Bosch Rexroth

Günter Herkommer,

Neue Bausteine für Open Core Engineering

Vor zwei Jahren hatte Rexroth in Nürnberg mit 'Open Core Engineering' einen komplett neuen Ansatz vorgestellt, der die Brücke zwischen SPS-basierter Automatisierung und der IT-Welt schlägt. Zur SPS IPC Drives 2014 folgt nun die nächste Ausbaustufe.

Steffen Haack, Bosch Rexroth: "Mit Java und Lua eröffnen sich dem Anwender ganz neue Möglichkeiten zur Weiterentwicklung von Maschinen und Anlagen gemäß der Vision von Industrie 4.0."

© Computer&AUTOMATION

Im Zentrum von Open Core Engineering stehen Software-Tools und Funktionspakete, die vollständig auf offenen Standards und Technologien aufbauen. Ein entsprechendes Interface erweitert dazu das bisher auf die SPS-Automatisierung fokussierte Software-Engineering für Hochsprachen-basierte Anwendungen. Maschinenhersteller können so zum einen individuelle Software-Funktionen selbst realisieren und zum anderen Hochsprachen-basierte IT-Technologien in ihre Automatisierungslösung integrieren. Hierzu erhalten sie einen Zugriff bis auf die Kernfunktionen der Rexroth-Steuerungen.

Auf die Frage, inwieweit dieser neue Ansatz von den Maschinenbauern bereits angenommen wird, entgegnet Dr. Steffen Haack, Leitung Business Unit Industrial Applications von Bosch Rexroth: "Besonderen Anklang finden vor allem die Entwicklung nativer Apps sowie die Integration von Tools für die Simulation beziehungsweise das Rapid Control Prototyping. In beiden Anwendungsbereichen wurden Projekte erfolgreich umgesetzt. Bei Maschinenbauer, die erst anfangen, sich mit diesen Themen zu beschäftigen, ist noch eine gewisse Zurückhaltung spürbar."

Neu zur SPS IPC Drives 2014 ist, dass Rexroth zusätzlich zu den SPS-Programmiersprachen und einer Vielzahl von Hochsprachen jetzt auch die im Umfeld webbasierter Anwendungen verwendeten Sprachen unterstützt. Als "Universal-Dolmetscher" zwischen Hochsprachen und Internet-Dialekten auf der einen Seite und der SPS-basierten Maschinensteuerung auf der anderen Seite dient dabei der WebConnector. Mit webbasierten Anwendungen kommuniziert er beispielsweise über das mit HTML5 eingeführte WebSockets-Protokoll und mit Steuerungen über das OPC UA-Protokoll.

Da die Datenkommunikation nicht über das HTTP- sondern über das TCP-Protokoll erfolgt, können auf dieser Basis mit Open Core Engineering auch performante Web-Apps für Smart Devices entwickelt werden. Auch diese haben über die Schnittstellentechnologie Open Core Interface Zugriff auf alle Steuerungsfunktionen. Damit gibt es gegenüber nativen Apps keine funktionalen Einschränkungen. Neben der Server/Client-Funktionalität mit OPC UA und .NET-basierten Protokollen unterstützt der WebConnector das im Umfeld des „Internets der Dinge“ wichtige Protokoll MQTT von OASIS zur Kommunikation von Maschine zu Maschine und vereinfacht damit den umfassenden Austausch von Informationen in der Produktion.

Ebenfalls neu ist, dass Open Core Engineering nun mit der neuen Steuerungsplattform IndraControl XM neben C/C++ auch die Hochsprachen Lua und Java unterstützt. Haack hierzu: "Java ist die am weitesten verbreitete Sprache im IT-Umfeld – es ist die Sprache des Internets. Sie bietet unbegrenzte Möglichkeiten für die Verbindung von Steuerungssystemen mit der IT. Lua wiederum ist eine skriptorientierte Sprache, extrem leichtgewichtig und benötigt wenig Speicherplatz. Trotzdem ist sie ist mächtig im Sprachumfang, schnell, erweiterbar und plattformunabhängig. Diese Sprache eignet sich insbesondere für die Programmierung sequentiell orientierter Anwendungen wie im Robotik-Bereich."

Nicht zuletzt stellt Rexroth die erweiterten Funktionen und Kommunikationsmöglichkeiten mit der Schnittstellentechnologie 'Open Core Interface for Drives' nun auch für die Antriebsfamilie IndraDrive bereit. Damit erhalten Hochsprachen-basierte Anwendungen auf externen Geräten wie PCs direkten Zugriff auf alle Antriebsparameter. Über eine Softwarebibliothek stehen Funktionen zur Diagnose und direkten Ausführung von Motion-Control-Befehlen zur Verfügung. Haack hierzu: "Um beispielsweise den Energieverbrauch eines Antriebs abzurufen ist es somit nicht mehr notwendig, SPS-Programme zu erstellen. Vielmehr genügt es, in einem der gängigen Tabellenkalkulationsprogramme ein Makro zu schreiben und das kann jeder tun, der über etwas Erfahrung mit Visual Basis verfügt."

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