Siemens
Milliardeninvestition in Russland
Die Siemens AG will in den kommenden drei Jahren zusammen mit ihren Partnern eine Milliarde Euro in Russland investieren. Diese Initiative kündigte Peter Löscher, Vorstandsvorsitzender der Siemens AG, in der Jahressitzung des Foreign Investment Advisory Councils unter dem Vorsitz des russischen Premierminister Vladimir V. Putin, am 17. Oktober in Moskau an.
Im Rahmen der Investitionen will das Unternehmen in Regionen wie Jekaterinburg, Perm, St. Petersburg oder Woronesch Standorte für Produktion, Forschung und Entwicklung (F&E) sowie Service neu errichten oder ausbauen. Insgesamt rund 4000 Arbeitsplätze für Fachkräfte sollen so entstehen. Mit rund 700 Millionen Euro ist ein Großteil der geplanten Investitionen auf den Zukunftsmarkt Energie ausgerichtet. So sollen 400 Millionen Euro in neue Fertigungsanlagen für effiziente Gasturbinen und in den Ausbau des Servicegeschäfts fließen.
Im August hatte Siemens ein Joint-Venture mit dem russischen Unternehmen Power Machines für die Produktion, den Vertrieb und den Service von Gasturbinen angekündigt. Das Gemeinschaftsunternehmen mit Sitz in St. Petersburg startet, sobald die zuständigen Wettbewerbsbehörden ihre Zustimmung zur Transaktion erteilt haben. Für ein Forschungs- und Entwicklungszentrum von Siemens in der künftigen Innovationsstadt Skolkovo sind insgesamt 40 Millionen Euro vorgesehen.
Im Bereich erneuerbarer Energien sollen eine neue Produktionsstätte für Windenergieanlagen und eine Rotorblattfertigung entstehen, wofür Investitionen von insgesamt rund 120 Millionen Euro vorgesehen sind. Darüber hinaus ist geplant, etwa 115 Millionen Euro in eine lokale Transformatorenproduktion sowie in Fertigungen für Hochspannungsprodukte in Woronesch zu investieren. Weitere 60 Millionen Euro will Siemens gemeinsam mit russischen Partnern für den Bau einer Produktion von Pipeline-Kompressoren für die russische Öl- und Gasindustrie in Perm aufwenden.
Russland ist nach den USA, China und Japan der viertgrößte Stromerzeuger weltweit. Die Energieindustrie des Landes steht vor der großen Herausforderung, den bestehenden und überalterten Kraftwerkspark zu erneuern und den Anteil hocheffizienter Gas- und Dampfkraftwerke (GuD) und Windenergieanlagen bei der Stromerzeugung signifikant zu erhöhen. Für die Modernisierung des Stromnetzes hat der russische Netzbetreiber Federal Grid Company mittelfristig zwölf Milliarden Euro Investitionen vorgesehen.
Marktchance Bahntechnik
Neben dem Energiesektor ist auch die Bahntechnik ein vielversprechender Markt in Russland, den Siemens gemeinsam mit russischen Kopperationspartnern beliefern kann: Das im vergangenen Jahr mit der russischen Sinara Group in Jekaterinburg gegründete Gemeinschaftsunternehmen hat bereits Aufträge im Wert von mehr als drei Milliarden Euro zur Produktion moderner Güterlokomotiven und Regionalzüge erhalten. Nun sollen die lokalen Produktionskapazitäten, insbesondere für die Fertigung der Regionalzüge, mit Investitionen von mehreren hundert Millionen Euro deutlich ausgebaut werden.
Außerdem soll das in St. Petersburg angesiedelte Siemens-Gemeinschaftsunternehmen zur Fertigung von Zugantriebstechnik Zusatzinvestitionen von mehr als 20 Millionen Euro erhalten. Mit 88.000 Kilometern Länge hat Russland das zweitgrößte Schienennetz der Welt. Bis 2030 wollen die Russischen Eisenbahnen (RZD) insgesamt knapp 300 Milliarden Euro investieren und 23.000 neue Lokomotiven sowie 24.000 neue Regionalzüge in Betrieb nehmen.
Russland ist ein strategischer Kernmarkt von Siemens, in dem das Unternehmen seit fast 160 Jahren vertreten ist und rund 4000 Mitarbeiter beschäftigt. Der Technologie-Konzern ist heute landesweit bereits in über 30 Städten vertreten. Im Geschäftsjahr 2010 erzielte Siemens in Russland 1,2 Milliarden Euro Umsatz und hat Aufträge für rund 2,6 Milliarden Euro erhalten.









