qmd4
SPS-Programmierung im Web-Browser
Erstmals auf der SPS IPC Drives vertreten, will das junge österreichische Unternehmen qmd4 einen neuen Ansatz der SPS-Programmierung etablieren. Geschäftsführer Thomas Baier erläutert die Details.
Herr Baier, bisherige Methoden zur SPS-Programmierung sind in Ihren Augen nicht mehr zeitgemäß – warum?
Aktuelle SPS-Programmiermittel werden meist auf dem Notebook des Automatisierers installiert. Erstinstallation und -konfiguration kosten Zeit und oftmals auch Nerven. Mag dies bei einer ständigen Verwendung der Software noch tolerierbar sein, so zehrt es vor allem bei Anwendern, die nur selten damit arbeiten, an den Nerven. Und als Gipfel des 'Komforts' wird dann auch noch verlangt, einen Dongle mitzuführen. Kurzum: Generell sind die Total Cost of Ownership, also alle Kosten von der Anschaffung der Software über Installation, Schulung und Betrieb bis hin zu Updates und Backups einfach zu hoch.
Was verbirgt sich konkret hinter dem von Ihnen favorisierten Ansatz 'IEC 61131 in der Cloud'?
Wir gehen einen anderen Weg, indem wir die Software selbst vom Arbeitsplatzrechner unabhängig gestalten. Die 'Cloud' ist hier nur ein Synonym für die webbasierte Anwendung. Unsere Programmiersoftware läuft im Webbrowser des Anwenders, so wie viele Geschäftsanwendungen dies inzwischen auch tun. So können beispielsweise auch Smartphones oder Tablets volle Programmierarbeitsplätze sein, mit Einschränkungen aufgrund der Displaygröße oder der Eingabemöglichkeiten. Und trotzdem 'fühlt' sich unser q4Logix an wie eine ganz normale PC-Anwendung.
Wenn Maschinenbauer das Wort Cloud hören schrillen in der Regel die Alarmglocken – Stichwort Security! Sind die Sicherheitsrisiken eines solchen Ansatzes nicht viel zu groß?
Jein. Einerseits setzen wir auf bewährte Technologien, denen jeder einzelne von uns bei so wesentlichen Vorgängen wie dem Online-Banking vertraut. Andererseits heißt Cloud bei uns ja nicht unbedingt öffentlich erreichbar im Internet. Das Serversystem kann im abgeschlossenen Netz ebenso betrieben werden wie im öffentlichen Internet. Sogar die Steuerung selbst kann als Server für die Programmiersoftware auftreten. Alleine der Betreiber entscheidet, welche Möglichkeiten für den Anwender zur Verfügung stehen dürfen, und damit auch, wie exponiert die Serversysteme sind.
Auf der SPS IPC Drives stellen Sie Ihre Lösung q4Logix vor. Was genau kann diese Software und auf welche Applikationen zielt Sie konkret?
Unser q4Logix ist eine vollgrafische Entwicklungsumgebung für IEC 61131 FBD, die sich auf BOOLesche Verarbeitung und Zeitglieder in Programmen beschränkt. Die damit erstellte Software wird vom Laufzeitsystem q4PLC - im Moment noch interpretativ - abgearbeitet. Die Bibliothek mit vorgefertigten Funktionsbausteinen kann vom Steuerungshersteller eingeschränkt beziehungsweise selbst um eigene Bausteine und Funktionen erweitert werden.
Der 'große Bruder' q4Prog ist parallel in Entwicklung und bietet dann den vollen Umfang an Datentypen der IEC 61131 sowie die Erstellung eigener Funktionen beziehungsweise Funktionsbausteine. Hier wird neben FBD auch Strukturierter Text unterstützt. Eine erste Version von q4Prog wird 2015 zur Verfügung stehen.
Auf welchen Zielplattformen läuft die Laufzeitumgebung?
q4PLC läuft derzeit als Produktivsystem auf Windows, Linux, OS-9 und MQX jeweils auf unterschiedlichen CPU-Plattformen. Eine Unterstützung für Windows CE beziehungsweise Windows Embedded Compact und VxWorks ist in der Entwicklung bereits vorhanden.
Gibt es bereits Anwender, die Ihre Lösung einsetzen und dabei den geschilderten Cloud-Ansatz umsetzen?
Unser Pilotkunde home2net implementiert bereits den vollen Cloud-Ansatz, bei dem die Steuerungen alle ihre Daten - selbst Updates der Firmware beziehungsweise der SPS-Laufzeitumgebung - automatisch vom home2net-Server laden. Analog dazu wird auch das SPS-Programm nachgeladen, wobei das Programmiersystem q4logix ebenfalls vom home2net-Server kommt. Das Besondere hier ist, dass der Arbeitsplatzrechner des Automatisierers niemals direkt mit der Steuerung spricht, sondern das ganze immer über den Umweg des Cloud-Servers erfolgt.
Mit auf der SPS IPC Drives ist zudem unser Partner Microsys, der q4Logix und später q4Prog gemeinsam mit seiner Steuerungshardware - derzeit meist auf PowerPC oder ARM-Basis - anbietet.










