutert er, warum das Momentum für das Steuern von Aktivitäten von zentraler Bedeutung ist.

© Vahle Group

Herzlichen Glückwunsch zu 111 Jahre Vahle! Im Rückblick: Was war die bedeutendste technologische Entwicklung Ihres Unternehmens?

Achim Dries: Im Rückblick auf diese eindrucksvolle Zeit können wir zweifelsohne die Erfindung der Kupfer-Stromschiene durch unseren Gründer und Namensgeber, Paul Vahle, vor mehr als einem Jahrhundert als den Meilenstein überhaupt und als Basis für alles, was darauffolgte, betrachten. Diese bahnbrechende Innovation setzte den Grundstein für die Entwicklung unseres Unternehmens.

Vahle ist bereits seit mehr als 111 Jahren am Puls der Zeit, was wir diesen September mit unseren Mitarbeitern, Stakeholdern und Gesellschafter gemeinsam gefeiert haben. Dieser Pioniergeist hat sich bis heute fortgesetzt. Unser Erfolg beruht nicht nur auf der Vergangenheit, sondern auch auf unserer DNA, neue Technologien zu entwickeln und voranzutreiben. Ob es die Entwicklung der berührungslosen (induktiven) Energieübertragung, die sichere Datenkommunikation durch SMG- Schlitzhohlleiter Technologie, unsere fortschrittlichen Steuerungstechniken oder die daraus resultierenden Applikationslösungen sind, die Energie, Daten und Positionierung in einem System vereinen, Vahle hat stets den Fortschritt vorangetrieben.

Ein aktuelles Beispiel ist der Smart Collector, das weltweit erste Predictive Maintenance Tool für Stromschienensysteme. Mit solchen Innovationen bleiben wir unserer Rolle als Möglichmacher für Effizienz und Fortschritt für unsere Kunden treu – sowohl in der Vergangenheit als auch in der Zukunft.

Gibt es einen absoluten ‚Bestseller‘ und was macht ihn aus?

Dries: Unser Produktportfolio ist mittlerweile so breit gefächert, dass es schwierig ist, ein einzelnes Produkt gezielt herauszuheben, ohne die Bedeutung anderer Branchen oder Produktsegmente zu schmälern. Dennoch möchte ich versuchen, einen Bestseller zu benennen.

Als Weltmarktführer im Bereich Stromschienensysteme für Förder- und Prozessanlagen in der Automobilbranche könnte man unser Produktsystem bestehend aus der Vahle U10 Stromschiene, SMGM-Datenkommunikation, Positionierung und Steuerung in einer Elektrohängebahn als unseren gefühlten Bestseller bezeichnen. Dieses Produktbündel spielt eine entscheidende Rolle in der Fertigung der Automobilwerke, und ist so zusagen dafür verantwortlich, dass die Automobilproduktion am ‚laufen bleibt‘. Natürlich sind wir vielen weiteren Industriesegmenten wie der Hafen- oder Krantechnik führende Möglichmacher von Energie- und Datenübertragungslösungen.

Unsere Produkte werden weltweit geschätzt, und wir sind stolz darauf, dass sie dazu beitragen, Prozesse in vielen Branchen effizienter zu gestalten. Obwohl wir diesen ‚Bestseller‘ hervorheben, sind wir uns bewusst, dass all unsere Produkte einen enormen Beitrag leisten, um die vielfältigen Bedürfnisse unserer Kunden zu erfüllen und damit Industrieprozesse unter Energie und Daten halten.

In 111 Jahren geht es nicht nur rosig zu – was war aus Ihrer Sicht die schwierigste Zeit für das Unternehmen?

Dries: In meinem mittlerweile zehnten Jahr als Geschäftsführer der Vahle Group gab es natürlich auch nicht so positive Erfahrungen. Der nötige Personallabbau, ohne den Vahle die Corona-Pandemie und den wirtschaftlichen Einschnitt durch den Krieg in der Ukraine nicht erfolgreich hätte meistern können, zählt sicherlich dazu – derartige Einschnitte lassen mich gewiss nicht kalt. Jedoch gilt es in solchen Ausnahmesituationen an das Ganze zu denken: Ohne diese schwierige Maßnahme, hätten wir aktuell nicht eine so gute Marktposition und auf erfolgreichem Wachstumskurs. Die Umsetzung solcher Maßnahmen gehören somit auch zur Managementaufgabe und zum Unternehmertum. Allerdings bin ich auch hier wieder dankbar, dass alle Beschäftigten zeitnah in neue Stellen vermittelt werden konnten

Wie sieht denn die Roadmap für die nächsten zehn bis 15 Jahre aus?

Dries: Die Roadmap für die nächsten zehn bis 15 Jahre ist in der Tat von strategischer Bedeutung, und Vahle verfolgt eine klare Vorgehensweise für diese Zukunftsperspektive. Unsere Strategie umfasst eine Vielzahl von Maßnahmen, die sowohl infrastruktureller, organisatorischer als auch entwicklungstechnischer Natur sind. Dennoch planen wir diese Schritte bewusst mittelfristig und konzentrieren uns auf die nächsten fünf bis maximal zehn Jahre.

 

»Während Ziele zweifellos im Fokus stehen, ist für uns der Weg dorthin von ebenso großer Bedeutung.«

 

Es ist wichtig zu betonen, dass unsere Maßnahmen nicht in Stein gemeißelt sind. Wir betrachten sie agil und sind bereit, sie regelmäßig zu hinterfragen und an die sich verändernden Gegebenheiten anzupassen, soweit dies möglich und notwendig ist. In einer sich schnell entwickelnden Welt ist diese Flexibilität von entscheidender Bedeutung, um sicherzustellen, dass wir immer auf dem neuesten Stand der Technik und den Anforderungen unserer Kunden gerecht werden.

Während Ziele zweifellos im Fokus stehen, ist für uns der Weg dorthin von ebenso großer Bedeutung. Wir sind bestrebt, diesen Weg mit Bedacht und Weitsicht zu gehen, um sicherzustellen, dass unsere Strategie nicht nur die kurzfristigen Ziele, sondern auch langfristigen Erfolge in den Blick nimmt. Mit unserem Engagement für Exzellenz und Innovation werden wir weiterhin die Zukunft gestalten und unsere Position als führender Anbieter im Bereich Energie- und Datenübertragung festigen.

Welche technologischen Trends sehen Sie, die für Vahle wichtig sind beziehungsweise werden?

Dries: In den vergangenen Jahren hat das Schlagwort Industrie 4.0 eine ganze Industrie geprägt, und wir haben aktiv dazu beigetragen, diese Entwicklung mit unseren Produktsystemen mit in die Realität umzusetzen.

Darüber hinaus sind wir uns der Bedeutung weiterer Megatrends bewusst, die die Technologielandschaft prägen, darunter das Internet der Dinge, Künstliche Intelligenz, Nachhaltigkeit, die Weiterentwicklung von Datenübertragungstechnologien, Predictive Maintenance und Cybersicherheit. Diese Trends werden in unsere Entwicklungsstrategie einfließen, da wir bestrebt sind, Vahle-Lösungen kontinuierlich zu optimieren und weiterzuentwickeln.

Unser Fokus liegt dabei immer auf unseren Kunden und deren Anforderungen. Wir möchten Lösungen bieten, die ihre Anwendungen besser, effizienter und nachhaltiger gestalten. Diese Ausrichtung ermöglicht es uns, technologische Trends in praxisrelevante Innovationen zu verwandeln, die einen echten Mehrwert für unsere Kunden schaffen. Vahle wird auch weiterhin die Zukunft gestalten, indem wir die Chancen dieser Megatrends nutzen und unseren Beitrag zur Entwicklung zukunftsweisender Lösungen leisten.

Was glauben Sie, was wird die größte Herausforderung der nächsten Jahre, geschäftlich und/oder technisch?

Dries: Die gegenwärtige geopolitische und soziokulturelle globale Situation lässt ehrlich gesagt, keine unabhängige Betrachtung zu. Diese haben einen erheblichen Einfluss auf den Markt und die Technologie. Die Auswirkungen dieser Faktoren können sowohl negativ als auch positiv sein und erfordern ein Umdenken in der Art und Weise, wie wir unsere Aktivitäten planen und umsetzen.

Es ist entscheidend, die Megatrends in unser Handeln zu integrieren, um die Bedingungen auf dem Markt und in unserer Nische bestmöglich zu einfließen zu lassen. Dabei müssen wir uns der externen Faktoren bewusst sein, wie den Fachkräftemangel, geopolitische Unruhen, Konflikte und so weiter, die unsere Ziele beeinflussen können. Dies erfordert ein hohes Maß an Anpassungsfähigkeit und die Fähigkeit, unsere Maßnahmen in Einklang mit den aktuellen weltpolitischen und soziokulturellen Bedingungen zu bringen.

»Es ist entscheidend, die Megatrends in unser Handeln zu integrieren.«

Ein Schlüsselaspekt besteht darin, das Momentum zu finden, um unsere Aktivitäten so zu steuern, dass sie nicht nur wirtschaftliche und technologische Ziele verfolgen, sondern auch eine Koexistenz mit den Herausforderungen der Welt realisieren. Dies erfordert eine offene und agile Herangehensweise, um die Herausforderungen anzunehmen und gleichzeitig Chancen zu erkennen, die sich aus diesen Veränderungen ergeben können.

In diesem komplexen Umfeld ist es von entscheidender Bedeutung, dass Vahle die richtigen Schritte unternimmt, um die Balance zwischen geschäftlichem Erfolg und den Auswirkungen der weltpolitischen und soziokulturellen Entwicklungen zu finden. Dies erfordert eine enge Beobachtung der aktuellen Ereignisse, eine strategische Planung und die Bereitschaft zur Anpassung, um langfristig erfolgreich zu sein.

Anzeige
  • Xing Icon
  • LinkedIn Icon
Anzeige
zurück zur Themenseite
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Omron und Wiferion

Induktives Laden von AMR

Gemeinsam die Leistung autonomer mobiler Roboter (AMRs) steigern und neue Anwendungskonzepte ermöglichen - dazu hat Omron die induktive Ladetechnologie von Wiferion für die Roboter der LD-Serie zertifiziert.

mehr...

DataMatters

Ein Start-up baut Smart Cities auf

Das aus der RWTH Aachen ausgegründete Unternehmen DataMatters ist darauf spezialisiert, Kommunen mit smarten Systemen zu versorgen. Im Fokus steht dabei die Verbindung von Künstlicher Intelligenz (KI) mit der realen Welt.

mehr...
Jetzt Newsletter abonnieren