Nachgehakt bei Thilo Brodtmann

Günter Herkommer,

zur Initiative Blue Competence

Im Juli 2011 hat der VDMA eine Initiative zum Thema Nachhaltigkeit ins Leben gerufen. Welche Motivation hinter „Blue Competence“ steckt und wie die bisherige Resonanz der Industrie darauf ausfällt, erläutert Thilo Brodtmann, stellvertretender VDMA-Hauptgeschäftsführer.

Thilo Brodtmann, stellvertretender VDMA-Hauptgeschäftsführer

© VDMA

Herr Brodtmann, was steckt im Detail hinter „Blue Competence“?

Weltweit erkennen die Gesellschaften, dass es kein simples „Weiter so“ beim Energie- und Ressourcenverbrauch geben kann. Als Schlüsseltechnologie nachhaltiger Technologien spielt der Maschinen- und Anlagenbau eine herausragende Rolle bei der Entwicklung entsprechender Lösungen.

Auslöser für die Initiative war letztlich die Erkenntnis, dass wir nachhaltige Technologien nur mit vereinten Kräften noch effektiver, schneller und erfolgreicher als bisher vorantreiben können. Mit anderen Worten: Ziel von „Blue Competence“ ist es, den Maschinen- und Anlagenbau auf allen Gebieten der Nachhaltigkeit zu vernetzen und dabei Ressourcen, Know-how und Stärken der Beteiligten „Alliance Members“ zu bündeln.

Die Begriffe „Blue“ und „Nachhaltigkeit“ finden sich mittlerweile in zahllosen Initiativen und Logos unterschiedlichster Firmen beziehungsweise Organisationen und sind dementsprechend arg strapaziert. Wie wollen Sie sich mit „Blue Competence“ hier abheben?

Indem wir anhand von Beispielen aus Unternehmen konkrete Anregungen für energie- und ressourceneffiziente Produktion und Produkte für Geschäftspartner entlang der Wertschöpfungskette sowie für Anwender geben. In diesem Zusammenhang sehen wir zwei entscheidende Ansatzpunkte: Zum einen lässt sich mit intelligenter Fertigungstechnik der Energieverbrauch in der Produktion deutlich senken. „Blue Competence“ zeigt, was diesbezüglich möglich ist, und tritt zudem für Lebenszyklusbetrachtungen bei der Beschaffung von Produktionsmitteln ein. Zum anderen wird Produktionstechnik zum strategischen Erfolgsfaktor bei der Verbreitung „grüner Produkte“ bei den Konsumenten. Nehmen wir das Beispiel Elektromobilität: Nur wenn Batterien mehr Leistung haben und deutlich preiswerter werden, entsteht auch ein Massenmarkt, der notwendig ist, damit Elektroautos in Fahrt kommen.

Kurzum: Ziel von „Blue Competence“ ist es, beide Dimensionen zu beleuchten, damit
insgesamt die Time-to-Market ressour-cen sparender Technologien zu beschleunigen und gleichzeitig einen gesellschaftlichen Mehrwert zu erzeugen.

Die Initiative vergibt ein eigenes „Markenzeichen“ – das Blue-Competence-Logo. Welche Kriterien gelten, damit ein Unternehmen dieses tragen darf?

Grundsätzlich darf jeder „Alliance Member“ das Logo führen. Voraussetzung für einen Beitritt ist zunächst, dass sich interessierte Unternehmen mit den Zielen und Rahmenbedingungen der Initiative identifizieren und dies auch in einer Nutzungsvereinbarung dokumentieren. Darüber hinaus müssen sie durch Bearbeitung eines Fragebogens bestätigen, in welcher Weise das Thema Nachhaltigkeit in den Unternehmenszielen verankert ist. Nicht zuletzt muss jeder Partner Best-Practice-Beispiele zur Verfügung stellen.

Einige Technologiebereiche befassen sich darüber hinaus in Arbeitskreisen mit übergreifenden Erklärungen zur Steigerung der Energie-Effizienz. In diesen Fällen enthält die Nutzungsvereinbarung neben den bereits genannten Kriterien noch technische Bestandteile. Im Bereich der Werkzeugmaschinen werden zum Beispiel die Reduzierung bewegter Massen, der Einsatz energieeffizienter Komponenten und Aggregate, die Unterstützung des Bedieners bei der Optimierung des Energieverbrauchs und eine Reihe weiterer Parameter beleuchtet. Auch andere Blue-Competence-Teilnehmer arbeiten derzeit an solchen technischen Voraussetzungen – hier wird es in nächster Zeit noch viel Bewegung geben.

Getragen wird die Initiative von einem eigenen Lenkungskreis. Wer gehört diesem an?

Aktuell wirken im Industrie-Lenkungskreis 19 Unternehmensvertreter mit. Zum Vorsitzenden wurde vor kurzem Markus Asch, Geschäftsführer der Firma Alfred Kärcher aus Winnenden, gewählt. Das Gremium hat bereits zweimal getagt und sich intensiv in die Weiterentwicklung von Blue Competence eingebracht.

Und wie ist die bisherige Resonanz insgesamt auf die im Juni 2011 gestartete Nachhaltigkeitsinitiative?

Stand heute haben wir über 130 Unternehmen als Partner aus 23 teilnehmenden VDMA-Fachverbänden – und laufend kommen weitere hinzu. Und auch europäische Verbände wie CECIMO, EUnited Cleaning und EUnited Robotics haben sich bereits als Teilnehmer der Nachhaltigkeitsinitiative angeschlossen. Einen so regen Zuspruch zu einer Initiative habe ich in meinen über 20 Berufsjahren in unserer Branche noch nicht erlebt!

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