zuruck zur Themenseite

Artikel und Hintergründe zum Thema

Nachgehakt bei Thomas Bauernhansl

Günter Herkommer,

Ein Institut für Energieeffizienz

Im Oktober 2012 wurde an der Universität Stuttgart in Kooperation mit dem Fraunhofer IPA, der Heinz und Heide Dürr Stiftung sowie der Karl Schlecht Stiftung ein eigenes Institut für Energie-Effizienz in der Produktion – kurz EEP – gegründet. Die Redaktion sprach mit dem kommissarischen Leiter, Prof. Dr.-Ing. Thomas Bauernhansl, über das bisher Erreichte und die weiteren Ziele.

Prof. Dr.-Ing. Thomas Bauernhansl Leiter des Fraunhofer IPA und des EEP "Energie-Effizienz wird bisher stiefmütterlich behandelt".

© Fraunhofer IPA

Herr Bauernhansl, was hat die Beteiligten dazu bewogen, ein eigenes Institut für Energie-Effizienz ins Leben zu rufen?

Für das Gelingen der Energiewende sind im Kern drei strategische Linien zu verfolgen: der Ausbau regenerativer Energiequellen, die Dezentralisierung der Energie-Erzeugung, einhergehend mit dem Ausbau der Netze zu Smart Grids, und die massive Verbesserung der Energie-Effizienz. Aber während die ersten beiden Leitlinien in der Politik und auch in der Gesellschaft intensiv diskutiert werden, wurde das Thema Energie-Effizienz bisher stiefmütterlich behandelt. Hier setzt unser Institut an.

Wo sehen Sie den dringendsten Handlungsbedarf beim Thema Energie-Effizienz in der Produktion?

Einerseits stehen häufig noch nicht die richtigen Technologien zur Realisierung signifikanter Einsparungen zur Verfügung. Es wird in bestehenden Systemen gedacht, die ihre Grenzen oft bei einer Einsparung von maximal 10 bis 30 Prozent erreicht haben. An dieser Stelle ist ein Umdenken in Richtung Effektivität notwendig. Das heißt: Nur mit innovativen und hochintegrierten Systemen, etwa der Nutzung von Abwärme und Bremsenergie sowie dem Einsatz von Leichtbaulösungen und hybriden Verfahren, lassen sich signifikantere Einsparungen erzielen. Andererseits fehlen die Förderinstrumente, um diese neuen Technologien zu entwickeln beziehungsweise deren Einsatz zu subventionieren und somit deren Grenze der Wirtschaftlichkeit positiv zu beeinflussen. Als Beispiel sei hier nur die fehlende Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung genannt.

Wie finanziert sich das Institut?

Von den genannten Stiftungen bekommen wir für die ersten fünf Jahre 2,5 Millionen Euro. Danach soll sich das Institut selbst über Industrieaufträge und öffentliche Aufträge finanzieren.

Was konnten Sie in den ersten Monaten seit der Gründung des EEP konkret bewegen?

Zunächst haben wir eine kleine Truppe von fünf wissenschaftlichen Mitarbeitern zusammengestellt, die die schier unüberschaubaren Wust von Studien und Veröffentlichungen zum Thema Energie-Effizienz – rund 250 an der Zahl! – analysiert hat. Die Management Summary dieser sogenannten Metastudie haben wir Mitte Mai auf dem Effizienzgipfel Stuttgart vorgestellt. Auch der angekündigte Energie-Effizienz-Index liegt nun vor und wird zurzeit an die Unternehmen geschickt.

Was hat es mit dem Index auf sich?

Wir werden jeden Sommer und jeden Winter einen Statusbericht zur Energie-Effizienz in der Industrie veröffentlichen, nach dem Vorbild des ifo-Geschäftsklima-Index. Der Fragebogen zum Index ist auf unserer Homepage unter www.eep.uni-stuttgart.de/index herunterladbar. Dort wird sowohl nach der aktuellen Situation in einem Unternehmen gefragt als auch nach Erwartung für die kommenden zwölf Monate. Dazu kommen einige Sonderfragen, etwa, ob die Unternehmen einen Überblick über die Ansätze zur Steigerung der Energie-Effizienz haben, ob sie die Möglichkeiten zur Erstattung oder Befreiung von der EEG-Umlage oder der Energie- und Stromsteuer kennen. Wir fragen aber auch, mit welcher durchschnittlichen Amortisationsdauer für Energie-Effizienz-Maßnahmen gerechnet wird.

Und zu welchen Ergebnissen sind Sie in der erwähnten Meta­studie gekommen?

Bei unserer Analyse kam unter anderem heraus, dass pauschale Einsparquoten die vollständige Ausschöpfung sektoraler Einsparpotenziale hemmen und auch die Amortisationszeit – üblicherweise zwei bis höchstens fünf Jahre – ein ungeeignetes Bewertungsinstrument für Energie-Effizienzmaßnahmen ist. Stattdessen sollte die interne Zinssatzmethode als Bewertungskriterium für Rentabilität dienen. Eine weitere Erkenntnis: Statt bestehende Technologien zu verbessern, kommen Prozess-Innovationen, wie die Entwicklung öko-effektiver Technologien nach dem „cradle-to-cradle“-Prinzip, meiner Meinung nach eine ganz entscheidende Bedeutung zu. Letzteres bedeutet, dass das verwendete Material zu 100 Prozent im Produkt landet und nach Gebrauch vollständig in einen biologischen oder technischen Kreislauf rückgeführt wird.

Welche Schritte planen Sie als nächstes?

Zunächst werden wir zeitnah einen neuen Institutsleiter berufen. Die Ausschreibung läuft und wir hoffen, noch in diesem Jahr einen neuen Professor an Bord zu haben. Weiterhin haben wir bereits zahlreiche Anfragen von Industrieunternehmen, die mit uns zusammenarbeiten wollen – etwa im Bereich Speichertechnologien. Dafür suchen wir dringend junge Ingenieure, die bei uns mitforschen und auch promovieren wollen. Nicht zuletzt werden wir Lehrveranstaltungen initiieren mit dem Ziel, die Studierenden für das Thema Energie-Effizienz zu sensibilisieren und nachhaltig zu aktiviern.

Anzeige
  • Xing Icon
  • LinkedIn Icon
Anzeige
zurück zur Themenseite
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Nachgehakt bei Rahman Jamal

Das Internet of Production

Dem Internet of Production (IoP) liegt die Idee zugrunde, ein neues Niveau der domänenübergreifenden Kollaboration zu ermöglichen. An der Umsetzung der Vision arbeitet das Exzellenzcluster IoP an der RWTH Aachen. Rahman Jamal, Mitglied des...

mehr...
Jetzt Newsletter abonnieren