Photovoltaik-Kraftwerk

Andreas Knoll | Thomas Günnel,

Stromlieferant und Forschungsobjekt

Der »SolarCampus« im oberösterreichischen Eberstalzell liefert als mit 1 MW Leistung größtes Photovoltaik-Kraftwerk Österreichs nicht nur Strom, sondern dient auch der Anwendungs- und Technikforschung. Gesteuert und überwacht wird die normalerweise unbesetzte Anlage mit »Aprol«-Prozessleittechnik von B&R.

© Energie AG Oberösterreich

Schon seit mehreren Jahrzehnten nutzt der oberösterreichische Landesenergieversorger Energie AG Oberösterreich die Wasserkraft und andere regenerative Energien. Im Jahr 2005 ging beispielsweise das Biomassekraftwerk Timelkam ans Netz. Die Energie AG Oberösterreich Fair Energy GmbH, eine hundertprozentige Tochter der Energie AG, hat die Aufgabe, Projekte zur Erzeugung von Energie aus erneuerbaren Quellen zu forcieren und zu vermarkten sowie innovative Ideen und Konzepte zur optimalen Steuerung der Investitionen zu entwickeln. Sie bietet Errichtern solcher Anlagen Unterstützung von der Identifikation und Bewertung interessanter Standorte über Finanzierungs- und Förderungskonzepte bis zum Projektmanagement. Um die dazu nötigen Erfahrungen zu sammeln, eröffnete das Unternehmen im September 2010 den »SolarCampus« als größte Forschungsanlage für Photovoltaik und größtes Photovoltaik-Kraftwerk in Österreich.

Seit 21. Mai 2010 liefert die Anlage umweltfreundlichen Strom aus der Sonne in das Netz. Zudem wird zum Beispiel erforscht, wie sich bei unterschiedlichen Modultypen die spezifischen Stromerträge verhalten. Berücksichtigt werden Umwelt- und Witterungseinflüsse wie Verschmutzung, Salznebel, Schnee, Temperatur und Sonnenspektrum, aber auch ein möglicher Mehrertrag durch Nachführung der Paneele. Daher setzt sich die Anlage aus feststehenden kristallinen Modulen von fünf Herstellern und sechs unterschiedlichen, der Sonne nachgeführten Modulen in verschiedenen Versuchsfeldern zusammen. In den ersten acht Monaten lieferte die für 1050 kW Spitzenleistung ausgelegte Anlage aus fast 8000 qm Paneelfläche deutlich mehr Strom als erwartet.

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Unbegleiteter Betrieb dank »Aprol«-Leittechnik

Die im »SolarCampus« eingesetzten Wechselrichter der Serie CL von Fronius

© Energie AG Oberösterreich

»Trotz der vergleichsweise geringen Anlagengröße wurde Eberstalzell mit vollwertiger Leittechnik ausgestattet, unter anderem um die nötigen Messdaten für seine Auswertungen zu liefern«, erläutert Leo Kienesberger, der bei der Energie AG Oberösterreich Tech Service GmbH in Gmunden tätig ist und für die Systemprogrammierung des »SolarCampus« verantwortlich war. »Die Energie AG entschied sich für das Prozessleitsystem 'Aprol’ von B&R Industrie-Elektronik im oberösterreichischen Eggelsberg, weil es sich an einigen Standorten des Kraftwerksbetreibers im Betrieb bewährt hat, und zwar überwiegend in wesentlich größeren Installationen.« Im »SolarCampus« genügt ein »B&R Automation PC« als Server, unter dem zugunsten der Ausfallsicherheit zwei CPUs des »B&R System 2005« mit autark laufenden Anwenderprogrammen für die eigentliche Anlagenautomatisierung zuständig sind. Mit deren E/A-Modulen sind nicht nur die Energie erzeugenden Module verbunden, sondern auch eine Wetterstation mit zahlreichen Messeinrichtungen, um die anfallende Strommenge in Relation setzen zu können.

Das elektrotechnische Kernstück einer Photovoltaik-Anlage ist der netzgekoppelte Wechselrichter. Im »SolarCampus« tun mehrere Wechselrichter der Serie CL des im oberösterreichischen Pettenbach ansässigen Herstellers Fronius ihren Dienst. Zur Anbindung des herstellerspezifischen Bussystems für die Wechselrichter an die E/A-Module schuf B&R eine vollwertige Software-Schnittstelle zur leichteren Systemintegration.

Für den Betrieb der Anlage ist kein Personal vor Ort. Von jedem Büro der Energie AG aus können sich berechtigte Benutzer am Prozessleitsystem anmelden und das Solarkraftwerk überwachen und steuern. Unterstützt werden sie dabei von einer Software für die Erfassung und Darstellung der aktuellen Prozess- und Unternehmensdaten. Die Daten lassen sich komfortabel erfassen, archivieren, abrufen und darstellen. »Besonders hilfreich ist neben den Trendaufzeichnungen der 'Alarm Viewer’, der die Möglichkeit  eröffnet, per Klick mehrere Hierarchieebenen tief einzudringen und der Meldung nachzugehen«, verdeutlicht Kienesberger. »Zahlreiche Filter erweitern seine Möglichkeiten noch.

Ebenfalls in die »Aprol«-Prozessleittechnik integriert wurde die Haustechnik. Dabei handelt es sich in erster Linie um den Perimeterschutz, die Beleuchtung und Kameraüberwachung für das Gelände sowie Heizung, Lüftung, Beschattung und Kühlung für das auf dem Gelände befindliche Beratungs- und Schulungszentrum. »Mit dem 'SolarCampus’ ist die Energie AG gerüstet, die Vorreiterrolle für die künftige Energienutzung und -erzeugung zu behalten«, sagt Michael Mascherbauer, Geschäftsführer der Energie AG Oberösterreich, Fair Energy GmbH. »Das Prozessleitsystem 'Aprol’, das den sicheren Betrieb und die komfortable Anlagenüberwachung ohne Personal vor Ort ermöglicht, ist eine der Grundlagen dafür.«

Andreas Knoll, Energie&Technik

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